Hingehört: Bo Saris – „Gold“


Holland kann Soul, beweist Bo Saris mit "Gold".

Holland kann Soul, beweist Bo Saris mit „Gold“.

Künstler Bo Saris
Album Gold
Label Decca
Erscheinungsjahr 2014
Bewertung

Nichts, aber auch gar nichts an den Niederlanden war bisher funky (außer vielleicht der Frisur des jungen Ruud Gullit). Und jetzt das: Ein Käskopp, der auf Sam Cooke macht. Und das auch noch überzeugend.

Das Lied, in dem das passiert, ist die Single She’s On Fire. Der Song ist so sexy und verwegen, dass er wunderbar auf einen Tarantino-Soundtrack passen würde, das Video lässt die Ästhetik von Sixties-Fernsehshows wieder auferstehen, im Text reimen sich Zeilen wie „She’s lifting me higher“ auf „She’s every man’s dream and my desire“. All das hätte genauso gut zu einer Stax-Single aus dem Jahre 1968 gepasst.

Der Mann heißt Bo Saris (bürgerlich: Boris Titulaer), hat seine holländische Heimat schon vor einer Weile gegen London eingetauscht und Gold, sein erstes internationales Album, gleich mal von Dre Harris (Michael Jackson, Usher, Robin Thicke) in Los Angeles produzieren lassen. Dass diese Platte so verdammt nah an seine Vorbilder rankommt, liegt aber nicht nur an den professionellen Handlangern: Schon mit 16 stand Bo Saris zum ersten Mal auf der Bühne, die Soul- und Funk-Plattensammlung seiner Mutter hat ihn geprägt, sein Vater hat als Jazzsänger sein Geld verdient. Auch wenn er das Rampenlicht im Rahmen einer Castingshow in den Niederlanden betrat, ist unbestreitbar: Der Mann hat Musik im Blut.

So wird Gold zu einer sehr schicken, geschmeidigen, gelungenen Angelegenheit. Der Auftakt Only God Knows beschwört Marvin Gaye herauf, Can’t Beat The Old Skool hat Stevie-Wonder-DNA und so viel Schwung, dass es scheinbar immer schneller wird, Can’t Force It integriert ein paar Gospel-Momente und If I Don’t, das drittletzte Lied dieses Albums, ist dann endlich der Schmachtfetzen, auf den man bei diesem Sound und dieser Stimme schon die ganze Zeit hatte hoffen dürfen.

Neben den Soul-Helden der ersten Stunde haben aber auch jüngere Vertreter des Genres auf Gold ihre Spuren hinterlassen. „Ich versuche, den Sound von klassischem Soul mit etwas Modernerem zu kombinieren, in dem ich Details und Elemente von verschiedenen Stilen und Perioden der Soulmusik miteinander verknüpfe“, sagt Bo Saris. Das merkt man etwa in The Addict, das selbst im Katalog von Amy Winehouse ein Highlight gewesen wäre, oder in Change, das man sich auch gut von Aloe Blacc vorstellen könnte. Auch dem hoch eleganten I’m Done gelingt dieser Brückenschlag: Das klingt nicht wie ein nachgeahmter, imitierter oder wiederbelebter Sound, sondern ganz natürlich. Und gut.

Does He Love You Better und der Rausschmeißer Gold sind ebenfalls etwas moderner im Sound und sorgen damit für wichtige Nuancen, denn allzu viel Abwechslung gibt es sonst nicht. Am besten ist Bo Saris, wenn er sich noch ein bisschen weiter auf das Heute zubewegt. Das umwerfende Shoes klingt wie ein Hit aus der Pharrell-Schule, zugleich fragt man sich, warum Prince eigentlich nicht mehr solche Songs schreibt. Genauso stark ist Little Bit More mit einem perfekten Sound, sehr guten Refrain und ansteckendem Beat.

Zu den Höhepunkten muss man unbedingt auch So Sad zählen, eine klasse Ballade mit einem Refrain, an dem man sich gar nicht satt hören kann. Auch dieses Lied zeigt: Bo Saris hat die Stimme und die Songs, um seinen großen Vorbildern nachzueifern. Vor allem aber ist es seine unverkennbare Liebe zu dieser Musik, die dafür sorgt, dass auf dieser Platte nichts nach Plastik riecht. Dass das Album ursprünglich The Addict heißen sollte, unterstreicht diese Begeisterung – Gold ist als Name aber auch ganz passend.

Die echten Klassiker kann er auch: Bo Saris singt Mery Me live.

Bo Saris ist demnächst für zwei Shows in Deutschland:

03.06.2014 Köln – Studio 672
04.06.2014 Berlin – Privat Club

Homepage von Bo Saris.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.