Hingehört: Frøkedal – „I See You“


Künstler Frøkedal

Cover der EP I See You von Frøkedal

„I See You“ ist das erste Solowerk von Anne Lise Frøkedal.

EP I See You
Label Propeller Recordings
Erscheinungsjahr 2015
Bewertung

Drei Dinge wollte Anne Lise Frøkedal erreichen, als sie vor zwei Jahren den Job als Sängerin, Gitarristin und Komponistin von Harrys Gym an den Nagel hängte: etwas Neues probieren, ihr eigener Boss sein und einfachere, spontanere Musik machen.

Hört man ihre erste EP I See You an, kann man feststellen: Die Norwegerin war in fast allen Punkten erfolgreich. „Es fühlte sich grauenhaft an zu seiner Zeit, aber ich habe es nie bereut“, sagt sie über den Ausstieg aus der Band. Als Solistin ist sie dank ihrer Stimme natürlich noch immer unverkennbar, trotzdem haben diese vier Lieder, die sie komplett selbst geschrieben hat, einen ganz eigenen Sound, mit vielen traditionellen Einflüssen und etlichen überraschenden Wendungen.

Man hört ihr die Begeisterung darüber und den Stolz darauf an, eine andere Form des musikalischen Ausdrucks gefunden zu haben. Ein Lied wie Surfers zeigt das: Es gibt nur ein winziges bisschen Schlagwerk und zwischendurch eine beinahe barocke Atmosphäre, trotzdem entwickelt das Lied eine große Dringlichkeit, die wunderbar zu dieser dominanten Stimme passt.

Auch die Sache mit der Spontaneität hat geklappt. Nach der Komplexität der späten Stücke von Harrys Gym sehnte sich ein Teil von Anne Lise Frøkedal nach Reduktion und Ursprünglichkeit. Einen Song wie I See You könnte man gut und gerne als Folk bezeichnen. Das Lied ist geradezu mystisch, nicht nur weil es um das geht, was sich im Hintergrund versteckt, „behind the shadow“, wie Frøkedal singt. „Ein Teil der Idee war es, ein einfaches Lied zu schreiben. Oder mit Stücken zu arbeiten, die immer einen Sinn ergeben, egal wie ich sie spielen würde oder mit wie vielen Leuten zusammen“, sagt sie.

Da wird dann allerdings das kleine Hintertürchen bei ihrer Solo-EP erkennbar. Denn eine One-Woman-Show war die Entstehung von I See You keineswegs. Nach dem Entschluss, es auf eigene Faust als Musikerin zu versuchen, hatte Frøkedal zunächst kein richtiges Konzept, wie sie das angehen sollte. Die Lösung ergab sich während eines einmonatigen Gastspiels im Mono in Oslo. „Ich hatte keine Ahnung, was ich aufführen sollte oder wie viele Leute mit mir auf der Bühne stehen würden. Nicht mal, welche Stücke wir spielen würden. Ich musste aber einfach diese Konzerte buchen, um etwas auf die Beine zu stellen. Ich brauchte einen Vorwand.“

Halb als Geleitschutz, halb als Inspirationsquelle lud sie die Musiker auf die Bühne ein, die sie am meisten bewundert. Daraus wurde (nicht nur für die vier Shows im November 2013) ihre Liveband: Erlend Ringseth von Harrys Gym, der Violinist Olav Christer Rossebø, die Choreographin und Musikerin Ingeleiv Berstad und Thea Glenton Raknes, die sonst als Thea & The Wild unterwegs ist.

„Nichts war vollendet, und das war im Großen und Ganzen die Idee. Ich dachte immer, diese Stücke würden zu wirklichen Songs werden, wenn ich sie vor Leuten spielen könnte“, erinnert sich Frøkedal an diese spannende Phase. Hört man heute Songs wie First Friend, in dem viel Sehnsucht, eine gute Portion Elektronik und ein Hauch der Leichtigkeit von Boy steckt, kann man kaum glauben, dass an seinem Beginn einmal Unentschlossenheit und Ratlosigkeit gestanden haben sollen. Und in Silhouettes entwickelt Frøkedal sogar eine Majestät, die an Velvet Underground & Nico denken lässt: betäubend, traurig und würdevoll.

Im Video zu Surfers feiert Frøkedal das Nichtstun.

Homepage von Frøkedal.

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