Efterklang – „Altid Sammen“


Künstler Efterklang

Efterklang Altid Sammen Review Kritik

„Altid Sammen“ hatten Efterklang eigentlich als weiteres Nebenprojekt begonnen.

Album Altid Sammen
Label 4AD
Erscheinungsjahr 2019
Bewertung

Egal ob langjähriger Fan oder Novize: Zwei Dinge fallen sofort auf, wenn man Altid Sammen begegnet, dem fünften Album von Efterklang. Erstens: Sänger Casper Clausen singt erstmals auf Dänisch. „Für mich eine vollkommen neue Art des Ausdrucks, obwohl es sich natürlich auch irgendwie wie eine Heimkehr anfühlt – schließlich ist es meine Muttersprache“, sagt er und ergänzt: „Wozu überhaupt auf Englisch singen? Ich liebe so viele Songs, die in Sprachen eingesungen sind, von denen ich kein einziges Wort verstehe. All diese verschiedenen Sounds… und wie sie unsere Münder, unsere Lippen und unsere Gesten beeinflussen und formen…“ Zweitens: Es gibt, 15 Jahre nach dem Debüt Tripper, tatsächlich eine neue Platte von Efterklang. Damit war nicht zu rechnen, hatte sich der Vorgänger Piramida (2012) doch in vielerlei Hinsicht wie ein Schlusspunkt und Vermächtnis angefühlt. Zu der Platte sind ein Film und ein Live-Album entstanden, die dazugehörige Tour ging 2014 mit großer Show in ihrer Heimatstadt Sønderborg im Süden Dänemarks zu Ende, die den Titel „The Last Concert“ hatte.

Dass es nun doch anders gekommen ist (und auch, dass die Texte jetzt auf Dänisch sind), hängt mit den Freiheiten zusammen, die sich Clausen, Mads Brauer (Synthesizer, Electronics) und Rasmus Stolberg (Bass) danach genommen haben. „Wir brauchten einfach eine Auszeit: Schluss mit der Routine, Schluss mit diesen ewigen Zyklen aus Albumproduktion und Konzerten“, sagt Clausen über den Moment nach dem „Last Concert“ vor fünf Jahren. „Nach der Show fühlte sich das alles echt aufregend an… und auch ein bisschen beängstigend. Wir konnten wieder vollkommen frei denken, konnten ganz neue Richtungen einschlagen. Und uns einfach auf das konzentrieren, was wir drei gerade spannend fanden.“

Die Abenteuer waren äußert vielfältig: Die drei Mitglieder von Efterklang haben eine Oper komponiert, Soloprojekte gestartet und gemeinsam mit ihrem Tour-Schlagzeuger eine neue Band namens Liima gegründet, mit der sie zwei Alben veröffentlicht haben. Als eine Kollaboratiom mit dem belgischen Ensemble B.O.X. für das mixMass Festival in Antwerpen dazu kam, wurden die Weichen wieder in Richtung der Arbeit mit Efterklang gestellt, auch wenn das zunächst keinem der Beteiligten klar war. „Ein echtes Hochgefühl war das, als wir von der Bühne kamen. Und damit stand fest: Lasst uns ins Studio gehen und das Ganze einfangen“, erzählt Bassist Rasmus Stolberg. Was zunächst als weiteres Nebenprojekt begann – die Beiträge von B.O.X. und weiteren Gästen sind auf Altid Sammen noch sehr deutlich zu hören – wurde dann zum fünften Album des Trios. „In den vergangenen fünf Jahren ist uns einfach klargeworden, dass wir Efterklang heute ganz anders sehen. Mit vollkommen anderen Augen, aus einer frischen Perspektive“, sagt Stolberg. „Es fühlt sich also schon wie ein Neuanfang an. Ich finde, dass es da eine neue Energie gibt, die entsteht, wenn wir zusammen sind. Und dass wir uns alle sehr verändert haben als Individuen.“

Neben der anderen Sprache kann man durchaus erkennen, welche neuen Elemente und vor allem welchen neuen Geist er damit meint. Die Orgel in Hænder der åbner sig klingt uralt und verschwörerisch, dann tragen auch die Bläser dazu bei, dass für dieses Lied einzig der Begriff „majestätisch“ angemessen erscheint. In Supertanker wird vor allem zu Beginn der Ursprung des Songs als Meditation auf der Gitarre erkennbar, sodass man sich etwa ins Bowie-Berlin zurückversetzt fühlen kann, dann wird das Stück in der zweiten Hälfte mit Harfe und Bläsern sehr exotisch. Das hypnotisch-geheimnisvolle Under broen der ligger du wagt sich nach einer Weile, getragen von Percussions und Bass, an so etwas wie Groove. In Verden forsvinder wird viel Schwermut mit ein paar schrillen Elementen gepaart, Havet løfter sig wirkt wie eine Skizze, nicht nur wegen der vergleichsweise kurzen Spielzeit von knapp unter drei Minuten.

Natürlich gibt es bei den Dänen auch weiter vertraute Elemente. Vi er uendelig eröffnet das Album reduziert, analog, verträumt, schön, warm und ergreifend – und mit diesen Attributen wäre diese Platte auch insgesamt schon sehr treffend zusammengefasst. Uden ansigt zeigt ebenfalls sehr treffend das Efterklang-Prinzip: Ghost Notes auf der Gitarre sorgen für Spannung, die raumgreifenden Klavierakkorde für Atmosphäre, der sehr hohe Gesang für das Besondere und schließlich das Schlagzeug für die Struktur. Nicht zuletzt bleibt der Gesang von Casper Clausen ein prägendes Element. Synthesizer und Bass müsste man in I dine øjne „dominierend“ nennen, wenn seine Stimme nicht so eindringlich wäre.

„Die Stücke von Altid Sammen handeln vom Glauben, von Zusammengehörigkeit“, sagt Clausen zu den wichtigsten Themen des Albums. „Aber nicht im religiösen Sinne. Keiner von uns glaubt an eine der existierenden Religionen. Die Worte ergeben eine Sinnsuche – die Suche nach Sinn in Beziehungen, in der Natur, im Tod, in der Ewigkeit. Es geht um die Bindungen, die wir eingehen: wie wir uns versammeln, Hände halten, singen, Momente gemeinsam erleben. Wir alle sind miteinander verbunden, über Ländergrenzen hinweg, unabhängig von Alter oder Geschlecht. Unabhängig von unserer jeweiligen Vorgeschichte kommen wir zusammen und bewegen uns auch wieder in ganz unterschiedliche Richtungen auseinander, immer zusammen.“ Am besten wird das zum Abschluss in Hold mine hænder ausgedrückt: Das Lied setzt das Thema der Verbundenheit nicht nur im Titel um, sondern auch durch Call-and-response-Gesang mit einem Chor. Das Ergebnis klingt wie Efterklang: magisch und wie aus einer anderen Welt, behutsam und trotzdem episch.

Stimmungsvoll und spannend ist auch das Video zu I dine øjne.

Im Frühjahr gibt es einige Live-Termine von Efterklang in Deutschland:

10.2.20 Berlin, Admiralspalast

11.2.20 Leipzig, Werk 2

12.2.20 Frankfurt, Mousonturm

13.2.20 München, Muffathalle

14.2.20 Wien, Gasometer

25.2.20 Hannover, Pavillon

27.2.20 Köln, Gloria

Website von Efterklang.

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