Futter für die Ohren mit White Lies, Steve Earle, Tunng, The Thermals und In Golden Tears


"Big TV" versprechen White Lies für ihr drittes Album. Foto: Promotion Werft

„Big TV“ versprechen White Lies für ihr drittes Album. Foto: Promotion Werft

Man darf gespannt sein, was White Lies nach dem Mega-Erfolg des Debüts To Lose My Life und der Konsolidierung mit Ritual auf ihrem dritten Album anbieten werden. Im August soll Big TV in den Läden stehen, einen ersten Vorgeschmack gibt das Trio jetzt schon mit Getting Even (**1/2), das es bei Soundcloud kostenlos als MP3 gibt. Nimmt man den Track als Fingerzeig, dann haben sich Harry McVeigh, Charles Cave und Jack Lawrence-Brown ein gutes Stück weg von Joy Division und ein gutes Stück hin zu Human League entwickelt. Genug Pathos hat das noch immer, aber ein bisschen mehr Punch könnte nicht schaden.

Schon mit ihrem fünften Album sind Tunng derzeit am Start. Turbines ist sehr gelungen, warm, vielseitig und organisch – was auch daran liegt, dass erstmals alle sechs Mitglieder an allen Aufnahmeprozessen beteiligt waren. Bei rollingstone.com kann man sich mit einem Gratis-Track gerne selbst davon überzeugen. The Village (***1/2) hat eine schräge Orgel, einen Beat, der stets ein bisschen hinterherzuhinken scheint, und sehr charmanten Gesang, der an Stars denken lässt. Mike Lindsay, eines der beiden Gründungsmitglieder der Band aus London, erklärt freundlicherweise auch gleich den Hintergrund des Lieds: „Der Song spielt an einem imaginären Ort, einer Scheinwelt, in der du den komischen Charakteren, denen du begegnest, nicht entkommen kannst (…) Es geht um das Gefühl die einzig ‚normale’ Person in einer instabilen Situation zu sein. The Village könnte ein Ort, aber auch eine Party, ein Job oder ein ganzes Land sein.“

Aus Hamburg kommen In Golden Tears. Patrick H. Kowalewaki, Patrick Behrens, Robin Shaw, Mats Dörband und Max Schild bannen Urban Emotions auf Tonträger – zumindest, wenn man dem Titel ihres Debütalbums glauben darf. Den Wankelmut-Remix ihrer zweiten Single Underneath The Balance (***) kann man derzeit bei Soundcloud herunterladen. Das hat viel Swing und Stil, der Gesang ist verfremdet, der Beat schwebt, dennoch ist in jedem Moment dieser knapp acht Minuten die nötige Unbedingtheit spürbar. Fein.

Man darf Steve Earle getrost als Urgestein bezeichnen. Denn der Mann hat mit The Low Highway nicht nur unlängst sein fünfzehntes Album vorgelegt, sondern auch die erste Platte, bei der seine Begleitband The Dukes (Chris Masterson, Eleanor Whitmore, Kelley Looney, Will Rigby und Allison Moorer) offiziell mit genannt wird seit immerhin 1987. Wie gut die Herren (und die eine Duchess) noch in Schwung sind, bewies nicht nur die gerade zu Ende gegangene Europatournee, sondern auch der Titelsong und Opener (***), den es im Tausch gegen eine E-Mail-Adresse auf der Seite von Steve Earles Plattenfirma gibt. Knochentrocken, souverän und mit der großen amerikanischen Weite vor Augen (oder bloß im Sinn) wird da musiziert. “I’ve been on every interstate highway in the lower fortyeight states by now and I never get tired of the view. I’ve seen a pretty good chunk of the world and my well-worn passport is one of my most prized possessions, but for me, there’s still nothing like the first night of a North American tour. (…) I’m always the last one to holler good night to Charlie Quick, the driver, and climb in my bunk because to me it feels like Christmas Eve long ago when I still believed in Santa Claus. God I love this”, sagt Steve Earle – hier hört man das.

Auch noch ganz gut im Saft stehen The Thermals. Born To Kill (***) vom aktuellen Album Desperate Ground gibt es bei Soundcloud als MP3, und der Song beweist, dass das Trio aus Portland noch immer mindestens so viel Power wie die Buzzcocks und mindestens so viel schwarzen Humor wie Marilyn Manson hat. Produziert wurde das Ganze von John Agnello (Sonic Youth, Dinosaur Jr.), entsprechend satt, ursprünglich und kantig ist der Sound. „I was born to kill / I was made to slay” – das darf man wörtlich nehmen.

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