Hingehört: Josefin Öhrn + The Liberation – „Mirage“


Künstler Josefin Öhrn + The Liberation

Josefin Öhrn + The Liberation Mirage Kritik Rezension

Viel mehr als Band treten Josefin Öhrn + The Liberation auf „Mirage“ auf.

Album Mirage
Label Rocket Recordings
Erscheinungsjahr 2016
Bewertung

Nicht mal ein Jahr haben Josefin Öhrn + The Liberation für den Nachfolger zum Debütalbum Horse Dance gebraucht. Das neue Werk des Quintetts aus Schweden bietet auf den ersten Blick viel Kontinuität: Hört man Tracks wie das ungestüme Looking For You (der Horse-Teil) oder das asiatisch angehauchte Sister Green Eyes (der Dance-Teil), dann wäre der alte Albumtitel auch diesmal durchaus passend.

Aber auch wenn sich Mirage ebenfalls in der geistigen Heimat der Band verorten lässt (nämlich den Zustand, „where dreams, visions and the present are entwined“, wie sie sagen), bietet die Platte doch eine atemberaubende Weiterentwicklung. “Horse Dance was very much about conjuring the strength needed to cut ties. Mirage may be about having left but having no clue what’s next – the power in being completely lost and thriving on it”, beschreiben Josefin Öhrn + The Liberation selbst einen der wichtigsten Unterschiede.

Mirage klingt noch energischer und zugleich freischwebender als das Debüt. Dass als Zitatgeber bei den oben genannten Aussagen stets die gesamte Band auftritt, ist ebenfalls kein Zufall: Die Platte klingt geschlossen, stark, einzigartig.

Ein Song wie Where I’m Going macht sehr eindrucksvoll deutlich, wie ungewöhnlich die Gitarren- und vor allem Schlagzeugarbeit bei Josefin Öhrn + The Liberation ist. Imagine You hat viel Vorwärtsdrang, Rainbow Lollipop entwickelt eine unterschwellige Bedrohlichkeit – der Gesang ist nur geflüstert, umso gewaltiger wirkt die Wand aus Rock-Gewalt dahinter. The State I’m In, das am Anfang von Mirage steht, bietet ein kraftvolles Riff, einen urtümlichen Rhythmus und eine schwere Orgel, was durchaus auch gut zu The Duke Spirit gepasst hätte.

“We agree on not remembering very much about how these tracks came about, that all of them were written on the road and that most of them came fully formed”, lässt die (erneut gesamte) Band über den Entstehungsprozess wissen. “Most were really long to begin with, but we found it relieving to break away a bit from the mandatory psych jams a little bit. We also just realised that none of them were written in daylight, which might be why memory is so elusive.”

Die Nachtschichten haben auch im Sound ihre Spuren hinterlassen. Das elektronisch geprägte In Madrid wird äußert sexy. Rushing Through My Mind nimmt sich zurück und lässt so die Magie der Musik von Josefin Öhrn + The Liberation am deutlichsten hervortreten. Circular Motion (mit Nicola Guinta von den Lay Llamas) wird ein Chaos, das gut der Soundtrack zu einem Fiebertraum sein könnte. Und Endless Ocean klingt, als hätten St. Etienne bloß noch die Instrumente von Led Zeppelin zur Verfügung, um die ultimative Shoegaze-Hymne zu schreiben. Wenn einen nachts solche Songs heimsuchen oder ein Gespenst in Gestalt dieser Band, dann darf der Sonnenaufgang sich gerne sehr viel Zeit lassen.

Hatten wir schon „psychedelic“ gesagt? Josefin Öhrn + The Liberation live in Liverpool.

Website von Josefin Öhrn + The Liberation.

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