Futter für die Ohren mit Keane, The Darkness, Rikas, Clipping und Mudhoney


Keane Love Too Much

Keane blicken demnächst auf Ursache und Wirkung. Foto: Jon Stone

1, 1, 1, 1 . Das sind die Chartpositionen der bisherigen vier Studioalben von Keane in ihrer britischen Heimat. Am 20. September wird Cause And Effect erscheinen, und man darf angesichts dieser Historie wohl von einem Erfolg ausgehen. Um die nötige Vorfreude zu erzeugen, hat das Trio zunächst seine Fans mit exklusiven Club-Konzerten beglückt und dann mit der Single The Way I Feel nachgelegt. Jetzt folgt mit Love Too Much (*1/2) der zweite Vorgeschmack. Das Ergebnis ist leider sagenhaft belanglos: Die Strophe ist völlig zum Vergessen, der Refrain verkrampft, das Video (mit Sänger Tom Chaplin in der Rolle eines ungeschickten Sportlehrers) sieht aus, als habe jemand die Killling Me Softly-Szene aus About A Boy ohne jedes Gespür für Charme abgewandelt. Bassist Jesse Quin hat diese Idee entwickelt: „Wir wollten einen unbeschwerten und lustigen, aber auch emotionalen Blick darauf geben, wie es ist, vielleicht ein kleines bisschen zu viel zu lieben. Aber auch wenn alles in die Brüche geht, kann man Trost in der Erinnerung finden: Nothing can take that away from me.“ Das mag stimmen, ist aber leider trotzdem peinlich.

Morning In America wird die neue EP heißen, die Mudhoney am 20. September vorlegen. „Yeah, the world sucks. But 30 years in, Mudhoney does not“, hate die Seattle Times über ihr im vergangenen Jahr veröffentlichtes zehntes Album Digital Garbage geschrieben. Da mag ein bisschen Lokalpatriotismus im Spiel sein, aber auch ohne dieses Element ist unverkennbar, wie viel Kraft, Wut und Lust auf Anderssein noch immer in Frontmann Mark Arm und seinen Mitstreitern steckt. Die neue EP wird sieben Songs enthalten, die alle während der Aufnahmen für Digital Garbage entstanden sind, darunter die Coverversion So Lonely Tonight (im Original von Leather Nun). Als Vorgeschmack gibt es jetzt One Bad Actor (***). Wer das Glück hatte, eine der limitierten Split 7″ von Mudhoney mit Hot Snakes zu ergattern, kennt das Lied schon, auf Morning In America ist es allerdings in einer neuen Version zu hören. Blues-Wurzeln kann man darin genauso erkennen wie Psych-Elemente. Ziemlich urgewaltig.

 

Clipping sind zwar Labelkollegen von Mudhoney, stilistisch könnten die beiden Acts aber kaum weiter voneinander entfernt sein. Das wird sich wohl auch mit dem vierten Album There Existed An Addiction To Blood nicht ändern, das am 18. Oktober herauskommt. Man darf auch diesmal erwarten, dass Rapper Daveed Diggs und die Produzenten William Hutson und Jonathan Snipes nachweisen, wie innovativ HipHop noch sein kann. Schwerpunkt der neuen Platte soll Horrorcore sein, mit Vorbildern wie den Gravediggaz. Nothing Is Safe (****) vermittelt eine Vorstellung davon und lässt erahnen, wie John Carpenter vielleicht Rap verstehen würde. Dass die wahre Gefahr in dieser spukigen Atmosphäre von der Polizei ausgeht, wie der Text verrät, der den Titel dann unter anderem zum Slogan „Nothing is sacred“ abwandelt, ist natürlich ebenso spannend.

Seit ihrer Gründung vor gut drei Jahren haben Rikas schon für ziemlich viel Aufmerksamkeit gesorgt, unter anderem mit selbst organisierten Reisen aus Straßenmusiker durch ganz Europa oder der EP Swabian Samba. Am 11. Oktober wird es für das Quartett aus Stuttgart nun Zeit für das Debütalbum, das den verheißungsvollen Titel Showtime tragen wird. Was man erwarten darf, deutet die Single Fanny Pack Party (***) an. Funk, Eingängigkeit und Insiderhumor sind als Zutaten genauso wichtig wie grenzwertige Outfits. Für ein ultimatives Statement, das man bei der ersten Single vom ersten Album erwarten sollte, ist das aber erstaunlich leichtgewichtig, womöglich mit Absicht. Am 10. Dezember sind sie live in der Leipziger Moritzbastei zu sehen.

Als sie vor rund 15 Jahren mit ihren Spandex-Hosen, freiem Oberkörper, dem damals schon schütteren Haar und I Believe In A Thing Called Love auftauchten, hätte wohl niemand erwartet, dass The Darkness eines Tages ihr sechstes Album veröffentlichen würden. Aber der aktuelle Rummel um Queen macht das Timing für Easter Is Cancelled (VÖ: 4.10.) wohl nicht allzu schlecht. Mit Heart Explodes (**1/2) gibt es nun die erste Single. Sänger Justin Hawkins sagt darüber: „Es geht um die aus ungewollten Veränderungen erwachsende Verzweiflung. Und darum, wie es ist, wenn du dein Leben neu wertschätzen lernen und herausfinden musst, was nun überhaupt noch Bestand haben soll. Um das Gefühl, wenn du schwimmen gehst und einfach nicht mehr aufhören möchtest – sondern von etwas umschlossen sein willst, was dich allmählich in die Tiefe ziehen wird. Wenn du diese Phase wirklich durchstehen möchtest, kannst du es auch schaffen. Wir alle haben sie schon einmal durchlebt – wer etwas anderes behauptet, der lügt.“ Diese angebliche Ernsthaftigkeit funktioniert leider kaum und trübt somit auch das hymnische Element des Songs, der im Ergebnis in erster Linie überambitioniert klingt. Im Februar wollen The Darkness die neue Platte live in Deutschland präsentieren.

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