Futter für die Ohren mit Lola Marsh, Soko, Heaven Shall Burn, Badly Drawn Boy und Gerry Cinnamon


Lola Marsh Only For A Moment

Durch schwere Zeiten gingen Lola Marsh nach dem ersten Album. Foto: verstaerker.com/Michael Toploy

Someday Tomorrow Maybe? Das klingt aber etwas vage. Man kann es durchaus präziser formulieren: Das gleichnamige zweite Studioalbum von Lola Marsh erscheint morgen. Die Single Only For A Moment (***1/2) ist der schon etwas länger verfügbare erste Vorgeschmack darauf. Das israelische Duo, bestehend aus Gil Landau (Gitarren, Keyboards) und Yael Shoshana Cohen (Gesang) erlebte nach dem Debütalbum Remember Roses „eine chaotische und verwirrende Zeit“, sagen sie. „Wir hatten Schwierigkeiten, alles beieinander zu halten: die Band, unser Privatleben und unsere sich verändernden Beziehungen. Unser größter Erfolg ist eindeutig, dass wir es geschafft haben, unsere Musik am Leben zu erhalten und viele der Herausforderungen zu überwinden, denen wir uns damals stellen mussten.“ Dass bei den Turbulenzen auch Launenhaftigkeit eine Rolle gespielt haben könnte, lässt das Lied nicht nur im Text, sondern auch mit seinem abwechslungsreichen Arrangement schnell erkennen. Zur Konfliktbewältigung scheinen Lola Marsh derweil vor allem ausufernde Tischtennis-Ballwechsel genutzt zu haben, zeigt das sehr sehenswerte Video.

Das darf man eine sehr erfreuliche Nachricht nennen: Auch Gerry Cinnamon ist bald (genauer: am 10. April) mit einem zweiten Album am Start. Es wird nicht Our Next Folk Hero heißen (so hat Big Issue den Mann aus Glasgow bezeichnet) und leider auch nicht A Top Man Doing Supernatural Things (wie sich Liam Gallagher einmal über den 35-Jährigen geäußert hat), sondern The Bonny und auf seinem eigenen Label Little Runaway  erscheinen. Dark Days (***) zeigt als zweiter Vorbote, dass er vom ebenso ursprünglichen wie mitreißenden Sound des Debüts Erratic Cinematic nur minimal abweicht. Zur Gitarre und seiner vervielfachten Stimme kommen hier ein bisschen Trommel und eine Mundharmonika – vor allem aber das Gefühl, man müsse diese Musik live erleben, ganz nah am Künstler oder zumindest ganz nah an den eigenen Kumpels, denen er genau so aus der Seele spricht. Im Text wird die Liebe als alles überwindende und Hoffnung spendende Kraft gepriesen. Da will man natürlich nicht widersprechen.

Mehr als viermal so lang wie der Song des Schotten ist der Clip, den Heaven Shall Burn gerade mit Protector/Weakness Leaving My Heart (***) veröffentlicht haben. Die beiden Songs im Doppelvideo stammen von Of Truth And Sacrifice, das am 20. März erscheint und ein Doppelalbum sein wird. „Die beiden Songs repräsentieren die jeweiligen Seiten der Platte“ erzählt Maik Weichert, Gitarrist des Thüringer Metal-Exportschlagers. „Um dem Konzept des Doppelalbums gerecht zu werden, haben wir uns entschlossen, auch gleich ein Doppelvideo zu produzieren. Protector ist von der ersten Platte (Of Truth) und Weakness Leaving My Heart von der zweiten (Of Sacrifice). Während Protector Zuversicht und Kampfbereitschaft signalisiert, ist Weakness Leaving My Heart eher nachdenklich und befasst sich mit den Opfern und Verlusten, die man für die Wahrheit bereits erbracht hat.“ Das ist nicht bloß das übliche Metal-Geschwurbel, sondern hat bei Heaven Shall Burn durchaus Bezug zur (sehr aktuellen) Realität. „Ich nehme es aktuell so wahr, dass viele Leute ganz froh sind, aus verschiedenen alternativen Wahrheiten wählen zu können, weil sie sich dann für die Version der Wahrheit entscheiden können, die am wenigsten Auswirkungen auf ihr eigenes Leben hat“, sagt Weichert. Wem das noch nicht reicht: Parallel zum Album wird eine 80-minütige Filmdokumentation erscheinen, im Sommer stehen dann reichlich Festivalauftritte auf dem Programm.

Durchaus programmatisch ist auch Soko unterwegs. Being Sad Is Not A Crime (***) heißt ihre neue Single, ein weiterer Ausblick auf ihr für Frühjahr angekündigtes drittes Album, das die Französin mit Produzent Patrick Wimberly (MGMT, Chairlift, Solange) in Los Angeles aufgenommen hat, wo auch das Video (ihr Sohn Indigo spielt darin mit, Gilbert Trejo hat Regie geführt) entstanden ist. „Warum müssen wir ständig so tun, als seien wir fröhlich und Filter auf alles legen? Man sollte sich nicht dafür entschuldigen müssen, Gefühle zu haben“, sagt sie. „Solange man niemandem wehtut, sollten alle Gefühle erlaubt sein. Ich habe den Song geschrieben, als ich sehr hoffnungslos war. Ich wollte aber, dass die Musik fröhlich und angenehm klingt.“ Diese Synthese gelingt in der Tat gut, auch wenn der Song ohne die Schauspielkünste von Soko und das optisch beeindruckende Video ein wenig (gewollt) ereignislos wäre.

Gleich sieben Jahre hat sich Damon Gough alias Badly Drawn Boy für ein neues Lied Zeit gelassen. Seit heute ist die Single Is This A Dream? verfügbar. Ähnlich farbenfroh und abenteuerlich wie der dazugehörige Clip klingt die Musik. „Der Song ist eine Soundcollage voller Chaos und Verwirrung, als Spiegelbild der Zeiten, in denen wir leben“, sagt der Mercury Music Prize-Träger. „Ein absichtlich überzeichneter Piekser in die Augen derer, denen wir vertrauen, die uns aber bloß eine ständige Flut von Fehlinformationen liefern, gefolgt von schlechten Entscheidungen.“ Da kann man natürlich (im Text) das Leiden am Brexit heraushören, im Klang allerdings auch die wundervollen Lightning Seeds. Das Stück ist die erste Kostprobe vom anstehenden Album, das von Gethin Pearson (Kele Okereke, Jaws) produziert wurde. Titel und Veröffentlichungsdatum sind noch unbekannt.

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