Hingehört: Dralms – „Shook“


Künstler Dralms

Cover des Albums Shook von Dralms bei Full Time Hoby

„Shook“ ist schüchtern, kennt aber auch den Bewegungsdrang.

Album Shook
Label Full Time Hobby
Erscheinungsjahr 2015
Bewertung

Man kann kaum glauben, wie vorsichtig diese Platte – immerhin ein Debütalbum – beginnt. Der erste Song Usage ist geradezu defensiv, im zweiten Stück Pillars And Pyre singt Christopher Smith, der Kopf von Dralms, dann „This is hell for the weak ones / for the strong, this is heaven on earth“, und schon nach diesen paar Minuten besteht kein Zweifel, in welche dieser beiden Kategorien er selbst gehört. „Ain’t I a lucky boy / tremble and retch, insufferable joy“, lauten einige der letzten Zeilen von Shook, als solle dieser Eindruck am Ende noch einmal untermauert werden.

Freilich ist Smith zwar ein Leisetreter, aber dabei durchaus umtriebig. Nach diversen Projekten alleine und mit anderen Musikern ist Dralms das neue Baby das Manns aus Vancouver. Shaunn Thomas Watt (Schlagzeug), Peter Carruthers (Bass), William Kendrick (Keyboard) und Andy Dixon (Elektronik) sind seine neuen Mitstreiter, gemeinsam hatte man 2014 bereits zwei EPs vorgelegt (auf einer davon fand sich auch schon Pillars And Pyre, allerdings in einer anderen Version). Der Bandname ist ein guter Fingerzeig für den Sound des Quintetts. „I just stumbled on it, I can’t even remember how“, erzählt Christopher Smith. „It kind of sounds half way between a drug and a classical composer. But I like band names that just feel right and don’t necessarily have a message – especially since this project will evolve, rather than something direct and literal that you’re stuck with.“ Genau wie dieses Fantasie-Wort funktioniert die Musik von Dralms: Alles kommt aus dem Ungefähren, trotzdem sitzt jedes Element genau an der richtigen Stelle.

Talk Talk oder Spiritualized sind beliebte Vergleiche. Vor allem die Arbeit mit dem Bass, der Kraft hat und zugleich subtil und sanft daherkommt, lässt immer wieder auch an Air denken. Das fantastische Wholly Present zeigt, wie wundervoll die Musik auf Shook werden kann. Das ist genau der Mix aus Minimalismus, Avantgarde und Sexyness, den Smiths Landsmann The Weeknd seit Jahren vergeblich zu erreichen versucht. Gang Of Pricks, ebenfalls eine neu arrangierte Version eines schon auf EP veröffentlichten Songs, wird grandios wehmütig. Objects Of Affection schafft es tatsächlich, die Todsünden Slap-Bass und Saxofonsolo zu kombinieren, ohne dabei zu missfallen.

„The title Shook comes out of what I was going through during the making of the album. There’s a lot of dialogue around power and control, in a personal sense, like between two people romantically involved, but as well as in other facets of life“, erklärt Smith den Namen des Albums. „Shook is that moment when everything changes. Where you hold on to what’s true to you for dear life, or let it all crumble, accept it, pick up the pieces and move on.“ Diese Beweglichkeit und der Drang zur Entscheidung sind bei aller Schüchternheit wichtige Elemente von Dralms. Divisions Of Labour (mit dem offenherzigen Bekenntnis „If my heart had its will / kill kill kill“) zeigt, dass es bei den Kanadiern auch mal muskulös und sogar schräg werden darf, My Heart Is In The Right Place könnte sogar als Rock durchgehen. Der Rausschmeißer Crushed Pleats mündet schließlich in einem Prog-Finale, das man niemals hätte absehen können, nicht für dieses Lied und nicht für dieses Album.

So schafft es Shook, extrem schön und äußerst geschmackssicher zu sein, ohne deshalb eindimensional oder berechenbar zu werden. Musik wie aus einem Traum.

Bitte nicht gießen, der Verfall ist so schön! Das Video zu Shook.

Homepage von Dralms.

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