Hingehört: Josefin Öhrn + The Liberation – „Horse Dance“


Künstler Josefin Öhrn + The Liberation

Cover des Albums Horse Dance von Josefin Öhrn + The Liberation

Mehr als das Hier und Jetzt soll „Horse Dance“ bieten.

Album Horse Dance
Label Rocket Recordings
Erscheinungsjahr 2015
Bewertung

Dass Fantasie ein wichtiges Element in der Musik von Josefin Öhrn + The Liberation ist, dürfte auch dem flüchtigen Beobachter schnell klar werden. Ihre viel beachtete erste EP (2014) nannte die Band aus Stockholm Diamond Waves, dem gerade erschienenen Debütalbum haben sie den Namen Horse Dance verpasst. Wellen aus Diamant, tanzende Pferde – das sind wunderbare Bilder, unwirklich und doch sofort einleuchtend.

Es ist ein Ansatz, der sich wunderbar auf die Musik der Schweden übertragen lässt. “Psychedelic Spacegaze”, hat Josefin Öhrn diesen Sound in einem Interview genannt, auch mit dem Begriff „Psychedelia“ kann sie durchaus etwas anfangen: „Es ist ein Kontinuum, das über das hier und jetzt hinüber fließt“, umschreibt sie ihren Eindruck von der Welt, „und Psychedelia scheint ein wirklich machtvoller Weg zu sein, diese tieferen Ozeane, welche unser echtes zu Hause sind, zu entschleiern“.

Die musikalische Entsprechung dieses Geheimnisses sind bei Josefin Öhrn + The Liberation oft scheinbare Gegensätze. Sanity ist aufgekratzt und trotzdem sehr cool, der Album-Schlusspunkt Talk illustriert, was wohl passiert wäre, wenn die Schönklang-Meisterinnen von Boy mehr Krautrock gehört hätten. Auch in Take Me Beyond ist dieses Prinzip erkennbar: Ein Autofahrerbeat trifft auf eine Stimme, die so schön ist, dass sie auch die fiesesten Zitate von Erika Steinbach singen könnte, ohne dass man sofort davonlaufen müsste – und das ist eine äußerst reizvolle Kombination.

Widersprüche stehen auch am Beginn von Horse Dance, und das führt dazu, dass man sehr schnell hochgradig fasziniert ist von dieser Platte. Alles im Opener Dunes ist im Vollgas-Modus, nur der Gesang nicht. Stattdessen erklingt eine Stimme, die eher verschüchtert ist – das Ergebnis wirkt, als würde Enya bei Queens Of The Stone Age singen. Im folgenden Sunny Afternoon ist die Musik noch muskulöser, aber diesmal hat auch der Gesang eine beachtliche Autorität.

Weitere Charakteristika von Josefin Öhrn + The Liberation sind ein oft maschineller Rhythmus und eine fast altertümlich wirkende Mystik wie sie zum Beispiel auch Cat’s Eyes heraufbeschwören. Wenn der Beat auf Horse Dance ausnahmsweise mal nicht absolut unnachgiebig ist, kann ein Song auch schon einmal sphärisch werden, wie You Have Arrived beweist. Mit Green Blue Field zeigt die Band, dass sie auch New Wave beherrscht, im experimentellen Titelsong testen sie die eigenen Grenzen am mutigsten aus.

„Ich denke definitiv, dass das menschliche Verlangen nach veränderten Zuständen – sich selbst aus einer höheren Perspektive zu sehen – ein tiefes, fundamentales Verlangen ist“, glaubt Josefin Öhrn. Alle, die das genauso sehen, finden mit Horse Dance einen wunderbaren Soundtrack dazu.

Der treibende Beat hat sich im Video zu Take Me Beyond auch auf die Kamera ausgewirkt.

Homepage von Josefin Öhrn + The Liberation.

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