Futter für die Ohren mit Beastie Boys, Young Fathers, Reptile Youth, I Heart Sharks, Tiny Fingers, Slonesta und Colourmusic


Young Fathers vereinen in ihrem HipHop Avantgarde mit Spaßfaktor. Foto: verstaerker.com

Young Fathers vereinen in ihrem HipHop Avantgarde mit Spaßfaktor. Foto: verstaerker.com

Ausgerechnet aus Edinburgh kommt eine der besten HipHop-Platten des Jahres – das gilt im Februar, wird aber auch noch im Dezember gelten. Dort sind Young Fathers zuhause, und die haben mit Dead gerade ein ziemlich famoses Debüt hingelegt. The Guide (***1/2), das es gerade bei Soundcloud umsonst als MP3 gibt, ist zwar nicht auf dem Album enthalten, zeigt aber trotzdem, wie der Sound von Alloysious Massaquoi (seine Wurzeln liegen in Liberia), G Hastings (ein beinahe waschechter Edinburgher) und Kayus Bankole (seine Vorfahren sind in Nigeria zuhause) funktioniert: Electro, Soul, Afrika, Pop und modernen, mutigen HipHop vereint das Trio zu einem sehr überzeugenden Ganzen. Der Bass ist brutal, der Beat spartanisch, TripHop klingt ebenso kurz an wie Reggae, und im letzten Drittel des Songs gibt es ein beinahe niedliches „Shalalalala“. Das wird dem Anspruch gerecht, Avantgarde zu sein, vergisst aber auch nicht den nötigen Spaßfaktor.

Noch mehr seltsame Geografie: Köln-Hürth hat sich in den vergangenen Jahren zu so etwas wie der deutschen Reggae-Hauptstadt entwickelt, in erster Linie durch die Arbeit der Damen und Herren bei Rootdown Records. Die sind nicht nur fleißig, sondern auch äußerst großzügig: Ihr Soundcloud-Profil hält reichlich Free Tracks bereit. Slonesta ist etwa mit Winterstarre Pt. 2 (***) vertreten. Die darin besungene Flucht vor der Kälte ist derzeit zwar nicht ganz so dringend nötig, die Musik ist trotzdem fein. Rojah Phad Full verschenkt den Beach Bunx Riddim von Immer so (**1/2) und spielt clever mit Cro-Optimismus, Stimm-Samples und Eurodance-Sounds. Der helle Wahnsinn ist der Teka Reggae Remix des Beastie-Boys-Tracks Root Down (****1/2). Reinhören!

Am 7. März wird das neue Album von Reptile Youth in den Regalen stehen. Als Vorgeschmack auf Rivers That Run For A Sea That Is Gone verschenken Mads Damsgaard Kristiansen und Esben Valloe gerade den Trentemøller Remix der aktuellen Single JJ (***1/2) bei Soundcloud. „Es gibt da diesen Typen, dessen Initialen JJ sind. Er ist seit 22 Jahren schwer drogenabhängig und raucht Heroin. Außerdem ist er seit langem ein Fan von uns“, erklärt Kristiansen den Hintergrund zu dem Track. „Irgendwie hat er dann meine Mailadresse herausbekommen und angefangen, mir zu schreiben. Verstörende Mails, die brutal und schön zugleich sind. Er ist da wie ein Kind und schreibt ungefiltert, was er denkt. Wir mailen uns seit einer ganzen Weile und irgendwann verriet er mir, dass die längste Drogenpause, die er hatte, acht Tage lang war. Er war damals in einer guten Stimmung und wollte seinen Rekord brechen. Ich versprach ihm, einen Song für ihn zu schreiben, wenn er das schafft. Es wurden am Ende zwölf Tage und wir schrieben uns in dieser Zeit täglich. Deshalb gibt es jetzt JJ, in dem ich auch einige Zeilen aus seinen Mails verwende.“ Im Trentemøller Remix hat das zunächst keinen Bass und keinen Beat, auch danach rücken Streicher und Gesang weiter in den Vordergrund und der Song wird so noch düsterer als das Original.

Auch I Heart Sharks sind demnächst mit einem neuen Werk am Start. Nach dem Erfolg des Debüts Summer (2011) und Unmengen von Konzerten erscheint am 28. März der Nachfolger mit dem viel versprechenden Titel Anthems. Pierre Bee, Simon Wangemann und Martin Wolf haben das Album mit Hurts-Produzent Joseph Cross in Manchester und Berlin aufgenommen. Bereits ab 4. März gibt es die Single To Be Young. Die Kollegen von Claire aus München (für die waren I Heart Sharks im Falle von Games auch schon einmal als Remixer tätig, es gibt jetzt also die Revanche) haben den Track schon einmal in die Mangel genommen. Ihren Remix von To Be Young (***) gibt es im Tausch gegen ein „Gefällt mir“ auf der Facebook-Seite von I Heart Sharks. Vom Vorwärtsdrang des Originals, das beinahe hymnisch das Motto „Verschwende deine Jugend“ zelebriert, ist wenig übrig, dafür wird es ein bisschen sphärischer, sodass sich der Effekt des Lieds durchaus reizvoll von Euphorie zu Melancholie verschiebt. Am 2. Mai wird die Band übrigens im Täubchenthal in Leipzig zu sehen sein.

„From out space and beyond“ kommen Tiny Fingers, wenn man ihrem Facebook-Profil glaubt. In Wirklichkeit ist die 2008 gegründete Band im Norden Israels zuhause. Oren Ben David (Gitarre), Tal Cohen (Schlagzeug), Boaz Bentur (Bass) und Nimrod Bar (Keyboards) haben dort mit ihrem Debüt Massive Fingers Spacetrip im Jahr 2011 die Top10 der Charts erreicht, damals noch mit einer Sängerin. Inzwischen gibt es ihren Sound nur noch instrumental. Wer wissen will, wie das klingt, kann auf besagter Facebook-Seite die Single Demands (**1/2) kostenlos runterladen. Das ist Rock irgendwo zwischen der Stoner- und Prog-Ausprägung, die volle Tiny-Fingers-Dröhnung gibt es freilich nur live, wenn man ihren Fans glauben darf. Ende April wird ihr Album Megafauna in Deutschland erscheinen, auch eine Tour ist in Planung.

Als durchaus geistesverwandt könnte man Colourmusic bezeichnen. Die 2005 gegründete Band aus Oklahoma hat in Person von Ryan Hendrix zwar einen Sänger an Bord, versteht es aber ebenfalls, ordentlich Härte ohne allzu hohes Tempo zu erzeugen und Gitarrenmusik als Experimentierfeld zu betrachten, wie Horse Race (***) beweist, das man auf der Website ihrer Plattenfirma Memphis Industries gratis als MP3 bekommt. Ende März veröffentlich das Quartett sein drittes Album May You Marry Rich.

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