Lorde – „Pure Heroine“


Künstler Lorde

"Pure Heroine" von Lorde ist kein Debüt, sondern ein Ereignis.

„Pure Heroine“ von Lorde ist kein Debüt, sondern ein Ereignis.

Album Pure Heroine
Label Universal
Erscheinungsjahr 2013
Bewertung

Vor ein paar Tagen ist Ella Yelich-O`Connor 17 Jahre alt geworden. Das wäre schon deshalb eine wichtige Information, weil sie es unter ihrem Künstlernamen Lorde in diesem zarten Alter bereits zu einer Nummer-1-Single und einem Nummer-1-Album in den USA gebracht hat. Noch wichtiger wird diese Altersangabe aber, wenn man Pure Heroine, eben jenes Album, anhört: Kaum jemand hat es in jüngster Zeit vermocht, die Romantik der Teenagerwelt so gekonnt in Musik zu fassen.

„Der Mensch erlebt das, was ihm zukommt, nur in der ersten Jugend in der ganzen Schärfe und Frische, (…) und von dem zehrt er sein Leben lang“, hat Herman Hesse einmal geschrieben, und wie zutreffend diese Analyse ist, bestätigt diese famose Platte. Die Intensität dieser Lebensjahre, das Neue, die Herausforderung, das Versprechen einer niemals endenden Zukunft, all das umgibt Lorde mit einer enormen Spannung, und all das fängt sie unfassbar reizvoll ein.

Ganz oft singt sie in der Wir-Form, und man kann sie dann wahlweise als Kopf einer Clique oder Sprachrohr ihrer Generation betrachten. Manchmal spricht sie direkt ein Gegenüber an, und auch dann kann man sich gut vorstellen, dass da ein Dialog auf dem Schulhof, ein Krach mit den Eltern oder die vertrauliche Ansprache des eigenen Tagebuchs vertont wird.

Bezeichnend dabei ist, wie wenig unbedarft die Musik dazu klingt. Von der ersten Sekunde an ist Lordes Stimme präsent, ganz oft kann sie es sich leisten, auf sonderlich spektakuläre Zutaten zu verzichten und ihre Lieder sogar erstaunlich minimalistisch zu belassen, weil die Kompositionen so stark sind. „It’s a new art form“, singt sie im betörenden Opener Tennis Court – so weit muss man nicht gehen, dennoch ist Pure Heroine nicht bloß ein Debüt, sondern ein Ereignis.

Royals besteht fast nur aus Beat und Gesang, ist aber im höchsten Maße originell und verführerisch und vor allem voller Klasse. Ribs entwickelt eine schöne Beschleunigung, Team beginnt acappella, um dann mit einem irren Beat zu überraschen, A World Alone macht süchtig. Auch White Teeth Teens ist höchst einfallsreich, die Melodieführung, die Schlagzeugwirbel inmitten eines sehr schmucken Beats und die Orgel im Hintergrund sind nur einige Belege dafür.

Selbstverständlich muss man an Lana Del Rey denken, nicht nur wegen der stimmlichen Ähnlichkeit, die beispielsweise in Still Sane anklingt, sondern auch wegen der Entstehungsgeschichte von Pure Heroine: Erfolg im Netz, sehr frühes Interesse von Majorlabels, eine kurze Schaffenskrise, die im Falle von Lorde durch die Unterstützung von Co-Songwriter Joel Little überwunden wurde.

“This record is about waiting for things, and boredom, and over analysis and angst, and all that. But it’s also about bravery, about confidence, hatred and love. I poured my brain and heart into this, and maybe I’ll hate it in two years, because that’s the nature of being my age, but for now it’s the most powerful thing I can give”, schreibt Lorde im Booklet von Pure Heroine. Die Sorge, dass sie von diesen Liedern womöglich peinlich berührt sein wird, wenn sie etwas älter ist, kann man ihr nehmen: Der Blick auf die wichtigen Themen des Heranwachsens, auf das Gefühl von Mangel, Brüchigkeit, Sehnsucht und Aufruhr hat auf dieser Platte nichts Naives. Im Gegenteil: Lorde schafft es, die Authentizität des eigenen Erlebens mit schlauer Reflexion zu verbinden. Angeblich sagen die jungen Leute heutzutage dazu: Lorde ist gediegen. Sie meinen damit „super, cool, lässig“. Und sie haben recht.

Royals offenbart noch eine Parallele zu Lana Del Rey: massenweise YouTube-Klicks.

Homepage von Lorde.

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