Hingehört: Lyla Foy – „Mirrors In The Sky“


Für ihr erstes Album nutzt Lyla Foy ihren eigenen Namen - und den bekannten Wall-Sound.

Für ihr erstes Album nutzt Lyla Foy ihren eigenen Namen – und den bekannten Wall-Sound.

Künstler Lyla Foy
Album Mirrors In The Sky
Label Sub Pop
Erscheinungsjahr 2014
Bewertung

Fußball ist nicht gerade die nahe liegende Assoziation bei Musik wie dieser. Wir reden hier von einem Sound, den Pitchfork treffend umschrieben hat als “the kind of introverted, outdoorsy reverie most commonly associated with acoustic folk”. Und trotzdem gibt es bei Mirrors In The Sky, dem Debütalbum von Lyla Foy, eine wichtige Parallele zum Spiel auf dem grünen Rasen. Dort kommt es wiederholt vor, dass man sich die Lunge aus dem Leib rennt, einen Pass nach dem anderen spielt, sprintet und grätscht – ohne Erfolg. Und dann, wenn nichts mehr zu helfen scheint, schnappt man sich einfach eigensinnig den Ball, pfeift auf die Mitspieler und schießt aufs Tor. Und trifft.

Solch ein Moment war die Initialzündung für die Karriere von Lyla Foy. Die Songwriterin aus London hatte sich mit etlichen Kollaborationen versucht, ohne recht vom Fleck zu kommen. Dann schloss sie sich eine Nacht lang in ihrem Zimmer ein und produzierte einen Song namens No Secrets, den sie schließlich als Wall veröffentlichte. Von da an wurde sie gefeiert, und nun gibt es ihr erstes Album.

Auf dem Trikot steht – um im Bild zu bleiben – jetzt nicht mehr „Wall“, sondern ihr richtiger Name. Sonst hat sich nicht allzu viel geändert: Die Jungs, die sie schon bisher begleitet haben, sind auch hier dabei, nicht nur als Begleitband, sondern auch als Mit-Komponisten. Der Sound ist minimalistisch, und die Themen ihrer stets unbestimmten Texte sind Sehnsucht und Fantasie.

„Als ich anfing, für dieses Projekt Songs zu schreiben, wollte ich, dass der Fokus auf den Melodien liegt, alles aber irgendwie einfach und minimal bleibt“, umschreibt Lyla Foy den Ansatz für Mirrors In The Sky. „Mit viel Bass und einfachen Schlagzeugstrukturen wollte ich etwas Neues ausprobieren.“ Lieder wie I Only mit seinem sehr prominenten und sehr kreativen Bass (von Oli Deakin) oder Easy mit seinem archaischen Rhythmus (von Andy Goodall) lassen diesen Worten auch Taten folgen.

Das Faszinierende an dieser Platte ist, wie viel Bedeutung die 25-Jährige in diese wenigen Töne legen kann. Honeymoon, das erste Lied des Albums, klingt nach Flitterwochen, die etwas verschlafen daher kommen, aber nichtsdestotrotz sehr leidenschaftlich und hoch romantisch. Lyla Foy singt, als habe die gerade zurückliegende Hochzeitsfeier sie mächtig geschlaucht – oder als mache sie sich gerade bewusst, dass die Sache mit „in guten wie in schlechten Tagen“ wirklich ernst gemeint ist.

No Secrets ist spannend und schlau, die Stimme von Lyla Foy lässt dabei an Lykke Li denken. Ein einfacher Beat und ein alter Synthie-Sound machen Only Human sehr verführerisch, Feather Tongue hat einen subtilen Groove, der Schlusspunkt Warning klingt mit seinem gestörten Walzertakt und ein paar Klarinetten zugleich kaputt und filigran. Someday ist eine tolle Ballade, die gut zu Fleetwood Mac oder Chrissie Hynde passen würde, herb und herzzerreißend.

Die Atmosphäre und Harmonien in Rumour erinnern an Neil Youngs Song X, bei Lyla Foy entwickelt sich das allerdings zu einem angedeuteten Countrysong – und zwar der Sorte, die man nach einem ganzen Jahr im Sattel singt, oder in dem Moment, als man aus einer Stadt gejagt wird, in der man gerade eine neue Heimat gefunden zu haben glaubte. Das vielleicht typischste Lied für Mirrors In The Sky ist Track #4: Im Kern ist das ein entspannter Rocksong, nicht spektakulär, aber voller Klasse. Und benannt ist er nach einem Adverb, das im Wortschatz von Lyla Foy anscheinend gar nicht zu existieren scheint: Impossible.

Lyla Foy spielt Only Human (und den Bass) beim Great Escape Festival:

Homepage von Lyla Foy.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.