Hingehört: Graveyard Train – „Hollow“


Künstler Graveyard Train

Als "Horror Country" gilt die Musik von Graveyard Train. Das Cover passt dazu.

Als „Horror Country“ gilt die Musik von Graveyard Train. Das Cover passt dazu.

Album Hollow
Label Cargo
Erscheinungsjahr 2014
Bewertung

Alkohol hat viele schlimme Effekte gehabt im Laufe der Musikgeschichte. Man denke an Bon Scott von AC/DC, die peinlichen letzten Konzerte von Amy Winehouse oder den (hoffentlich noch bevorstehenden) Moment, wenn Unlocking The Truth (das Trio mit dem Durchschnittsalter von derzeit 12,6 Jahren hat gerade einen Plattenvertrag über 1,7 Millionen Dollar unterschrieben) ihr erstes Bier trinken werden.

Bei Graveyard Train ist das Gegenteil der Fall. Die siebenköpfige Band aus Melbourne entstand aus einer Schnapslaune heraus. Man könnte doch einfach versuchen, zusammen Musik zu machen, dachten sich ein paar Kumpels. Daraus wurde zumindest in ihrer Heimat eine ziemliche Erfolgsgeschichte. Hollow ist das dritte Album der 2008 gegründeten Formation, in Australien schon im vergangenen Jahr erschienen, jetzt auch mit deutschem Vertrieb.

Man hört der Platte an, dass hier keine Musiker am Werk sind, denen es um möglichst ausgetüftelte Sounds oder ein hundertprozentig stimmiges Gesamtkonzept geht. „Los, probieren wir es aus!“ scheint bei Graveyard Train nach wie vor eine wichtige Herangehensweise zu sein, und Hollow zieht daraus einen sehr jovialen, spontanen Charakter ohne stilistische Scheuklappen.

Besonders gerne setzt das Septett auf das Miteinander der Bariton-Stimme von Sänger Nick Finch und einem Chor der anderen Bandmitglieder, der sich irgendwo zwischen den Donkosaken und einer Motorradgang einordnen lässt. Erstmals kommt dieser Trick in der Single I’m Gone zum Einsatz, das Ergebnis klingt tatsächlich ziemlich aggressiv. The Sermon ist eine halbwegs augenzwinkernde Einladung zu einem Saufgelage (der Alkohol wird auf Hollow auch sonst liebend gerne besungen), The Doomsday Cult Blues dürfte Nick Cave gut gefallen, mit Hollow Wind zeigen Graveyard Train, dass sie auch Balladen draufhaben, der Schlusspunkt The End Of The World ist so episch und schleppend, wie es dieser Titel verlangt, The Priest kann fast als klassischer Blues gelten.

Nicht selten muss man an den Klamauk von Ween denken, denn auch Graveyard Train spielen gerne mit musikalischen Klischees, und Texte, in denen es vor Vampiren, Klapperschlangen und Ungeheuern (und Alkohol, hatte ich das schon erwähnt?) wimmelt, kann man natürlich auch nicht ganz ernst nehmen. Der Höhepunkt ist One Foot In The Grave, in dem Nick Finch plötzlich mit einer wahnsinnigen Kopfstimme singt, dazu gibt es ein mächtiges Bass-Riff, Händeklatschen in der Strophe und einen Monsterbeat im Refrain – viel wilder und unterhaltsamer waren auch die rockigsten Momente der Beastie Boys nicht.

Als „Horror Country” haben die Australier die Musik auf Hollow eingeordnet. Das ist nicht ganz falsch. Hierzulande, wo man aber auch eine durchaus geistesverwandte Bande von „Urban Cowboys“ kennt, darf man allerdings zu einer etwas anderen Charakterisierung kommen: Graveyard Train klingen, als hätte jemand The BossHoss als neue Hausband im Titty Twister engagiert.

Achtung, Spielzeug hat eine teuflische Seite, warnt das Video zu One Foot In The Grave.

Homepage von Graveyard Train.

 

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