Futter für die Ohren mit J Mascis, Kovacs, Highasakite und Menace Beach


Der Verstärker fehlt! Das ist durchaus typisch fürs Solowerk von J Mascis. Foto: Off The Record PR

Der Verstärker fehlt! Das ist durchaus typisch fürs Solowerk von J Mascis. Foto: Off The Record PR

Vorrangig mit der akustischen Gitarre ist Ex-Dinosaur-Jr-Mann J Mascis auf seinem neuen Soloalbum Tied To A Star unterwegs. Dass er damit trotzdem längst nicht seinen Schwung verloren hat, beweist Every Morning (***1/2), das es derzeit als Free Track bei Soundcloud gibt. Nicht nur wegen der elektrifizierten Gitarre, die sich da im Solo eingeschlichen hat, kann man dazu vorzüglich die (weißen) Haare schütteln. Mit Wide Awake (***1/2) gibt es an gleicher Stelle noch ein weiteres Lied aus dem aktuellen Album, das mit virtuosem Picking und seiner betörenden Atmosphäre in der Nähe von Nick Drake durchaus typisch für die Platte ist.

Längst nicht beim Alterswerk angekommen sind Menace Beach. Die Band aus Leeds veröffentlicht im Januar 2015 ihr Debüt-Album Ratworld. Eine geistige Verwandtschaft zu Dinosaur Jr darf man trotzdem unterstellen, wie die gerade erschienene Single Come On Give Up (***1/2) verrät, die man derzeit bei Stereogum kostenlos herunterladen kann. Slacker-Attitüde trifft hier auf einen sehr charmanten Boy-Girl-Gesang und die sehr überzeugend vertonte Freude daran, ein bisschen anders zu sein. Wer Yuck mag, sollte sich das Quintett, bestehend aus Ryan Needham (Gesang und Gitarre), Liza Violet (Gesang, Keyboards, Gitarre), MJ (Gitarre, zudem Produzent des Debütalbums), Nestor Matthews (Schlagzeug) und Matt Spalding (Bass) schleunigst etwas näher anschauen. Auch Johnny Marr mag die Band übrigens: „I like Menace Beach very much. They are a really good example of a self-sufficient culture that I admire“, sagt er.

Das Melt! 2014 liegt längst hinter uns, die offizielle Hymne zum Festival gibt es bei Soundcloud noch immer als Gratis-MP3. Beigesteuert haben sie Highasakite, die im Sommer natürlich auch selbst in Ferropolis aufgetreten sind. Since Last Wednesday (***) war in der norwegischen Heimat der Band ein Riesenhit, das dazugehörige Album Silent Treatment erreichte sogar Platz 1 der Charts. Schwer nachzuvollziehen ist das nicht: Das Quintett vereint ein wenig M.I.A.-Exotik mit der Melancholie von Lykke Li und ganz viel Pomp – auch wenn dieser Mix eine Weile braucht, bis er zündet.

Vor ein paar Wochen wäre Amy Winehouse 31 geworden, hätte sie nicht 2011 das Ticket für den Club der 27 gelöst. Wer ihr noch immer nachtrauert (und das sollen ja nicht wenige sein), der könnte mit Kovacs eine beste neue Freundin gefunden zu haben. Die Musik der Holländerin ist zwar ein Stückchen von Neo-Soul entfernt, die Stimme ist dafür um so näher an Amy Winehouse. Gegen diesen Vergleich dürfte Sharon Kovacs nichts haben, gibt es doch etliche gemeinsame Vorbilder. „Ich höre viel Billie Holiday, Etta James, Ella Fitzgerald, Nina Simone, Dinah Washington… auch Tina Turner und Janis Joplin sind Favoriten von mir. Weibliche Sängerinnen mit Persönlichkeit, die wirklich lebten. Alle ihre Gefühle sind in ihren Stimmen zu hören, das hat mich immer sehr angezogen“, sagt die 24-Jährige. Wer sich davon einen Eindruck verschaffen will, kann das am besten mit When The Lady’s Hurt (***) tun, das es momentan als Free Track bei Soundcloud gibt. Eine Bariton-Gitarre legt das Fundament, Streicher setzen spannende Akzente, trotzdem behält die Stimme jederzeit das Zepter in der Hand. Kunstvoll.

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