Jameszoo – „Fool“


Künstler Jameszoo

Jameszoo Fool Albumkritik Rezension

Jameszoo mag es abstrakt.

Album Fool
Label Brainfeeder
Erscheinungsjahr 2016
Bewertung

Ein Porträt des Künstlers im Stile des Post-Impressionismus zeigt das Cover von Fool. Das passt perfekt: Als es im Zuge der aufkommenden Fotografie keinen Sinn (oder Spaß) mehr machte, die Welt möglichst realistisch auf die Leinwand zu bringen, entstanden neue Formen der Malerei. So ähnlich scheint Mitchel Van Dinther, der Mann, der sich Jameszoo nennt, auf ganz normale zeitgenössische Musik zu blicken: Sie hat für den Produzenten aus Den Bosch im Süden der Niederlande keinen Reiz mehr. Er will ganz neue Formen finden.

Den Ansatz, den er dafür wählt, nennt er „naive, computer jazz“. Zu seinen Mitstreitern auf diesem übermorgen erscheinenden Debütalbum gehören etablierte Musiker wie Pianist Niels Broos, die Schlagzeuger Julian Sartorius und Richard Spaven, die Bassisten Raphael Vanoli und Stephen Bruner (aka Thundercat) und der Saxophonist John Dikemn. Als wichtigste Einflüsse für Fool benennt Jameszoo die Komponisten Steve Kuhn, Arthur Verocai und Robert Wyatt.

Das Ergebnis ist ein hochgradiges abstraktes Album, das zugleich anstrengend und leicht zu überhören ist und kein bisschen Spaß macht. Das ist aber nicht das eigentliche Problem von Fool, denn Entertainment wird in diesem Genre natürlich gar nicht angestrebt. Viel schwerer wiegt ein anderer Makel. Jameszoo will besonders sein, wird aber beliebig. Seine Musik ist so anders, dass sie zugleich den Maßstab verweigert, an dem man sie messen könnte, um wirklich festzustellen, wie viel besser oder kreativer sie ist. Manches auf Fool ist bloß Stille, vieles ist bloß Chaos.

Der Auftakt Flake bietet keine Musik, sondern bloß Geräusche. In Meat spielen Orgel und Saxofon sehr hartnäckig aneinander vorbei. So ähnlich wie der Schlusspunkt Tooths klänge die Musik von Helge Schneider wahrscheinlich, wenn er seinen Humor verlieren sollte. Auf wildes Geklimper folgt ein bisschen Big Beat, der tatsächlich kurz damit droht, loszurocken.

“Whereas before electronic music was the foundation of my composing, now it is nothing more than an instrument within the range of many”, umschreibt Jameszoo seinen Ansatz. Tracks wie Lose illustrieren, wie das gemeint ist: Im ersten Teil gibt es Tasteninstrumente (das könnte funky sein, wenn es sich einen Beat erlauben würde), der zweite Teil besteht dann nur aus willkürlichen Tönen. So wie Soup und Flu (mit Arthur Verocai) würde Jazz vielleicht klingen, wenn sein wichtigstes Thema die Lustlosigkeit wäre.

Der einzig annehmbare Moment auf Fool ist The Zoo, für das Mitchel Van Dinther ebenfalls mit einem seiner musikalischen Helden zusammengearbeitet hat, zugleich der einzige Track des Albums, auf dem es Gesang gibt. Das Stück greift auf Steve Kuhns Pearlie’s Swine zurück und kommt am nächsten an etwas heran, was man einen Song nennen könnte. Es deutet zumindest an, wie spannend die Herangehensweise von Jameszoo sein könnte, würde sie mehr Fokus gewinnen.

Aber genau daran fehlt es hier in eklatantem Maße. “I tried to create something that is both tradition and me fooling around”, liefert Van Dinther eine Erklärung dafür. “There is something to be said for both sides of the spectrum. If we always remain in tradition there will be no evolution.” Das stimmt natürlich. Was Jameszoo aber nicht begriffen hat: Es geht beim kreativen Erschaffen nicht nur um Idee, Erneuerung und Abweichung, sondern auch darum, eine Form zu finden. Wer das nicht kann oder sich dem verweigert, ist kein Künstler und Innovator, sondern ein Blender und Scharlatan.

Ein DJ-Set von Jameszoo.

Website von Jameszoo.

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