Le Very – „V“


Künstler Le Very

Cover des Album V von Le Very bei Zukunftsmusik

Mein Tipp: Das „V“ steht für „5“.

Album V
Label Zukunftsmusik
Erscheinungsjahr 2015
Bewertung

V. Das kann natürlich vielerlei bedeuten. Man muss bei Le Very davon ausgehen, dass es für das „Very“ aus dem Bandnamen stehen mag. Es kann vielleicht auch „We“ meinen, so wird es schließlich ausgesprochen, und ihren ungewöhnlichen Zusammenhalt haben Nikolas Tillmann (Gesang & Gitarre), Naemi Simon (Gesang & Keyboard), Milian Vogel (Schlagzeug & Saxophon) sowie die Tänzerinnen Ada Sternberg und Nuria Ranjana stets betont, seit sie Anfang 2014 in einem Studio in Berlin Neukölln zusammengefunden hatten.

Freilich steht V bei den römischen Ziffern auch für die 5, und das ist wahrscheinlich der beste Tipp hinsichtlich der Bedeutung des Albumtitels, nicht nur weil Robert Hak, der für das Artwork zuständig war, eine ziemlich antik wirkende Serifenschrift gewählt hat. Einerseits haben Le Very fünf Mitglieder. Andererseits klingt ihr erster Longplayer nicht wie ein Debütalbum, sondern wie die Platte einer Band, die schon ein beachtliches Oeuvre vorweisen kann – nicht bloß die EP Playground, die sie im vergangenen Jahr kostenlos ins Netz gestellt hatten.

V will dich nicht überrumpeln, begeistern oder umhauen, wie viele andere Debütalben das versuchen. Le Very gehen ganz offensichtlich davon aus, dass du nicht erobert werden musst, sondern schon interessiert und fasziniert bist, also auch bereit, auf die Kleinigkeiten zu achten. Das ist für diese Platte Stärke und Schwäche zugleich.

Im besten Falle kommt ein Track dabei heraus wie Numbers, ein Hohelied auf die Unbeschwertheit des Moments und die darin begründete Fähigkeit, Weitsicht überflüssig zu machen und Widersprüche zu pulverisieren. Oder Palazzo dell amore, das sehr cool, sehr reduziert, sehr entspannt und sehr selbstverständlich daherkommt. Oder Elastic, in dem Le Very das Versprechen, immer da zu sein und alles gut zu machen, in einen sehr kreativen, sommerlichen Sound verpacken.

Im schlechtesten Fall entstehen Songs wie Obvious, langweilig, überambitioniert und selbstverliebt. Auch Charity, das an die Öde während eines James-Blake-Konzerts denken lässt, oder Casa Nostra, das mit seinem geradezu tagesaktuellen Sound und einer Zeile wie „I am young and I’m running free / still lost in possibilities“ eine äußerst geringe Halbwertszeit haben dürfte, fallen in diese Kategorie.

Was man Le Very zugute halten muss ist erstens eine unverkennbare Pop-Sensibilität, die sie beispielsweise schon ins Vorprogramm der Europatour von Zoot Woman gebracht hat. V ist insgesamt deutlich eher Melodie- als Beat-orientiert, was sich auch darin äußert, dass es für eine Quasi-Dance-Platte vergleichsweise viel Text (wenn auch meist rund um die Themen Flirt, Club und Nachtleben) gibt. Ein Song wie Opus 77 könnte Erasure ebenso glücklich machen wie Kylie. In The Myth Of The Blade ist zwar alles elektronisch, aber man erkennt auch den Ansatz eines Storyteller-Songs.

Zweitens beeindruckt der Mut, mit dem die Berliner durch die Genres wühlen, um ihren ganz eigenen Stil zu definieren. „Der Sound von Le Very ist im Grunde wie eine lange Tour – ein wildes, geiles und völlig unkalkulierbares Risiko. Ich hätte vorher nicht mit Bestimmtheit sagen können, wie diese Platte im Endeffekt klingt“, sagt Nikolas Tillmann. Schon der Auftakt Maybe belegt das: Eine akustische Gitarre ist da ebenso enthalten wie Sprechgesang und Techno-Andeutungen. Die Strophe von Hoatzin Is Rising ist Jazz, der Refrain könnte, mit analoger Instrumentierung, ein Soul-Schmachtfetzen sein. In Let It Out darf dann der Bass ins Zentrum; es fehlt nicht viel (genauer: bloß eine E-Gitarre), um daraus einen Rocksong meinetwegen à la Lenny Kravitz zu machen.

Das ist spannend und ungewöhnlich, aber von very good leider noch ein Stück entfernt.

Apropos römische Ziffern: Das Video zu Numbers, gedreht in Italiens Hauptstadt.

Le Very bei Facebook.

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