Hingehört: Andreya Triana – „Giants“


Künstler Andreya Triana

Ungewöhnliche Themen packt Andreya Triana auf "Giants" an.

Ungewöhnliche Themen packt Andreya Triana auf „Giants“ an.

Album Giants
Label Ninja Tune
Erscheinungsjahr 2015
Bewertung

Die erste Assoziation lautet: Amy Winehouse. Die Stimme von Andreya Triana ist im faszinierend beschleunigenden Auftaktsong Paperwalls jedenfalls verdammt nah an diesem Vorbild dran. Später lassen sich noch ein paar Parallelen in andere Richtungen erkennen. Giants, das fast nur auf Klavier und Pizzicato-Streicher setzt, dürfte Emeli Sandé gefallen. Das dramatische It’s Not Over würde auch gut zu Kelis passen.

Wer in Wirklichkeit ihr größtes Idol ist, verrät die Londonerin auf ihrem zweiten Album aber praktischerweise gleich selbst. Im Lullaby singt sie davon, wie The Miseducation Of Lauryn Hill ihre Jugend und ihr Selbstverständnis geprägt hat und wie sie wochenlang dieses Album hörte, mit Kopfhörern im Kinderzimmer, versunken in der Musik. Der Song betont Rhythmik und Tempo, aber nicht hektisch oder kraftmeiernd, sondern hoch intelligent – und baut im Hintergrund noch ein betörendes „Uhuhu“ ein, wie es auch die Fugees gerne eingesetzt haben.

Der Einfluss von Lauryn Hill wäre auch ohne dieses freimütige Bekenntnis unverkennbar gewesen. Der gut funktionierende Offbeat von Changing Shapes Of Love ist eines von vielen Beispielen dafür. An erster Stelle ist allerdings die Single Gold zu nennen: Das Lied ist sehr stylish, sehr selbstbewusst und sehr optimistisch – und lebt damit genau das Credo von Lauryn Hill.

Dazu passt auch die Tatsache, dass Andreya Triana hier wie schon auf ihrem von Bonobo produzierten Debütalbum Lost Where I Belong keine Lust hat, nur erwartbare Themen zu bedienen. “I’m really into honest storytelling in songwriting and hopefully painting a picture for the listener. Writing lots of love songs for the album didn’t really appeal to me so I drew inspiration from many other areas of my life”, sagt sie. Everything You Never Had Pt. II. wird eine rührende Ballade über die Beziehung zu ihrer Mutter. Keep Running besingt funky und kraftvoll das harte Großstadtleben.

Kongenial unterstützt wird dieser Ansatz von Produzent Matt Hales (Lianne La Havas, Paloma Faith). “Working with Matt Hales was such an amazing experience. I went to his studio in LA with an open mind and wanting to create something that had its own sound… Giants is what came out of the process”, schwärmt Andreya Triana. Einmal schießen die Ambitionen zwar übers Ziel hinaus (das wirre Clutterbug klingt, als hätte jemand versucht, das Riff von Seven Nation Army nachzubauen und dabei ein paar Töne vergessen), ansonsten findet Hales aber wunderbare Klanggewänder für diese Lieder wie im entspannten That’s Alright With Me: ein vorsichtiger Beat und ein dezenter Chor tragen ein wundervolles Liebeslied, das Streicher und Bläser jubilieren lässt, und doch geerdet bleibt.

Kein noch so ausgefeiltes Arrangement kann freilich die größte Stärke von Andreya Triana in den Schatten stellen: ihren sagenhaft beseelten Gesang. Lieder wie der beinahe gospelhafte Schmachtfetzen Heart In My Hands oder der großartige Song For A Friend zeigen: Diese tolle Stimme muss Soul singen – in jedem anderen Genre wäre sie verschwendet.

Andreya Triana singt Gold bei Jools Holland.

Andreya Triana bei Tumblr.

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