Fettes Brot, Haus Auensee, Leipzig 4


Fettes Brot brauchten diesmal eine Weile, bis der Funke richtig übersprang.

Fettes Brot brauchten diesmal eine Weile, bis der Funke richtig übersprang.

„Wir scheinen immer extreme Witterungsbedingungen mitzubringen, wenn wir hier sind“, stellt König Boris nach etwa einer Stunde fest. Er hat Recht: Leipzig versinkt an diesem Abend im Schneechaos. Auch ich komme deshalb 20 Minuten zu spät ins Haus Auensee und erinnere mich schmerzhaft ans Highfield-Festival im Sommer: Da war kurz vor der Show von Fettes Brot ein Unwetter losgebrochen, das fast die Bühne weggefegt hätte.

Um es vorweg zu nehmen: Mit der Urgewalt der Natur können es Fettes Brot an diesem Abend im Haus Auensee nicht aufnehmen. Man kann bei ihrer Show zweifelsohne trotzdem eine Menge Spaß haben: Es gibt feines Rap-Entertainment, reichlich Action auf der Bühne (neben König Boris, Rektor Donz und Björn Beton sind noch ein Schlagzeuger, ein Bassist, zwei Gitarristen, ein DJ, ein Keyboarder und zwei Blechbläser im Einsatz) und im nicht ganz vollen Haus Auensee (womöglich hat der Winter noch ein paar mehr Besucher von der Anreise abgehalten) auch genug Platz zum Tanzen.

Vor allem, wenn man sich etwas weiter hinten aufhält, ist es durchaus ein solides Konzert. Dort ist nicht nur der Sound besser (an den Seiten und weiter vorne gehen die drei Stimmen oft im Mix unter). Man ist auch nicht ganz so nah dran an Fettes Brot – und das ist an diesem Abend in Leipzig ein Vorteil.

Denn wenn man nah dran ist, wird deutlich: Besonders viel Spaß haben König Boris, Björn Beton und Rektor Donz selbst nicht. Sie sehen müde aus, spulen über weite Strecken bloß ihr Programm herunter und bringen nicht einmal in den Ansagen etwas von dem Charme auf die Bühne, der Fettes Brot sonst auszeichnet.

Vielleicht sind sie schlicht gesundheitlich angeschlagen (Rektor Donz muss zwischendurch immer wieder husten). Vielleicht sind sie nach einem mega-erfolgreichen Live-Album schlicht verwöhnt. „Wir haben das Live-Album aufgenommen vor unseren Fans. Dann haben wir es rausgebracht und erst gemerkt: Ja, richtig, jetzt wollen die Leute, die das Album gekauft haben, das, was sie auf der Platte gehört haben, auch nochmal in echt sehen“, hatte Björn Beton im Sommer beim Interview erzählt. Nun muss er sich selbst fragen: „Ihr habt wohl unsere Liveplatte noch nicht gekauft?“, als das lustige Spiel mit dem Publikum bei Können diese Augen lügen nicht sofort funktioniert.

Vielleicht macht sich inzwischen auch bemerkbar, wie lange Fettes Brot nun schon mit diesem Programm auf Tour sind. Dass sich hier viel Raproutine eingeschlichen hat, kann im Haus Auensee in Leipzig niemand bezweifeln. Als sie später über den Gesang des Publikums und mit einer Beatbox ein bisschen improvisieren, meint Rektor Donz halb fasziniert, halb zynisch: „Wow. Wir werden morgen sofort ins Studio gehen und ein Livealbum aufnehmen. Mal zu Abwechslung.“ Auch aus diesem Spruch kann man durchaus heraushören, dass die Band sich nach mehr Kreativität und weniger Reproduktion sehnt. Die Pause auf unbestimmte Zeit, die sich das Trio demnächst nehmen will, scheinen sie wirklich nötig zu haben.

Freilich gibt es auch sehr gelungene Momente. Lauterbach knallt rein, mit dem hübschen Yasmin nehmen sie sehr gekonnt das Tempo raus. Auch An Tagen wie diesen danach kommt gut an. Und ein Superpunk-Cover wie Man kann einen ehrlichen Mann nicht auf seine Knie zwingen ist natürlich immer willkommen, auch wenn die Fettes-Brot-Version etwas mehr Exaktheit gebrauchen könnte.

Mit Emanuela kommt erst kurz vor Schluss endlich richtig Schwung in die Sache. Als die Fans danach die Melodie zu Seven Nation Army anstimmen, entfährt Björn Beton auf der Bühne ein „Das wurde ja auch Zeit.“ Auch Jein funktioniert super, dann ist erstmal Schluss.

Die Zugabe beginnt mit Ich bin müde – irgendwie symptomatisch für dieses Konzert. Dem Sprechgesang fehlt oft die Power, Phrasierung und damit die Überzeugungskraft. Lediglich beim Tanzen scheinen Fettes Brot sich richtig ins Zeug zu legen – doch die Fans sind sicher nicht gekommen, um ihnen bei einer Fitness-Einheit zuzuschauen. Immerhin gibt es mit dem energisch geforderten Schwule Mädchen noch einen klasse Abschied. Als vorletztes Lied erklingt  Schlecht. Und als Fettes Brot danach meinen „Herzlichen Glückwunsch! Ihr seid das schlechteste Publikum, das wir je hatten“, dann kann man jedenfalls nicht ganz sicher sein, ob das wirklich als Scherz gemeint ist.

Die Fans im Haus Auensee in Leipzig hatten danach geschrien, als Rausschmeißer gab es dann auch Schwule Mädchen:

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