Hingehört: Gleis 8 – „Endlich“


Künstler Gleis 8

Cover des Albums Endlich von Gleis 8 Kritik Rezension

Dezimiert gehen Gleis 8 ihr zweites Album an.

Album Endlich
Label Universal
Erscheinungsjahr 2016
Bewertung

Man möchte milde umgehen mit dieser Platte. Gleis 8 haben schließlich schon genug durchgemacht. Vor drei Jahren hat sich die Berlin-Hamburger Band als Quartett gegründet, das prominenteste Mitglied war Anna R., zuvor Sängerin von Rosenstolz. Dazu kamen Lorenz Allacher, Timo Dorsch und Manne Uhlig. Im Mai 2013 erschien das Debüt-Album Bleibt das immer so und kam in die deutschen Top10. Nach dem verheißungsvollen Start wollte die Band mit viel Schwung das zweite Album angehen.

Doch während der Aufnahmen für den Nachfolger bekamen Lorenz Allacher und Manne Uhlig eine Krebs-Diagnose. Allacher, der schon bei Rosenstolz gemeinsam mit Anna R. musizierte, erlag der Krankheit. „Wir vermissen ihn sehr, aber natürlich haben wir weiter gemacht. Das hätte Lorenz auch so gewollt, denn Gleis 8 war sein letztes Baby“, sagt die Sängerin. „Es gibt nun kein viertes Bandmitglied mehr und auch auf der Bühne nimmt niemand seinen Platz ein. Das verteilt sich nun auf die Musiker, die da sind. Die müssen halt alle ein bisschen mehr machen.“

Was angesichts dieser Begleitumstände wenig überrascht: Abschied und Trennung sind wichtige Themen auf dieser Platte. Aber leider ist Endlich (das Album sollte eigentlich schon im September erscheinen, wurde dann aber deutlich verschoben, was dem Titel eine zweite Bedeutungsebene verleiht) in keinem Moment so erschüttert, mitgenommen oder trotzig wie man nur nach einem Schicksalsschlag sein kann. Stattdessen gibt es Schlager-Gemütlichkeit im Sound und schlechte Reime, die zu schlechten Texten werden.

Anna R. singt besonders gerne aus der Opferrolle, beispielsweise in Kein Zuhaus. Wenn es angeblich intensiv werden soll wie in Dunkelrot, sind natürlich Cello und Harfe die Mittel der Wahl. Vorbei ist eines von mehreren Liedern, die sich einreden möchten, es sei nicht so schlimm, wenn man schon wieder von vorne anfangen muss, und dabei ignoriert, dass die Mitglieder von Gleis 8 längst in einem Alter sind, in dem man nicht mehr unendlich viele Möglichkeiten dazu bekommt. Das wirkt dann nicht optimistisch, sondern dumm.

Ärgerlich ist auch, wie verzweifelt (und vergeblich) Anna R. versucht, sich als außergewöhnliche Sängerin zu profilieren, statt einfach mit echtem Gefühl zu singen. Besonders anstrengend wird das bei Engel, einer Cover-Version des Rammstein-Hits, die dem Original alle Härte nimmt und nur den Kitsch übrig lässt. Wie wenig auf Endlich funktioniert, zeigt auch der programmatische Auftakt Alles auf Anfang. „Das war ursprünglich ein langes Instrumental-Intro, das wir auf Tour gespielt hatten, zu dem wir alle nach und nach auf die Bühne kamen. Da haben wir dann alles reingepackt, was uns  in den ersten beiden Jahren passiert ist. Und anschließend haben wir auf Neustart gedrückt!“, erzählt Anna R. Doch statt nach Jungbrunnen und Vorwärtsdrang klingt der Song wie die gesamte Platte: altbacken und peinlich.

Atmosphärisch soll wohl das Video zu Trotzdem sein.

Auch nach hinten verschoben: die Tourdaten von Gleis 8:

16.04.2016 Wolfsburg / Hallenbad
18.04.2016 Köln / Bürgerhaus Stollwerck
19.04.2016 Dortmund / FZW
20.04.2016 Stuttgart / Im Wizemann
22.04.2016 München / Technikum
23.04.2016 Kaiserslautern / Kammgarn
25.04.2016 Frankfurt / Batschkapp
26.04.2016 Leipzig / Werk2
27.04.2016 Dresden / Alter Schlachthof
29.04.2016 Zwickau / Das Ballhaus
30.04.2016 Erfurt / Stadtgarten
02.05.2016 Hamburg / Mojo
03.05.2016 Berlin / Astra

Website von Gleis 8.

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