Durchgelesen: Ulrich Schnabel – „Was kostet ein Lächeln?“


Autor Ulrich Schnabel

Cover des Buches Was kostet ein Lächeln Kritik Rezension

Bonmots und Lebenshilfe vereint Ulrich Schnabel in „Was kostet ein Lächeln?“

Titel Was kostet ein Lächeln? Von der Macht der Emotionen in unserer Gesellschaft
Verlag Blessing
Erscheinungsjahr 2015
Bewertung

Als ein „Sachbuch mit Gefühl“ hat der SRF das neue Werk von Ulrich Schnabel bezeichnet. Das verwundert kaum, hat sich der ZEIT-Wissenschaftsredakteur doch schon in seinen ersten beiden Büchern eher den Themen aus der akademischen Welt gewidmet, die genauso gut für Lifestyle- oder Frauenzeitschriften geeignet sind wie für Science oder Nature. Auf Die Vermessung des Glaubens und den Bestseller Muße. Vom Glück des Nichtstuns folgt nun Was kostet ein Lächeln? Von der Macht der Emotionen in unserer Gesellschaft.

Das klingt ein bisschen esoterisch, und in der Tat können sich beim Lesen mitunter verdächtige Strickpulli- und Räucherstäbchen-Assoziationen im Kopf des Lesers einschleichen. Der Autor, geboren 1962 und studierter Physiker, bedankt sich am Ende bei einigen seiner Gesprächspartner und Unterstützer unter anderem „für die Aufmerksamkeit für Kirschblüten“ oder „Nachhilfe im achtsamen Telefonieren“. Ganz zu Beginn von Was kostet ein Lächeln? inszeniert er sich als der Welt entrückter Feingeist: Den Anstoß zu diesem Buch gaben demnach seine Erlebnisse auf der Documenta. Genauer gesagt: Die künstlerischen, inspirierenden Eindrücke dort im Vergleich zum Konsum-Overkill, dem er kurz darauf in einem Elektronik-Großmarkt ausgesetzt war. Und mittendrin streut er auch schon mal ein Kapitel ein, das Besser fühlen – wie wir in Einklang kommen heißt. Wenn man so etwas im Flugzeug oder in der Straßenbahn liest – zumindest als jemand, der von sich glaubt, emotional einigermaßen wenig Nachhilfebedarf zu haben und mit beiden Beinen im Leben zu stehen -, dann hofft man sicher, vom Sitznachbarn nicht unbedingt auf die Lektüre angesprochen zu werden.

Doch genau dieser Effekt führt zum Wert des Buches. Denn das Zustandekommen solcher Gefühle (in diesem Fall: Scham) als Zusammenspiel aus Selbstbild und Umwelt wird in Was kostet ein Lächeln? Von der Macht der Emotionen in unserer Gesellschaft immer wieder sehr eindrucksvoll erklärt. Ulrich Schnabel blickt aus sehr unterschiedlichen Perspektiven auf unser Gefühlsleben und macht unterm Strich deutlich: Gefühle besitzen zwar, wie er das nennt, „eine ungeheuere Macht des Es ist so.“ Aber sie sind keineswegs der ursprüngliche Ausdruck unseres tiefsten Innern, unserer Seele oder unserer wahren Natur. Sie sind von anderen Menschen gelernt und vor allem: von außen beeinflusst, auch von so scheinbar rationalen Sphären wie der Arbeits-, Konsum- oder Medienwelt.

Schnabel führt Interviews, greift auf Studien aus Medizin, Psychologie und Soziologie zurück, zitiert andere Bücher (und gerne auch seine eigenen), liefert reichlich Bonmots und hat erneut ein Werk vorgelegt, das wissenschaftlich top aktuell und zugleich am gesellschaftlichen Puls der Zeit ist (Stichwort: Burn Out). Ihm gelingen gewitzte Glossen wie Eine märchenhafte Beziehung ebenso wie scharfsinnige Betrachtungen etwa zur Ökonomisierung des Sozialen und der emotionalen Manipulation im Job.

„Wir versuchen alle, wahnsinnig glücklich zu sein, und das ist fürchterlich anstrengend“, sagt Schnabel im Video zur Buchvorstellung; entsprechend stellt er einige Strategien vor, um diesem Dilemma zu entgehen und sich gegen Manipulation zu verteidigen. Sein Buch ist dabei kein typischer Ratgeber. Doch der Autor will eindeutig nicht nur Fakten bieten, sondern auch Hilfestellung geben, wenn auch nicht als praktische Handlungsanweisungen für alle Lebenslagen, sondern als Ermahnung zur Reflexion. Alles andere wäre auch widersinnig angesichts der zentralen Botschaft des Buchs: Achte auf deine Gefühle. Und achte darauf, wann sie von anderen benutzt werden.

Bestes Zitat: „Erst die Gefühle geben unseren Erfahrungen Gewicht, erst sie sagen uns, worauf wir unser Augenmerk zu richten haben und geben so dem Verstand eine Richtung vor. Emotionen gleichen daher Navigationsinstrumenten, mit deren Hilfe wir durchs Leben steuern und die es uns ermöglichen, unser Tun als sinnvoll zu erfahren.“

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