Durchgelesen: Sebastian Faulks – „Das Mädchen vom Lion d’Or“


Sebastian Faulks hat ein wunderschönes, rührendes Buch geschrieben.

Autor Sebastian Faulks
Titel Das Mädchen vom Lion d’Or
Verlag Schöffling
Erscheinungsjahr 1989
Bewertung ****

„Das alles ist Faulks: der neue Flaubert, Maupassant, Simenon, Balzac, Colette“, hat niemand anderes als die „Times“ behauptet, die auch zu dem Schluss kommt: „Ein wunderschönes Buch und zum Ende außerordentlich rührend“. Dem ist eigentlich wenig hinzuzufügen.

Faulks berherscht die Kunst des Erzählens und schafft so aus einer eigentlich ganz belanglosen Anekdote das Porträt einer starken Frau, die Geschichte einer großen Liebe und zudem ein Sittengemälde Frankeichs zwischen den beiden Weltkriegen.

Das Zimmermädchen Anne kommt aus Paris aufs Land und nimmt eine neue Stelle an. In ihr schlummern bittere Erfahrungen und dunkle Geheimnisse. Sie verliebt sich in den deutlich älteren (und verheirateten) Hartmann, vertraut sich ihm schließlich an. Hartmann wiederum, der zunächst Mitgefühl, dann Bewunderung und Liebe für das Mädchen empfindet, hinterfragt ob der Affäre seine ganze Biografie. Oder, wie es an einer Stelle heißt: „Neben diesem unbestimmten Mitleid verspürte er auch Ehrfurcht vor ihrer gefassten Haltung. Ihr Leben baute sich allmählich wie ein Vorwurf vor seinem eigenen auf.“

So knapp, treffend und plastisch formuliert Faulks ständig, so dass schnell schillernde Charaktere und eine flirrende Atmosphäre entstehen, in die man sofort eintaucht – und aus der man tief bewegt wieder herauskommt.

Beste Stelle: „Nichts hätte sie lieber getan als ihm zu vertrauen und ihn in die Geheimnisse und Ängste ihres Lebens einzuweihen, aber es war unmöglich. Es war eine doppelte Belastung; sie musste nicht nur mit einer Geschichte leben, von der niemand sonst wissen durfte, sondern ihr Geheimnis machte es noch viel schwerer, Beziehungen aufzubauen, die ihr erlaubt hätten, es zu enthüllen.“

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