Hingehört: Celebration – „Wounded Healer“


Künstler Celebration

Wounded Healer Celebration Kritik Rezension

„Wounded Healer“ ist das fünfte Album von Celebration.

Album Wounded Healer
Label Bella Union
Erscheinungsjahr 2017
Bewertung

“Only when the name came to us did I understand this was a medicine record. Most of the songs were written a while ago. Some of the feelings experienced when written have changed context over time. They have evolved towards healing or resolution”, sagt Sängerin Katrina Ford über den Albumtitel Wounded Healer. Das klingt so, als sei das am Freitag erscheinende fünfte Album von Celebration eine sehr tiefgründige Platte geworden. Erst recht, wenn die Band aus Baltimore auch noch Beschreibungen wie diese für ihr neustes Werk hinterher schickt: “I’d like to think we paint emotional landscapes, maybe a theatrical version of real life in broad strokes. A musical revival tent… electric church. Turning the hard times into sermon, tales of redemption and homecoming. Licking the wounds and tending to the den.”

Davon kann auf Wounded Healer leider keine Rede sein. Die Band, die neben Katrina Ford im Kern aus ihrem Ehemann Sean Antanaitis (Multiinstrumentalist und Keyboarder) und Schlagzeuger David Bergander besteht, beweist hier zwar beträchtliches Produktions-Know-how und ein noch deutlicher spürbares Faible für die Eighties. Granite (mit Lauren Shusterich von Wildhoney) ist ein Beispiel dafür und einer der besten Momente der Platte, weil das Lied so konzentriert und stoisch ist und der Versuchung widersteht, sich ein ganz großes Finale zu gönnen. Das rockige und ausgelassene Rolling On ist auf vergleichbare Weise gekonnt und fokussiert. Aber in keinem Moment wird auf diesem Album eine Identität erkennbar, erst recht kein Alleinstellungsmerkmal. Dass Celebration gleich acht Gastsänger engagiert haben, zudem neun weitere Gastmusiker (zusätzlich haben noch die ehemaligen Bandmitglieder Walker Teret und Tony Drummond an den Songs mitgearbeitet), ist bezeichnend.

Spinner wirkt, als hätte man 1986 versucht, eine Soul-Ballade nachzubauen; das Ergebnis ist nicht ohne Reiz, aber nicht wirklich ergreifend. Stevie (erneut mit Lauren Shusterich) klingt so, wie man sich 1983 die Erinnerung an Funk vorgestellt hat. Freedom Ring (mit The Twanger Sisters) könnte ein guter und spannender Song sein, aber die Orgel ist aufgeblasen, die Synthiestreicher sind billig, das Ende ist ausschließlich selbstverliebt. Wenn die Eurythmics noch Musik machen würden, aber nicht mehr allzu viel Lust darauf hätten, käme vermutlich etwas heraus wie Sacred Clown.

“It seems like the last three years have been filled with contrasts. Fantastical musical adventures against the backdrop of adult crisis”, sagt Katrina Ford über die Zeit seit dem letzten Album. “Midlife, we find ourselves dealing with bathroom renovations, death and elder care for parents, raising kids, careers, multiple surgeries, and totally fucked scheduling. But despite it and yet inspired by it all, we have a place to come together and do this thing we love.” Statt einen abenteuerlustigen und kunterbunten Ausgleich zu Routine und Stress des Alltags zu erschaffen, ist Wounded Healer aber bloß ein Sammelsurium von Sounds geworden, dem jegliche Magie fehlt. Die Songs von Celebration sind hier zwar nicht vorhersehbar, aber immer auf Effekt aus: Du sollst dies fühlen, jenes bewundern und auch noch das clevere Zitat im Hintergrund erkennen.

Das zeigt die an Portishead erinnernde Ästhetik von Velvet Glosse ebenso wie Georgia Roots mit seinen Anleihen bei Jazz, Balkan und Klezmer sowie Summer Season mit seiner Pseudo-Düsternis. Paper Trails, ein Duett mit Samuel T. Herring von Future Islands, möchte sich ums Verrecken nicht damit zufrieden geben, der nette kleine Popsong zu sein, der es sein könnte. Drum And Phife ist schließlich typisch für das Manko von Wounded Healer: Es gibt ein Flöten-Solo, danach viel Opulenz und allerlei weitere Ideen, sogar ein paar gute. Aber wie das gesamte Album wird es kein rundes, überzeugendes Ganzes.

Hübsch animiert ist das Video zu Rolling On.

Celebration bei Bandcamp.

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