Fünf Patronenhülsen


Film Fünf Patronenhülsen

Fünf Patronenhülsen Filmkritik

Pierre (Armin Mueller-Stahl), Dimitri (Günter Naumann) und Oleg (Manfred Krug, von links) sind Teil der internationalen Brigaden.

Produktionsland DDR
Jahr 1960
Spielzeit 88 Minuten
Regie Frank Beyer
Hauptdarsteller*innen Erwin Geschonneck, Ulrich Thein, Edwin Marian, Ernst-Georg Schwill, Armin Mueller-Stahl, Manfred Krug
Bewertung

Worum geht’s?

Spanien, 1936: Die internationalen Brigaden kämpfen im Bürgerkrieg auf Seiten der republikanischen Truppen gegen die Faschisten. An der Front nahe des Ebro müssen sie sich allerdings zurückziehen. Kommissar Witting soll mit fünf Freiwilligen den Rückzug decken und sich dann wieder seiner Einheit anschließen. Er kann den Befehl erfüllen und eine Stunde lang die Stellung halten, wird dabei aber tödlich verwundet. Im Sterben vertraut er seinen Männern an, dass er einen strategisch bedeutsamen Aufmarschplan der Faschisten in die Hände bekommen hat. Dieser muss unbedingt dem Stab der republikanischen Truppen überbracht werden. Weil Witting sicher ist, dass diese Operation am besten gelingen kann, wenn die fünf Männer zusammenbleiben, zertrennt er den Plan in fünf Teile. Jeder Mann bekommt ein Stückchen davon, versteckt in einer leeren Patronenhülse – nur alle fünf Hülsen zusammen ergeben den vollständigen Plan. Mit diesem wichtigen Auftrag versuchen José, Willi, Pierre, Oleg, Dimitri und der Funker Wasja, wieder Anschluss an ihre Truppe zu finden. Ihnen wird dabei alles abverlangt. Denn nicht nur die militärisch und zahlenmäßig weit überlegenen Faschisten sind ihnen auf den Fersen. Sie haben in der unwirtlichen Gegend der Sierra Nevada auch kaum Proviant und so gut wie kein Wasser.

Das sagt shitesite:

Ein paar Dinge an diesem DEFA-Film aus dem Jahr 1960 können aus heutiger Sicht befremdlich wirken. Da ist das Lied von Ernst Busch im Vorspann als pompöse Agitation. Da ist ein angeblich spanischer Major, der hörbar sächselt. Und da ist die Tatsache, dass das Geschehen in der Sierra Nevada statt in Spanien in Bulgarien und im Harz (!) gedreht wurde, wo man kurzerhand ein paar Berge weiß angemalt hat, damit sie nach Steinwüste aussehen. Davon abgesehen erweist sich Fünf Patronenhülsen aber auch fast 60 Jahre nach seiner Kinopremiere als spannend und formal überzeugend, nicht zuletzt als eines der wertvollsten Werke der DDR-Filmproduktion. Für Manfred Krug war dies die erste große Filmrolle, er sollte später noch mehrfach mit Regisseur Frank Beyer zusammenarbeiten (der 1997 auch sein Buch Abgehauen verfilmt hat), etwa im legendären Spur der Steine. Für Armin Mueller-Stahl, bis dahin vor allem als Theaterschauspieler gefeiert, war dieser Film der Durchbruch auf der Leinwand.

Wenn man möchte, kann man hier sogar Parallelen zu Der Soldat James Ryan erkennen. Es geht gegen die Faschisten (hier: Franco; dort: Hitler), die Ausgangsposition ist wenig ruhmreich (hier: Rückzug; dort: Verhindern, dass auch noch der vierte Sohn einer Familie dem Feind zum Opfer fällt) und ein paar Mal geht es ein bisschen arg in Richtung plumper ideologischer Indoktrination (hier zum Beispiel die pädagogisch wertvolle Szene, in der die Bauern der Gegend zu feige sind, sich mit den Freiheitskämpfern zu solidarisieren, obwohl ihnen doch klar sein müsste, dass sie im Klassenkampf auf derselben Seite stehen; dort die patriotischen Tränen auf dem Friedhof).  Die größte Gemeinsamkeit ist aber sicher – nicht allzu ungewöhnlich für einen Kriegsfilm – die Betonung des Werts von Zusammenhalt im Angesicht einer Aufgabe, die unlösbar erscheint, und von Strapazen, die kaum zu ertragen sind. Natürlich war die Botschaft, dass zur bedingungslosen Kameradschaft auch bedingungsloser Gehorsam gehört, in einem DDR-Film dabei sicherlich kein unerwünschter Nebeneffekt.

Schon in ihrem Schützengraben haben die fünf Männer zu schlechte Waffen, zu wenig Munition, kaum Proviant und noch nicht einmal den von allen dringend herbeigesehnten Tabak. Als sie dann während ihrer Spezialoperation auf sich gestellt sind, wird die Lage noch prekärer. Fünf Patronenhülsen zeigt die fünf Soldaten dabei nicht als Propaganda-gestählte Kampfmaschinen, sondern erlaubt ihnen Zweifel an ihrer Mission, sogar Verzweiflung. Es sind der persönliche Mut, die Loyalität untereinander und die Überzeugung, für die richtige Sache zu kämpfen, die sie viele Entbehrungen ertragen lassen.

Jeder zusätzliche Schritt hin zum ersehnten Ziel wird für sie immer mehr zur Qual, und Fünf Patronenhülsen findet sehr wirkungsvolle Bilder dafür. Enorm eindrucksvoll ist auch, wie wenig Dialoge das Drehbuch von Walter Gorrish (er hat selbst in Spanien gekämpft) braucht. Es gibt hier durchaus genug Action, aber der Grundton des Films bleibt ruhig, die fünf Männer ertragen ihre Situation schweigend und brauchen oft nur ein paar vielsagende Blicke, um ein stilles Einverständnis herzustellen. Einigermaßen subtil wird zudem in kurzen Szenen angedeutet, wie groß die strukturellen Unterschiede in diesem Krieg sind, so lebt der Feind im Überfluss, und die Kirche steckt natürlich mit den Faschisten unter einer Decke. Nicht zuletzt zeigt sich Fünf Patronenhülsen mit Überblendungen, Tonbrücken und einer fast psychedelischen Szene, als einer der Kämpfer vor lauter Durst halluziniert, auch stilistisch auf der Höhe der Zeit.

Bestes Zitat:

„Wer sich knicken lässt, der bricht.“

Der Anfang des Films.

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