Futter für die Ohren mit Foxes, Gleis 8, French Films, Brasstronaut und Thomas Azier


Tragikomisch mag es Foxes - das glaubt man sofort. Foto: Benameur Promotion

Tragikomisch mag es Foxes – das glaubt man sofort. Foto: Benameur Promotion

L. Rose Allen? Da war doch was! Wir sprechen diesmal allerdings nicht von Lily, sondern von Louisa. Unter dem Namen Foxes (das Pseudonym geht auf einen ihrer ganz frühen Songs zurück, der von einem verrückten Traum ihrer Mutter handelt, in dem Füchse die schönste Musik der Welt aufführen) hat die 22-Jährige aus Southhampton mit ihrer Debüt-EP Warrior für einiges Aufsehen gesorgt. Bis in diesem Jahr ihr erstes Album erscheinen wird, kann man sich mit dem Song White Coats (***) behelfen, den es derzeit als Free Track bei Soundcloud gibt. Ein ebenso nervöser wie eleganter Beat bildet das Fundament für ein bisschen Florence-Dramatik und dezente Trip-Hop-Einflüsse. Der Song handelt übrigens von einem Krankenhausaufenthalt und beschreibt „wie ich mich darüber lustig mache, dass ich dachte, ich werde verrückt“, sagt Louisa Rose Allen Foxes. Das passt durchaus zu ihrem Ansatz: „Ich schreibe immer traurige Songs, aber ich mag es eigentlich eher tragikomisch. Lieder, bei denen man am Anfang das Gefühl hat, dass alles Mist ist und am Ende stellt sich dann heraus, dass alles ganz großartig ausgeht. Diese Art von Hoffnung. Ich bin ein großer Fan von solchen Sachen und ich denke, dass auch mein Leben ein wenig so verläuft.“

Gleis 8 ist das neue Projekt von AnNa R., ehemals Rosenstolz. Timo Dorsch, Manne Uhlig und Lorenz Allacher sind die drei weiteren Mitstreiter, die zu gleichen Teilen in Berlin und Hamburg ansässig sind. In drei Wochen erscheint das Debütalbum Bleibt das immer so. Den Titelsong (**) gibt es im Tausch gegen ein „Gefällt mir“ derzeit auf der Facebook-Seite von Gleis 8. „Den ersten Song schenken wir euch einfach mal, weil ihr so super seid ;-)“, sagt AnNa R. Man hört ihr an, wie sehr sie es genießt, erstmals ihre eigenen Lieder singen und sich mit einem „Wohlfühlgebilde“ (so nennt sie ihre neue Band) ausleben zu können. Ein sehr warmer, organischer Sound prägt das Lied, das auch über ordentlich Druck verfügt. Was fehlt, ist etwas Besonderes: Die recht langen Instrumentalpassagen machen den Musikern definitiv mehr Spaß als dem Hörer, und auch der Refrain ist eher solide als gut.

Mean Sun heißt das zweite Album von Brasstronaut. Den Titeltrack (***1/2) kann man derzeit (wie übrigens reichlich andere tolle Musik) auf der Homepage von Snowhite im Tausch gegen eine Mailadresse gratis als MP3 bekommen. Das Sextett aus Vancouver beweist dabei ein tolles Gespür für Atmosphäre: Nach elektronischem Beginn wird der Song mit viel Hall, einem trägen Beat und dem verlorenen Gesang ein feines Stück Melancholikerpop à la Band Of Horses oder Evening Hymns. „Look how mean the sun can shine“, heißt die zentrale Zeile – und diesen Ekel vor den banalen Freuden des Lebens, den man eben verspürt, wenn es die Welt gerade nicht gut mit einem meint, fängt das Lied ganz vorzüglich ein.

Thomas Azier ist definitiv auch jemand, der gerne einen Blick auf die nicht so hellen Momente des Lebens wirft. Isolation und Einsamkeit sind die wichtigsten Themen auf Hylas 002, seiner zweiten EP nach (sinnigerweise) Hylas 001. Den Track Fire Arrow (***) gibt es bei Soundcloud derzeit zum kostenlosen Herunterladen. Der Mittzwanziger, der in Berlin lebt, vereint darin eine düstere Stimmung, die fast dem Hirn von Marilyn Manson entsprungen sein könnte, mit eleganten Elektro-Sounds und einem Gesang, der im genau richtigen Maße theatralisch ist. Im Sommer soll übrigens sein Debütalbum herauskommen.

Apropos: All Summer Long (***1/2) von French Films kann man im Tausch gegen eine Mailadresse gerade bei Pledgemusic kostenlos ergattern. Die Band aus Finnland hat sich vor allem live einen Namen gemacht (woran das liegt, kann man im Mai wieder recherchieren, wenn sie sieben Shows in Deutschland spielen) und veröffentlicht am Freitag ihr zweites Album White Orchid. „Wir wollten der Platte ein leicht psychedelisches Feeling verleihen, ohne von der Drei-Akkord-Track Mentalität abzuweichen“, umschreibt Gitarrist und Sänger Johannes die Zielsetzung. All Summer Long ist nicht auf dem Album vertreten, steigert aber trotzdem die Vorfreude: Das Lied hat einen wunderbaren Lo-Fi-Sound und eine gute Prise Slacker-Attitüde, aber trotzdem viel Punch und dank des hymnischen Refrains vor allem Hitpotenzial. Besser kriegen das The Drums auch nicht hin.

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