H.C. McEntire – „Lionheart“


Künstler H.C. McEntire

H.C. McEntire Lionheart Kritik Rezension

„Lionheart“ ist das erste Soloalbum von H.C. McEntire.

Album Lionheart
Label Merge Records
Erscheinungsjahr 2018
Bewertung

Diese Mission kann wohl als erfüllt gelten. Für ihr erstes Soloalbum hatte H.C. McEntire ein klares Ziel: Sie wollte Country Music all denen entreißen, die darunter bloß ein Stereotyp von weißen, konservativen Männern mit Hüten oder weißen, konservativen Frauen mit Lederstiefeln verstehen, und sie all denen zurückgeben, deren Hirn und Herz ein wenig größer ist. Wie gut der Sängerin, im Hauptberuf Frontfrau von Mount Moriah, das gelungen ist, zeigt beispielsweise When You Come For Me ungefähr zur Halbzeit von Lionheart: Das Lied könnte Unterrichtsmaterial sein für das Proseminar „Wie ich die Schönheit von Country erkenne.“

Zum Erfolgsrezept gehören dabei die klassischen Themen des Genres wie Schmerz, Einsamkeit und Verlust in Dress In The Dark, die reichlich vorhandene Nostalgie und noch reichlicher enthaltene Romantik in Red Silo oder die Naturverliebtheit von Yellow Roses (mit einer großen Wärme und der schönsten Zeile des Albums: „I’m the fool who steals your time.“). Auch eine quantitativ und qualitativ beträchtliche Riege an Mitstreitern trägt zum Gelingen von Lionheart bei: Kathleen Hanna, Angel Olsen (zu deren Begleitband sie gehört), Amy Ray, Tift Merritt, William Tyler, Mary Lattimore und Phil Cook gehören dazu. Schließlich bekommt H.C. McEntire innerhalb ihrer musikalischen Koordinaten ein großes Spektrum und eine sehr überzeugende Dynamik hin, die von One Great Thunder, das eher einer Skizze gleicht und viel Streicher-Wehmut verbreitet, bis zu Baby’s Got The Blues reicht, das unter anderem dank seiner Rock-Elemente große Kraft andeutet, auch wenn sie dann doch nicht ganz zum Ausbruch kommt.

„Es gibt in der Musik keine Regeln. Man kann seine eigene Sprache erfinden. Du kannst Southern Rock vergöttern oder Gospel ins Herz geschlossen haben. Du kannst zugleich die engelsgleiche Unschuld mit der Honigzunge sein und ein leidenschaftlicher Punk. Um zu dieser Erkenntnis zu gelangen – und mein Löwenherz zu finden – musste ich zu ihnen allen werden“, sagt H.C. McEntire über diese Vielzahl an Einflüssen, die man der Platte auf sehr angenehme Weise anhört. Gleich in mehreren Stücken werden sie selbst innerhalb eines Songs vereint. Wild Dogs beispielsweise hat ein Schlagzeug fast wie ein prähistorischer Drumcomputer, aber auch eine sehr schöne zweite Stimme, eine Harfe und tolle Streicher als Gegengewicht. Quartz In The Valley hat vergleichsweise viel Schwung, zugleich aber eine Atmosphäre, in die man sich einwickeln möchte.

Ihr größtes Pfund ist aber weiterhin eine Stimme, die Stereogum treffend als „verbraucht, weise und hell wie die Morgensonne, alles zugleich“ bezeichnet hat. Die Single A Lamb, A Dove, die ganz am Anfang von Lionheart steht und neben dem Gesang zunächst fast nur ein bisschen Klavier enthält, zeigt, was sich damit für eine Wirkung erzielen lässt: Die Stimme ist wie gemacht für so einen Auftakt als Aufforderung zur völligen Hingabe.

Ein Lyric-Video zu A Lamb, A Dove.

H.C. McEntire bei Bandcamp.

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