Hingehört: King Khan & The Shrines – „Idle No More“


Ungestüm und Vintage-Sound vereint "Idle No More".

Ungestüm und Vintage-Sound vereint „Idle No More“.

Künstler King Khan & The Shrines
Album Idle No More
Label Merge
Erscheinungsjahr 2013
Bewertung

Nach allem, was man hört, steht in diesen Tagen die Chance auf eine Kinks-Reunion so gut wie schon seit Jahrzehnten nicht mehr. Sollte es mit einer Versöhnung der Brüder Davies doch (wieder einmal) nichts werden, gibt es trotzdem einen Hoffnungsschimmer für alle Fans: Idle No More, das achte Album von King Khan & The Shrines.

Die Platte klingt, als sei sie mitten im Jahr 1966 aufgenommen, und zwar in einer Dead End Street während eines Waterloo Sunsets. Es gibt einen tollen Vintage-Sound, klasse Melodien, böse Texte und viel jugendliches Ungestüm. „I hope that the future will brighten up every time it is played“, umreißt King Khan seine persönliche Zielsetzung für das Album – das klappt perfekt.

Born To Die macht den Auftakt, mit einem Riff, das sofort nach Aufmerksamkeit verlangt, tollem Groove, viel Wah Wah und sattem Live And Let Die-Arrangement. Bei so viel Stil kann man leicht überhören, dass man es mit einem lupenreinen Antikriegslied zu tun hat. Auch sonst mögen es King Khan & The Shrines gerne politisch: Yes I Can’t, der vielleicht kinksigste Track auf Idle No More, behandelt das Scheitern von Barack Obamas Versuch, die Welt zu verbessern, mit tollen Bass, einem klasse Riff, wilden Bongos und viel Eifer. Bite My Tongue ist ebenso treibend und mitreißend, aber mit seinen feinen Bläsern eher in der Arthur-Phase der Kinks angesiedelt. Das Thema des Songs sind laut King Khan “the unsung heroes who are forced to live under poverty but who have made all the revolutions possible and are being silenced as you read this.”

Klasse Rocksongs als Tarnung für perfide Botschaften – das ist ein höchst kurzweiliges Rezept. Passend zur Live-Performance von King Khan & The Shrines, die sich einen Ruf als „wildest show on earth“ erarbeitet haben, klingt hier jedes einzelne Instrument übermütig, als wolle es Bäume ausreißen.

Thorn In Her Pride beginnt gleich mit einem Bababa-Refrain und behält auch danach viel Schmackes, Luckiest Man lässt an David Bowie in seiner Soul-Phase denken, Better Luck Next Time klingt (inklusive der überzeugend hormonellen Zeile „If I can’t have you now / I’d rather die“) nach einem Klassiker irgendwo zwischen den Buzzcocks und den Monkees, Bad Boy hätten sicher auch die Animals gerne im Repertoire gehabt. I Got Made lässt an die Black Lips denken – kein Wunder: Mit denen betreibt King Khan ein Nebenprojekt namens Almighty Defenders.

Dass King Khan diese Platte, an der die mittlerweile in Berlin residierenden Kanadier sechs Jahre lang gearbeitet haben, eigentlich Of Madness I Dream nennen wollte (dann hat er es aus Solidarität nach Idle No More benannt, einer Bewegung, die sich für die Rechte von Ureinwohnern stark macht), wird ebenfalls deutlich: Darkness beispielsweise ist eine klasse Ballade, mit ungewöhnlicher Kopfstimme und mindestens so atmosphärisch dicht, theatralisch und dramatisch wie ein Bond-Theme. Pray For Lil (mit der wundervollen Gaststimme von Jena Roker) schafft es, Countryfeeling und ein Glockenspiel einzuschmuggeln. Dem sagenhaft intensiven Of Madness I Dream merkt man an, dass man es hier mit einem Mann zu tun hat, der ohne seine Gitarre nicht leben kann.

Ein weiterer Höhepunkt ist So Wild, das dem verstorbenen Jay Reatard gewidmet ist und klingt, als würden Mando Diao ein bisschen Angeberei weglassen und dafür ein bisschen zusätzliche Überzeugung draufpacken. Es ist schon wieder ein Lied, das wie die Quintessenz eines formidablen Soulrocksongs klingt. Und man merkt: King Khan liebt all die hier anklingenden Vorbilder, Posen und Mythen nicht nur. Er lebt sie.

Bela B. ist Gaststar im Video zu Bite My Tongue:

Homepage von King Khan & The Shrines.

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