Hingehört: Goat – „Commune“


Künstler Goat

Erfreulich: Bei den Hippies von Goat wird auch mal Pogo getanzt.

Erfreulich: Bei den Hippies von Goat wird auch mal Pogo getanzt.

Album Commune
Label Rocket Recording
Erscheinungsjahr 2014
Bewertung

So stellt man sich die Musik vor auf einem Album, das Commune heißt (und der Nachfolger einer Platte namens World Music ist): Ein Reigen von Liedern, zu denen sich Menschen mit sehr vielen Haaren an den falschen Stellen und sehr weiten Gewändern in den falschen Farben gerne barfuß im Kreis drehen. Genauso klingt die Musik von Goat auf ihrem zweiten Album Commune tatsächlich. Aber selten hat eine Band so vielseitig, gewitzt und kraftvoll versucht, den Hippie in dir zu wecken wie diese seltsamen Schweden.

Eine Minute lang sind zunächst bloß klingende Gläser (oder etwas Ähnliches) zu hören. Dann wird es im Opener Talk To God orientalisch, das Lied entwickelt vor allem dank eines kraftvollen Basses (der sich im weiteren Verlauf von Commune geradezu als Markenzeichen der Band etabliert) einen guten Groove, bietet exaltierten Gesang und kreist um die Zeile „Call my name / when you talk to God.“ Diese Aufforderung ist kryptisch genug, wird aber noch ein bisschen verwirrender, wenn man weiß, dass die Mitglieder von Goat ihre Namen nicht verraten und auch stets in exotischen Masken auftreten.

The Light Within fußt auf lateinamerikanischen Rhythmen, Words wird bedrohlich und heavy. Auch Goatslaves, mit energischen Percussions und einem erneut tollen Bass-Riff zeigt, dass man in der Kommune von Goat vielleicht keine Bikerjacken trägt, aber zumindest gerne auch mal Pogo tanzt. Gathering Of Ancient Tribes (man beachte: die Anfangsbuchstaben des Songtitels ergeben das Wort “Goat”!) hat ein formidables Krakelen zu bieten, einen schönen Rhythmus und eine große Liebe zu jedwedem Sound, den man einer elektrischen Gitarre entlocken kann – wie Sleater Kinney nach der Erleuchtung.

Es gibt auch sonst wenig Text von der anonymen Goat-Sängerin, Travel The Path Unknown bleibt gleich komplett instrumental, ebenso Bondye, das erahnen lässt, wie Kula Shaker vielleicht geklungen haben, wenn deren Frontmann Crispian Mills wieder einmal im (Indien-)Urlaub war. Ein Höhepunkt auf Commune ist Goatchild: Nico scheint sich hier mit Jim Morrison zum Duett zu treffen, mit den Velvet Underground als Backing Band und in einem Raum, dessen Wände ausschließlich aus Wah-Wah bestehen.

Und dann ist da noch Hide From The Sun, das Lied, das den Sound von Goat vielleicht am besten zusammenfasst. Es ist spinnert, es ist innovativ, es ist mysteriös. Es ist die Hymne des Genres, das ich fortan gerne „Räucherstäbchen-Rock“ nennen möchte.

Was für ein Trip: Goat spielen Hide From The Sun live in Detroit.

Homepage von Goat.

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