Federn gelassen


Zehn Monate lange Diskussionen, sechs Wochen Streik, zuletzt ein sieben Tage und Nächte währender Verhandlungsmarathon: Der Streit um die Auslagerung von 50.000 Stellen bei der Telekom hat Spuren hinterlassen. Von einem strahlenden Gewinner kann keine Rede sein. Sowohl das Bonner Unternehmen als auch die Gewerkschaft Verdi haben Federn gelassen.

Das gilt natürlich auch für die Mitarbeiter. Während die Beschäftigten beim anderen ehemaligen Staatskonzern, der Bahn, gerade sieben Prozent mehr Geld fordern, müssen die Telekom-Mitarbeiter, die von der Auslagerung betroffen sind, herbe Einschnitte hinnehmen. Wer in den neuen Service-Gesellschaften tätig sein wird, muss künftig für weniger Geld vier Stunden mehr pro Woche arbeiten.

Dennoch: Bis 2012 sind alle Jobs sicher, die Sparmaßnahmen werden zudem relativ großzügig abgemildert. Und nicht zuletzt hätte die Telekom ihre Pläne auch ohne Zustimmung der Beschäftigten durchziehen können. Verdi hatte deshalb bis auf die Wahrung des Betriebsfriedens kaum gute Argumente. Auch, dass man in Tarifverhandlungen mit Konkurrenten des Bonner Riesen weitaus weniger rigorose Forderungen gestellt hatte, schwächte die Position der Gewerkschaft.

Der neue Telekom-Chef René Obermann hat zumindest sein Image als harter Sanierer bewahrt. Doch der Konflikt hat auch gezeigt, wie viel Arbeit noch auf ihn wartet. In der Festnetzsparte – wo es jetzt die Einschnitte geben wird – laufen weiterhin die Kunden davon. Der Ärger, den die Streiks mit sich brachten, kommt noch dazu. Der Druck der Aktionäre ist nach wie vor hoch, der Börsenkurs trotz der guten Stimmung an den Aktienmärkten ernüchternd.

Wenn Obermann daran etwas ändern will, braucht er nach der Einigung über die Personalkosten nun ein Zukunfts-Konzept für Produkte und Tarife. Doch das ist nicht in Sicht. Vor allem aber muss der Chef seinen Angestellten endlich klar machen, dass die Zeiten, in denen man als Ex-Monopolist eine Sonderrolle beanspruchen konnte, endgültig vorbei sind. Die Bilder von den Streiks deuten darauf hin, dass das noch längst nicht alle im Konzern akzeptiert haben. Erst wenn alle Beteiligten den Wettbewerb annehmen, kann die Telekom bestehen.

Gelingt dieser Bewusstseinswandel, könnten die Kunden zu den echten Gewinnern der Tarif-Einigung werden. Einsparungen von etwa einer halben Milliarde Euro dürften über sinkende Preise an sie weitergegeben werden. Weiterbildung, flexiblere Arbeitszeiten und Leistungsprämien für die Telekom-Mitarbeiter werden langfristig besseren Service bringen. All dies hat die Telekom allerdings schon häufiger versprochen – passiert ist wenig.

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