Black Rebel Motorcycle Club – „Live In Paris“


Künstler Black Rebel Motorcycle Club

Cover des Albums "Live in Paris" von Black Rebel Motorcycle Club

Paris ist der perfekte Schauplatz für die Musik des BRMC.

Album Live In Paris
Label Abstract Dragon
Erscheinungsjahr 2015
Bewertung

Was hat man als Fan, der schon alle Platten des Black Rebel Motorcycle Club besitzt, für einen Mehrwert, wenn man sich Live In Paris kauft? Zum einen ist da die DVD, die dem Doppelalbum (2 CDs oder 3 LPs) beiliegt und neben dem preisgekrönten Konzertmitschnitt von Bartleberry Logan auch die BRMC-Doku 33.3% von Yana Amur enthält.

Zum anderen ist da eine erstaunliche Erkenntnis: Die 24 Songs auf Live In Paris klingen wie ein einziger. Die Lieder aus 14 Jahren Black Rebel Motorcycle Club verschmelzen zu einem Monolith. Die Stücke fallen immer wieder in einen Taumel aus Gitarrenfeedback, tonnenschwerem Bass, Schlagzeugwirbeln und dem manischen Nuscheln von Robert Levon Been oder Peter Hayes, und die Band berauscht sich daran genauso wie das Publikum.

Noch eine erstaunliche Erkenntnis bietet dieser Mitschnitt des Konzerts vom 24. Februar 2014 aus dem Theatre Trianon: seltsame Vergleiche. Some Kind Of Ghost erinnert an die Doors, nicht nur wegen der Orgel und des gedrosselten Tempos, sondern auch wegen seiner Mystik. In Conscience Killer klingt das Trio aus San Francisco so gewaltig und plakativ wie The Hives. Das majestätische Lose Yourself singt Robert Levon Been, als wäre er ein noch nicht ganz seelenloser Bono. Und Rifles erscheint wie ein Lied, das INXS hätten machen können, wenn Michael Hutchence jemals von den Toten zurückgekehrt wäre.

Natürlich gibt es auf Live In Paris auch ganz viele klassische Stärken des Black Rebel Motorcycle Club. Fire Walker macht den Auftakt; die ersten Töne kommen aus einer Halbwelt, dann erklingt dieser unnachahmliche Bass wie der Taktgeber für ein Todesschwadron. Let The Day Begin ist nicht heiß, sondern lichterloh brennend. Rival wird irre aufregend, sodass die Band von ihrem eigenen Tempo überrumpelt zu werden scheint. Teenage Disease ist fies, hinterhältig und toxisch und heimst von Pariser Publikum für die Zeile „I’m a total waste“ sogar einen Szenenapplaus ein.

Dass sie gut in Form sind, haben BRMC während dieser ausverkauften Tour selbst bemerkt und genau deshalb beschlossen, das Ganze zu dokumentieren. “It was a little over a year ago while sitting in the back of a passenger van outside Tokyo, all of us covered in sweat and half-cocked grins trying to catch our breath after having just walked off stage, I remember someone uttering the idea that we might actually really want to think about filming one of these shows before it’s all over”, erzählt Robert Levon Been von der Geburtsstunde dieser Idee. “I guess my first reaction was that we could all use a very long hot shower much more than another live DVD at that exact moment. My second was that it might be a shame if we reached the end of that tour without capturing any of the beauty and even brutality of it.“

Paris ist ein idealer Schauplatz dafür. “What happened to the revolution?”, heißt schließlich eine Textzeile, und gut zwei Kilometer von dem Ort entfernt, an dem einst die Bastille stand, bekommt das natürlich eine besondere Note (auch wenn der dazugehörige Song Berlin heißt). Die Fans gehen bei den beiden akustischen Zugaben (Mercy und Shuffle Your Feet) ebenso mit wie beim Schlusspunkt Whatever Happened To My Rock ‘N’ Roll (Punk Song), das noch immer kampfeslustig und bedrohlich klingt wie eh und je. Sie genießen das großartige Returning, das ausnahmsweise einen Riss in der Coolness zulässt, zugänglich und sogar hilfsbedürftig wirkt. Sie lieben es, wenn BRMC ihre hemmungslose Liebe zur Gitarre ausleben (Lullaby) oder mit Gospel (Sometimes The Light), Blues (Screaming Gun) und indianischen Klängen (Beat The Devil’s Tattoo) ein paar prototypische Importe von der anderen Seite des Ozeans präsentieren.

Sie lassen es sich auch gefallen, wenn die Band Ain’t No Easy Way mit erstaunlicher Nonchalance (in Frankreich weiß man: das ist etwas anderes als Lustlosigkeit) spielt, vor allem wenn man bedenkt, dass es einer der wenigen „Hits“ in ihrem Repertoire ist. Auch bei Stop wissen Black Rebel Motorcycle Club offensichtlich, dass der Song so viel Substanz hat, dass er keine besondere Performance mehr braucht. Mit Spread Your Love zeigen sie dann gegen Ende allerdings, dass sie auch wissen: Man kann einen sehr guten Song durch eine besondere Performance auch noch besser machen.

Wahrscheinlich ist es genau das, was ein Konzert (und einen Konzertmitschnitt) des Black Rebel Motorcycle Club ausmacht: Man geht nicht hin, um die Songs zu hören. Sondern um diese einmalige Atmosphäre zwischen Ehrfurcht und Ekstase zu erleben.

Der Trailer zu Live In Paris.

Homepage des Black Rebel Motorcycle Club.

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