Hingehört: King Tuff – „Black Moon Spell“


Künstler King Tuff

Energie und Wahnsinn sind wichtige Zutaten für "Black Moon Spell".

Energie und Wahnsinn sind wichtige Zutaten für „Black Moon Spell“.

Album Black Moon Spell
Label Sub Pop
Erscheinungsjahr 2014
Bewertung

„I learned more working at the record store / than I ever did in high school“, singt King Tuff nach gut zwei Dritteln seines dritten Albums in Black Holes In Stereo. Das Lied ist durchgeknallt, inklusive Science-Fiction-Bezügen und altertümlichen Soundeffekten. Es feiert, wie die gesamte Platte, Pop als ein Königreich, in dem sich die Fantasie austoben kann. Es führt zudem ziemlich gut vor Augen, welche Sorte Musik in dem Plattenladen wohl besonders gefragt war, den King Tuff da besingt: Supergrass für die Stimme, T. Rex für den Groove, die Ramones für die Songstruktur, ein bisschen Metal als guilty pleasure. Und es zeigt sogar, wie dieser Laden wohl aussehen muss: kunterbunt, aus allen Nähten platzend und längst nicht mehr brandneu. Genau wie der Sound von King Tuff.

Der Mann aus Vermont, der eigentlich Kyle Thomas heißt und Black Moon Spell gemeinsam mit Produzent Bobby Harlow im Winter 2014 im Studio B in Los Angeles aufgenommen hat, will seine Einflüsse aber am liebsten gar nicht erst sezieren lassen. „Every song on Black Moon Spell was written without giving a shining fuck about nothing“, erklärt er sein Prinzip. Immerhin hat er eine ziemlich klar umrissene Zielgruppe vor Augen: „Punx, Squares, Skaters, Farmers, Bartenders, Grandparents, Stoners, Carpenters, Hobos, Heshers, Babes, Babies, Plumbers, Strippers, Art Teachers, Teenagers, Townies, Moms, Dads, Truck Drivers, and Witches will all love this record.“

Man kann die Reihe gerne noch fortsetzen, denn Black Moon Spell ist ein sehr feines Stück Gitarrenmusik, das nicht nur von seiner Energie lebt, sondern auch von einer augenzwinkernden Besessenheit mit Pop, wie man sie beispielsweise von Art Brut oder This Many Boyfriends kennt. Jeder Song ist sich hier ganz genau der Historie bewusst, auf der er aufbaut – und mit der er spielen kann. Headbanger beispielsweise ist ein entzückend naiver Versuch, richtig männlichen, ursprünglichen Hardrock zu imitieren. I Love You Ugly unterstreicht, dass „einfach“ nicht zwangsläufig „primitiv“ heißen muss, sondern im besten Fall bloß „unmittelbar“ bedeutet. Eyes Of The Muse entwickelt einen großen, psychedelischen Sound wie The Who.

Demon From Hell legt Begeisterung und Energie und Optimismus und Entschlossenheit an den Tag, wie es nur Teenager hinkriegen (oder wie es die Buzzcocks in ihren besten Momenten geschafft haben). Eddie’s Song vereint Bubblegum und Chuck Berry, bietet also in Summe so etwas wie eine sehr coole Variante von Status Quo. „Forever is not very long / so I just keep on singing it in song“, reimt King Tuff einleuchtend dazu. Rainbow’s Run zeigt, dass die Drogen von vor 40 Jahren auch heute noch prima zu funktionieren scheinen.

Die Warnung „Backwards messages may be found on this record“, die King Tuff im Begleittext zu Black Moon Spell von sich gibt, sollte man nicht vorschnell aus Scherz abtun. Denn Songs wie Madness machen deutlich, dass dieses Trio (King Tuff wird unterstützt von Magic Jake am Bass und Garrett Goddard am Schlagzeug) nicht nur plakativ sein kann, sondern sich auch in einen wunderbaren Gonzo-Wahnsinn hineinzusteigern vermag. Der Kracher Sick Mind ist ähnlich gelagert und hat erkannt: Böse Mädchen sind die, die am meisten Spaß machen. Auch der Titelsong vermittelt eine Ahnung davon, mit Fuzz-Gitarre und Drums aus der Garage – das ist Glamrock mit Dreck unter den (golden lackierten) Fingernägeln. Oder, wie King Tuff selber diese Platte höchst treffend umschreibt: „a heavily weird, heavenly dark, hysterically magical Rock & Roll Sexperience.“

Hatte ich schon „Gonzo“ gesagt? Das Video zu Black Moon Spell baut einen Turm zu Babel aus Rock-Klischees.

King Tuff bei Facebook.

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