Futter für die Ohren mit Leoniden, Bastille, K.I.Z., The Pretty Reckless, Matt Sweeney und Bonnie „Prince“ Billy


Leoniden Complex Happenings Reduced To A Simple Design

Ein Doppelalbum bringen Leoniden im August heraus. Foto: Universal Music / Joseph Strauch

Complex Happenings Reduced To A Simple Design wird das dritte Album der Leoniden heißen, das im August erscheint. Einen besseren Titel könnte es für die Vorab-Single Funeral (****) und das dazugehörige Video kaum geben. Wieder vereinen Jakob Amr (Gesang), die Brüder Lennart (Gitarre) und Felix Eicke (Schlagzeug) sowie Djamin Izadi (Synthesizer) und JP Neumann (Bass) unfassbar viele Stile und noch mehr Ideen zu einem Song, der ebenso kraftvoll und schlüssig wie individuell und abenteuerlich klingt. Begleitet wird das ganze von einem Fin de Siècle-Gefühl, bei dem klar ist: Leoniden wissen genau, wie einmalig es ist, vielleicht an „the funeral of the world“ teilzunehmen, zugleich kämpfen sie unverkennbar gegen diese drohende Apokalypse an, die durch die brennende Weltkugel im Clip symbolisiert wird. Natürlich kann man da einen Corona-Bezug erkennen, und man muss wohl nicht lange spekulieren, wie sehr die Band aus Kiel unter den Folgen der Pandemie gelitten hat, vor allem durch die fehlende Möglichkeit zu Live-Auftritten. Mehr als 200 Shows hatten sie 2018 und 2019 gespielt, die Konzert-Abstinenz haben sie nun genutzt, um beim Songwriting noch fleißiger zu sein. Die neue Platte wird ein Doppelalbum mit 20 Tracks sein. Und natürlich soll sie, wenn die Inzidenzzahlen das irgendwann erlauben, auch durchs Land getragen werden. Die Complex Happenings Tour Pt. 1 soll am 20. September 2021 auch im Leipziger Täubchenthal vorbeischauen. Es ist der dritte Versuch nach den ursprünglich geplanten Terminen im Oktober 2020 und März 2021.

Superwolf hieß 2005 die erste gemeinsame Platte von Matt Sweeney und Bonnie „Prince“ Billy. Entsprechend inszenieren sie sich jetzt bei ihrer erneuten Zusammenarbeit als „bestialisches Duo“ oder „zweiköpfiger Kumpel“ und für das Ende April erscheinende Album wählen sie nun ebenfalls den Plural: Superwolves wird es heißen. Die Single Make Worry For Me (***1/2) klingt so, wie dieser Titel wirkt: auf heimtückische Weise bedrohlich, einsam und zur Grausamkeit fähig. Die Gitarrenfigur von Matt Sweeney prägt das Lied ebenso wie der brüchige Harmoniegesang. Jonah Freeman und Justin Lowe haben dazu ein ebenso beunruhigendes Video gemacht.

Schon am 12. Februar wird das fünfte Album von The Pretty Reckless erscheinen. Die Band um die Sängerin und ehemalige Schauspielerin Taylor Momsen gibt mit 25 (**) einen Vorgeschmack darauf. Das Lied hat ein paar gute Ideen, findet aber keine schlüssige Verbindung zwischen den einzelnen Teilen. Es war das erste Stück, das für die Death By Rock And Roll betitelte Platte aufgenommen wurde. „Ich bin gerade 25 geworden, als wir das Lied geschrieben haben. Wenn man so will, ist der Song eine Autobiografie. Er zeigt hoffentlich, dass wir uns mit dem neuen Album musikalisch in neue Bereiche vorwagen“, sagt Mommsen. Ihre immensen Erfolg (bisher fünf Spitzenpositionen in den US-Charts) will die Band offensichtlich mit ein bisschen Drama zwischen Lana Del Rey, Evanescence und Aerosmith sicherstellen, zudem wurden als Gastmusiker unter anderem Matt Cameron (Pearl Jam, Soundgarden), Kim Thayil (Soundgarden) und Tom Morello (Rage Against The Machine) angeheuert.

Das ist mal großzügig: K.I.Z. begnügen sich nicht mit einer Vorab-Single, sondern liefern gleich ein Album zum Album. Es heißt Und das Geheimnis der unbeglichenen Bordellrechnung, ist ab sofort digital verfügbar und geht an alle, die das kommende Album Rap über Hass (kommt am 28. Mai 2021) schon jetzt bestellen, auch zeitlich limitiert auf CD oder Vinyl. Dass es sich nicht um eine gänzlich reguläre Veröffentlichung der Berliner handelt, zeigt schon der Titel. Hört man die 17 Tracks, entdeckt man einen herrlich ironischen Umgang mit Deutschrap-Machismo mit FickenBumsenBlasen als Lieblingsthema. Lecken im Puff (****) ist so ein Beispiel, in dem man so viel Sex hat, dass Blowjobs delegiert werden müssen, während sich auch noch ein Seitenhieb auf Wladimir Putin einbauen lässt. Das ist Pennälerhumor, gebrochen durch HipHop-Ästhetik, und zwar auf höchstem Niveau. Das steigert die Vorfreude auf das sechste Studioalbum von K.I.Z. mächtig, ebenso wie auf die hoffentlich Wirklichkeit werdende Rap über Hass-Tour, zu der am 12. März 2022 auch eine Show in der Arena Leipzig geplant ist.

Goosebumps versprechen Bastille mit der gleichnamigen, aktuellen EP, die fünf Songs umfasst, unter anderem eine Zusammenarbeit mit Graham Coxon enthält und gezielt eine andere Seite der britischen Band zeigen soll, wie Sänger Dan Smith sagt: „An diesen Songs zu arbeiten, war in diesem schwierigen Jahr eine wunderbare Abwechslung für uns. Die EP hat wirklich Spaß gemacht, und wir sind begeistert von den bisherigen Reaktionen darauf. Wir freuen uns sehr, dass diese kleine Sammlung jetzt erschienen ist, und freuen uns auf alles, was das nächste Jahr für uns bereithalten wird.“ Der Titelsong (***) ist eine Kollaboration mit Kenny Beats, die in New York zwischen zwei Konzerten geschrieben wurde und dann im Studio in London ausgearbeitet wurde. „Wir sind große Fans von Kenny Beats, hatten ihn in Los Angeles kennen gelernt und luden ihn dann ein, mit uns im Studio rumzuhängen, als er in der Stadt war. Wir haben uns gegenseitig viel Musik vorgespielt, und Goosebumps hat ihm sofort gefallen. Er hat angefangen, Beats und Klänge dafür zu machen, und von da aus hat es sich weiterentwickelt.“ Dem Ergebnis hört man diesen freigeistigen Ansatz an, trotzdem bleibt der Song leicht und unmittelbar. Für Gänsehaut reicht das zwar nicht, als interessante Facette im Schaffen von Bastille aber allemal. Das kongeniale Video stammt von Regisseur Reza Dolatabadi.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.