Futter für die Ohren mit Der König tanzt, Damien Jurado, Sport und Donots


König Boris tanzt jetzt alleine. Auch das macht Spaß. Foto: Add On Music

König Boris tanzt jetzt alleine. Auch das macht Spaß. Foto: Add On Music

Das Ende von Fettes Brot schmerzt noch immer, aber mit Der König tanzt alias König Boris als Alleinunterhalter ist zumindest für ein bisschen Ersatz gesorgt. Derzeit ist er auf Tour durchs Land, und auf seiner Facebook-Seite gibt es im Tausch gegen ein „Gefällt mir“ nach wie vor die Single Alles dreht sich umsonst als MP3. Die Lage der Welt trifft auf Manchester-Rave: großer Spaß. ****

Sport aus Hamburg, mittlerweile als Quartett unterwegs, haben ihre kleine Deutschland-Tour hingegen bereits hinter sich. Nach wie vor als kostenlosen Download gibt es Dünnes Eins bei Bandcamp. Der Song zeigt die Qualitäten, die auch das aktuelle Album Aus der Asche, aus dem Staub auszeichnen: Die Stoner-Rock-Verkniffenheit ist weg, eine neue Lässigkeit ist eingekehrt. Das ist mittlerweile deutlich näher an Kettcar als an Kyuss. „Und ob das Eis uns trägt wissen wir erst / wenn wir es wagen drauf zu gehen“, heißt es im Refrain des Songs – für die Zukunft von Sport dürfte das als Versprechen gelten. ***

Zu so einem Jubiläum darf man auch mal großzügig sein: Das gerade erschienene Maraqopa ist schon das zehnte Album in der Karriere von Damien Jurado. Auf der Seite seiner Plattenfirma Secretly Canadian gibt es gleich zwei Lieder daraus (und zudem drei weitere Tracks) gratis zum Herunterladen: „I’m so broke / and foolishly in love“ – das ist die Ausgangslage in Museum Of Flight (***1/2), und daraus entwickelt Jurado eine bittersüße Ballade. Nothing Is The News (***) zeigt erst recht, dass der Mann, der in seiner Heimatstadt Seattle eine lebende Indie-Legende ist, sein Metier mittlerweile meisterhaft beherrscht und dabei auch gerne die eine oder andere Zeitreise unternimmt: Das Lied beginnt bei Simon & Garfunkel und kommt dann nach gut fünf Minuten bei Jimi Hendrix an, virtuos, komplex und scheinbar um sich selbst tänzelnd.

Labelkollegen von Damien Jurado sind Here We Go Magic. Am 4. Mai wird das dritte Album der Band um Sänger und Songwriter Luke Temple erscheinen. Die Vorab-Single Make Up Your Mind gibt es auf der Website der Band zum kostenlosen Download. Der Track erklärt, warum Thom Yorke und Nigel Godrich zu den Fans von Here We Go Magic zählen: Der Song ist cleverclever, psychedelisch, irritierend funky und voller Eighties-Referenzen. Leider findet Make Up Your Mind aber keinen rechten Fokus. **

Ähnliche Jubelstürme wie die Titelverteidigung von Borussia Dortmund wird die Rückkehr der Donots zwar womöglich nicht mal mehr im Ruhrpott auslösen. Aber die Single Wake The Dogs, die es gerade gratis bei MySpace gibt, ist als Vorbote für das neunte Album der Band aus dem Münsterland immerhin solide. Irgendwo zwischen entschärftem The Passenger und den Beatsteaks im Entmüdungsbecken. Das dürfte bei den Sommerfestivals deutlich besser funktionieren. **

Zum Schluss noch ein bisschen Irrsinn: Timid Tiger haben gerade ihr drittes Album The Streets Are Black am Start, im Mai sind sie zudem live in Deutschland zu erleben. Das wilde Back From Hell kann man bei Soundcloud kostenlos herunterladen und entdecken, wie es klingt, wenn Schlagzeug und Gitarre sich einen Krieg in der Disziplin „Eindimensionalität“ liefern und dazu der exotische Sound eines Instruments namens Nadaswaram erklingt (angeblich ein in der südindischen Tempelmusik geläufiges Doppelrohrblattinstrument). Die Beastie Boys hätten sicher ihre Freude daran, hätten das Ganze aber mit deutlich mehr Punch und Esprit ausgestattet. *1/2

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