Green Day – „Father Of All Motherfuckers“


Künstler Green Day

Green Day Father Of All Review Kritik

Green Day beklatschen sich auf „Father Of All“ gerne selbst.

Album Father Of All Motherfuckers
Label Reprise
Erscheinungsjahr 2020
Bewertung

Man könnte behaupten, das 13. Album in der Karriere von Green Day gehe mächtig in die Beine. Zumindest, wenn damit Kahnbein, Mondbein, Hakenbein und Erbsenbein gemeint sind. Denn diese Knochen spielen eine wichtige Rolle beim Händeklatschen, natürlich ebenso wie der Mittelhandknochen und die Finger. Und es gibt nur zwei Lieder auf dem morgen erscheinenden Father Of All Motherfuckers, in denen keine Handclaps zu hören sind.

Das zeigt schon die Zielrichtung: Das Cover ist zwar ein Zoom hinein in das Motiv von American Idiot, und zuletzt hatten sich Green Day beispielsweise auch mit 21st Century Breakdown und Uno Dos Tre am Konzeptionellen versucht. Doch diesmal gibt es wieder Fun-Punk ohne allzu viel Kontext, ohne Gesellschaftskritik und ohne Rockoper-Ambitionen. Die einzige Ausnahme ist Junkies On A High (eins der beiden Lieder ohne Handclaps), das vergleichsweise erwachsen daherkommt und bezeichnenderweise der schwächste Moment der Platte wird.

Der zweite Song ohne Händeklatschen zeigt umso deutlicher, was Billie Joe Armstrong, Mike Dirnt und Tré Cool hier im Sinn haben. Er heißt I Was A Teenage Teenager, und was als Titel zunächst dämlich klingt, erweist sich schnell als schlüssig: Armstrong erlaubt sich hier einen Rückblick auf die Jahre des eigenen Sturm und Drang, mit Gelassenheit, aber ohne Arroganz. Unverkennbar soll der Titel auch zeigen: Ein gutes Stück von diesem typischen Adoleszenten steckt noch immer in ihm – und das Ergebnis wird so ansteckend, dass Händeklatschen auch bei diesem Track kein Problem wäre, auch wenn es hier ausnahmsweise nicht gleich von der Band selbst mitgeliefert wird.

Dass die Platte nur etwas mehr als 26 Minuten Spielzeit hat (und damit zum kürzesten Album von Green Day wird) und von Butch Walker produziert wurde, zu dessen bisherigen Kunden beispielsweise Weezer und Frank Turner gehören, aber auch The Wombats, Taylor Swift und Pink, sind weitere klare Indizien dafür, dass es hier um Entertainment gehen soll, und nichts sonst: Das Album ist sehr kurz und sehr kurzweilig. Passenderweise geht dieser plakative Ansatz gleich mehrfach in Richtung Glam-Rock: In Oh Yeah gibt es ein Gary-Glitter-Zitat, außerdem die verzerrte Stimme von Billie Joe Armstrong, die auf Father Of All Motherfuckers als Effekt sehr häufig eingesetzt wird. Auch der Album-Abschluss Graffita hat einen Glam-Rock-Beat, was dazu führt, dass man diesen Song nicht zwingend als Green Day erkennen würde, und das gilt für viele Lieder auf dieser Platte.

Der Titelsong als Auftakt überrascht mit dem prominenten Einsatz der Kopfstimme, das Riff könnte von den Arctic Monkeys stammen (nicht die schlechteste Quelle), die Wörter, „Come on honey“ wurden wahrscheinlich schon auf viele Zeilen gereimt, aber noch nicht auf „You’re lying in a bed of blood and money.“ Auch Fire, Ready, Aim setzt auf einen Mix aus Riff und Groove und wirkt damit wie eine etwas zahmere Ausgabe der Hives. Für Stab You In The Heart verwandeln sich Green Day in die Beatles, und zwar in der Hamburg-Version, dreckig und heavy. Sugar Youth hat Frische und Energie wie ihre eigenen Songs zu Dookie-Zeiten, vor einem Vierteljahrhundert.

Take The Money And Crawl lebt von hohem Tempo und erlaubt sich sogar etwas Chaos, könnte aber etwas mehr Überzeugungskraft und etwas weniger Coolness gebrauchen. Meet Me On The Roof ist der poppigste Moment des Albums und zugleich vielleicht der Song, der Father Of All Motherfuckers am besten auf den Punkt bringt: Diese Einladung zum Treffen auf dem Dach klingt sehr überzeugend, und Green Day wollen diesmal dort eindeutig eher tanzen und knutschen als heimlich kiffen oder die Passanten mit leeren Bierdosen bewerfen.

Das Bühnenbild von Elvis haben Green Day fürs Video zum Titelsong geliehen.

Website von Green Day.

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