Elephant – „Sky Swimming“


Künstler Elephant

"Sky Swimming" hat Spaß daran, seine eigene Schönheit zu unterwandern.

„Sky Swimming“ hat Spaß daran, seine eigene Schönheit zu unterwandern.

Album Sky Swimming
Label Memphis Industries
Erscheinungsjahr 2014
Bewertung

Es besteht wirklich kein Mangel an Bands mit Tiernamen, und viele von ihnen haben neben einem zoologischen Interesse auch tolle Musik zu bieten. In diese Reihe fügen sich jetzt auch Elephant ein, und zwar ganz weit oben. Mit einem Elefanten haben Amelia Rivas und Christian Pinchbeck zwar nichts gemeinsam, und auch das gleichnamige Album der White Stripes dürfte bei der Namensgebung wohl nicht der Auslöser gewesen sein (“they’re a Meg’n’Jack reared on breathy Brill Building pop and haunting atmospherics“, hat der Guardian die Unterschiede herausgearbeitet). Aber Sky Swimming ist ein fabelhaftes Debütalbum.

Allerdings muss man die Sache mit dem Debüt bei dem vor drei Jahren gegründeten Duo aus London etwas einschränken. Mehr als die Hälfte der hier enthaltenen zwölf Lieder haben Elephant scheibchenweise bereits vorab veröffentlicht und so für Lobeshymnen wie „a slice of gorgeousness not dissimilar from what The Concretes were doing in their prime“ (Pitchfork) ausgelöst. Sky Swimming ist trotzdem ein sehr stimmiges Album, und auch die im Vergleich zu den Lo-Fi-Anfängen des Duos deutlich ausgefeiltere Produktion schadet den Stücken keineswegs.

Man merkt Elephant an, auch wenn Pinchbeck und Rivas mittlerweile kein Paar mehr sind, dass sich hier zwei gefunden haben, die sofort eine Wellenlänge und eine gemeinsame Ästhetik teilten. „The first time we worked together, I went round to his house in Peckham and didn’t leave for three days“, erinnert sich Amelia Rivas an die Anfänge des Duos. Den Beleg für dieses intuitive Verständnis füreinander liefern Lieder wie der opulente Rausschmeißer Shapeshifter mit seinen tollen Streichern, der Titelsong als lebender Beweis dafür, dass man Shoegaze auch akustisch machen kann, oder Skyscraper, das trotz seines üppigen Sixties-Girlgroup-Ambientes beinahe klingt, als sei es nur geträumt.

Zu Beginn in Assembly ist der Gesang bloß gehaucht und es gibt viele umeinander flirrende Orgelsounds, trotzdem wird der Track schmissig, dank munterem Bass und kräftigem Schlagzeug. Auch Elusive Youth beweist mit seiner ansteckenden Heiterkeit à la Pipettes die große Pop-Sensibilität von Elephant. In TV Dinner scheinen Lily Allen und Saint Etienne aufeinander zu treffen, das betörend schöne Come To Me basiert – wie etliche Songs auf Sky Swimming – auf einem angedeuteten HipHop-Beat und bietet dann auch noch ein Saxofonsolo, aber Elephant sind die Sorte Band, der man solche Extravaganzen liebend gerne durchgehen lässt.

Allured besteht gefühlt nur aus dem Gesang von Amelia Rivas und wird gerade deshalb so zauberhaft, aber immer wieder wagen sich Elephant auch an Elemente, die den Schönklang von Sky Swimming unterwandern. Ants hat zwar einen Schunkelbeat, aber auch eine sehr experimentelle Gitarre, Shipwrecked verströmt eine unnachahmliche Melancholie, das Wort „shipwrecked“ wird dabei aber mit Effekten zerstückelt, am Ende von Torn Tongues läuft die Musik rückwärts.

Zum Mut dieses Albums gehört schließlich auch die Tatsache, dass Rivas und Pinchbeck hier in einigen Momenten das Ende ihrer Beziehung besingen, die während der Aufnahmen zu diesem Album in die Brüche ging. „Do your eyes turn blue before you cry / I see the blue in you“, singt Amelia Rivas beispielsweise in Golden, und viel romantischer oder poetischer kann Musik nicht mehr werden. Eine Gemeinsamkeit mit Elefanten offenbart die Musik von Elephant dann also doch noch: Sie ist majestätisch, erhaben – und sollte jeden denkbaren Schutz genießen.

Elephant spielen Skyscraper live.

Homepage von Elephant.

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