Freies Land


Film Freies Land

Freies Land Review Filmkritik

Patrick Stein (Trystan Pütter, rechts) und Markus Bach (Felix Kramer) müssen eine Mordserie aufklären.

Produktionsland Deutschland
Jahr 2019
Spielzeit 128 Minuten
Regie Christian Alvart
Hauptdarsteller Trystan Pütter, Felix Kramer, Nora Waldstätten
Bewertung

Worum geht’s?

Weil er Ärger mit seinem Chef angezettelt hat, ist der Kommissar Patrick Stein aus Hamburg nach Löwitz strafversetzt worden. Kaum ist er im Provinzstädtchen in Mecklenburg-Vorpommern angekommen, gibt es einen ebenso grausamen wie brisanten Fall zu lösen: Zwei Teenager-Schwestern sind verschwunden, wenig später werden ihre Leichen im Wasser gefunden. Sie wurden offensichtlich entführt, misshandelt und vergewaltigt. Bald zeigen die Ermittlungen von Stein und seinem ortsansässigen Kollegen Markus Bach, dass noch weitere Mädchen verschwunden sind, über Jahre. Doch nicht einmal die Eltern der Opfer scheinen ein gesteigertes Interesse daran zu haben, die Hintergründe aufzuklären und die Täter zur Rechenschaft zu ziehen.

Das sagt shitesite:

Apathie ist das wichtigste Element in Freies Land: Stein will nicht in den Osten, Bach will nicht mit dem neuen Kollegen arbeiten, niemand will ihnen helfen. Die Landschaft und die Städte sind grau und feucht in diesem Film, die Menschen sind schweigsam und misstrauisch. Das gilt auch für die beiden Ermittler und die Geheimnisse, die sie zunächst voreinander bewahren: Der eine hat eine schwangere Frau zuhause und muss nach dem Ärger mit dem Polizeipräsidenten um seine Karriere bangen, der andere hat eine Vergangenheit als brutaler Stasi-Scherge hinter sich.

In der Ästhetik, der Atmosphäre und den Charakteren, bis hin zur Kameraführung und Musik, erinnert das beispielsweise an die True Detective-Reihe. Die Vorlage für Freies Land stammt aber aus Europa. Regisseur Christian Alvart hat, wie schon im Jahr zuvor bei Steig. Nicht. Aus, einen spanischen Thriller (La isla mínima – Mörderland) neu interpretiert. Unso erstaunlicher ist, wie gekonnt er diesen Plot mit den Wende-Nachwehen kombiniert, die im Jahr 1992 im strukturschwachen Gebiet an der Oder noch sehr spürbar sind. Die Zerrissenheit der beiden Kommissare spiegelt dabei die Zerrissenheit der Gesellschaft. Es gibt reichlich offene Wunden, die vielleicht nie heilen werden – auch weil letztlich keine der beiden Seiten ein Interesse daran hat, die verfügbaren materiellen und emotionalen Mittel miteinander zu teilen, die dazu nötig wären. Die einen haben statt blühender Landschaften bloß Ausverkauf erlebt (das betrifft die Werft im Ort ebenso wie all die jungen Menschen, die fortgegangen sind), die anderen blicken auf eine fremde Welt, deren Mentalitäten, Zwänge und ungeschriebenen Gesetze sie nicht verstehen.

Sehr souverän hält der Film die Balance zwischen diesem Ost-West-Konflikt und dem eigentlichen Geschehen rund um den Kriminalfall. Gleich auf zwei Ebenen zeigt Freies Land dabei auch Schnittmengen auf: Die vermeintlichen Wildwest-Methoden sind ausgerechnet die aus dem alten Osten, zumindest in der Ermittlungsarbeit. Und auf beiden Seiten begegnen Bach und Stein einigen Menschen, die der Meinung sind, über dem Gesetz zu stehen.

Bestes Zitat:

„Dieses Land ist nicht mehr, was es war. Die Leute haben sich viel erhofft. Und es gibt Enttäuschte.“

Der Trailer zum Film.

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