Hingehört: Ashley Hicklin – „Kissing The Queen“


Pop ohne Charakter bietet Ashley Hicklin auf "Kissing The Queen".

Pop ohne Charakter bietet Ashley Hicklin auf „Kissing The Queen“.

Künstler Ashley Hicklin
Album Kissing The Queen
Label Ferryhouse Productions
Erscheinungsjahr 2013
Bewertung

Er hätte es wirklich besser wissen können. Bevor er nach Stockholm ging, um dort sein zweites Album aufzunehmen, unternahm Ashley Hicklin eine kleine Deutschland-Tournee der besonderen Art: Der 27-Jährige spielte in den Fußgängerzonen von 30 deutschen Städten. „Du musst es schaffen, dass die Leute, die zum Einkaufen oder zur Arbeit gehen, stehenbleiben und dir zuhören. Auf der Straße zeigt sich, ob du wirklich jemand erreichen kannst“, sagt er ganz treffend.

Kissing The Queen, das Werk, das dann innerhalb von drei Monaten in Stockholm entstand, berücksichtigt diese Erkenntnis leider in keiner Weise. Die Stimme von Ashley Hicklin ist niedlich, aber nie mehr. Die Songs sind solide, aber austauschbar. Nirgends lässt sich so etwas wie Charakter erkennen oder gar das besondere Etwas, das einen in der Fußgängerzone aufhören lassen könnte.

Das ist auch kein Wunder. Erstens ist der Engländer Absolvent des Leeds College Of Music, einer jener unsäglichen Kaderschmieden für besonders stromlinienförmige Popsternchen. Zweitens ist er nebenher auch als Songlieferant tätig, unter anderem hat er Top10-Hits für Johan Palm und Tom Dice verfasst. Und drittens entstand Kissing The Queen unter sehr tätiger Mithilfe von Peter Kvint. Der hat sich ebenfalls schon als Ein-Mann-Songfabrik hervorgetan, unter anderem für Britney Spears, Natasha Bedingfield und Heather Nova. Hier spielt Kvint fast alle Instrumente ein, fungiert als Produzent des Albums und als Co-Autor von vier Stücken auf Kissing The Queen.

Nur ein einziges Lied hat Ashley Hicklin ganz alleine geschrieben, den Titelsong. Es ist einer der Lichtblicke auf Kissing The Queen. Auch den gekonnten Opener Top Of The World kann man in diese Kategorie zählen. Selbstverständlich sehr eingängig und mit ein bisschen Strand-Atmosphäre verkörpert der Track das Gefühl der Unbesiegbarkeit, das man durchs Verliebtsein bekommt. Auch das gut gelaunte Better With You und das vom Klavier getragene Next Time sind brauchbar.

Der Rest allerdings ist empörend liebloses Wegwerf-Radio-Gedudel. Almost Bulletproof stinkt nach Fließband, dem nervigen My Kaleidoscope merkt man an, dass hier beinahe wahllos ein paar Stücke aus dem Hit-Baukasten zusammengeworfen wurden, Little Echo und Ticket To The Moon sind ebenso beliebig wie langweilig. Crazy Beautiful ist ein wandelndes Klischee, Invisible taugt allenfalls als Discofox-Demomusik für den Anfängerkurs in der Tanzschule und mit City Lights gibt es als Rausschmeißer natürlich die obligatorische Klavierballade. Wenn die Songs allzu schwach werden, dann greift Ashley Hicklin gerne zu „ahaha“-Melodien oder notfalls zu ein paar Streichern, die Substanz und Tiefgang simulieren sollen. Auch das unterstreicht: Kissing The Queen bietet viel zu viel Handwerk und viel zu wenig Inspiration. Pop aus der Retorte.

Die City Lights bestehen bei Ashley Hicklin erstaunlicherweise aus Streichhölzern:

Homepage von Ashley Hicklin.

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