Hingehört: Madeline Juno – „The Unknown“


Unschuldig, aber nicht unbedarft ist das Debüt von Madeline Juno.

Unschuldig, aber nicht unbedarft ist das Debüt von Madeline Juno.

Künstler Madeline Juno
Album The Unknown
Label Universal
Erscheinungsjahr 2014
Bewertung

„Für mich stand seit ich denken kann immer fest, dass ich Musik machen möchte. Ganz egal wie realistisch oder unrealistisch das ist“, sagt Madeline Juno. Mit musikalischen Eltern („Mein Leben war ein einziger Bandraum“, erinnert sie sich an das Aufwachsen bei einem Schlagzeuger-Vater und einer Pianistin-Mutter) und einem Hobbykeller, in dem sie ungestört ihre ersten musikalischen Gehversuche machen konnte, hatte sie zwar keine ganz schlechten Voraussetzungen. Andererseits dürfte es nicht allzu viele 17-Jährige geben, die es aus einem 1000-Seelen-Dorf im Schwarzwald in den Soundtrack zum Hollywood-Blockbuster Pompeii und zum deutschen ESC-Vorentscheid geschafft haben. Madeline Juno ist das gelungen, und der wichtigste Treibstoff dafür ist ganz offensichtlich genau das Ausmaß an Begeisterung und Entschlossenheit, das aus dem Zitat oben spricht.

The Unknown ist ein Album, das zunächst mit erstaunlicher Souveränität überrascht. Das liegt zum einen sicherlich daran, das Madeline Juno, die sich gerne selbst Maddy nennt, mehr als vier Jahre an diesem Debüt gearbeitet hat. Als 14-Jährige stellte sie erste Songs online, bald darauf gab es reichlich Klicks auf ihre Lieder, die sie meist nur zur Gitarre oder Ukulele vortrug. Zum anderen liegt es daran, dass im Netz auch Dave Roth auf sie aufmerksam wurde. Der Produzent (Tokio Hotel, Patrick Nuo, Die Atzen) fungiert hier bei allen Liedern als Co-Autor und sorgt dafür, dass The Unknown zwar oft unschuldig, aber niemals unbeholfen oder gar unbedarft klingt.

Es gibt einige Lieder wie Feel You oder Do It Again, die man ohne mit der Wimper zu zucken auch Avril Lavigne zuschreiben könnte. Der Titelsong gleich am Beginn von The Unknown ist so ein guter Popsong, dass er (wie etliche Stücke auf diesem Album) gar kein Schlagzeug braucht. Error, das von einem Herzens-Fehltritt handelt, ist ein gutes Beispiel dafür, wie diese Platte funktioniert: Der Song ist konventionell, aber überzeugend, weil das Handwerk exzellent beherrscht wird und der Gesang berührt. Auch Always This Way oder der Schlusspunkt Another You sind vergleichsweise ereignisarm, haben aber etwas zu bieten, das verdammt nach emotionaler Aufrichtigkeit klingt.

Like Lovers Do probt mit Ohoho-Chor und mächtigem Schlagzeug die große Geste, doch Madeline Juno verhebt sich nicht daran, Day One hat eine erstaunliche Kraft und Entschlossenheit, das akustische Same Sky wird sehr souverän, Second Time Around ist so leicht, verspielt, atemlos und kokett wie die besten Momente von Lena. Melancholy Heartbeat weckt gar nicht so schlimme Erinnerungen an HIM, Sympathy vereint ganz viele Ideen und nimmt dabei eine erstaunliche Entwicklung. If This Was A Movie ist optimistisch, eingängig und handgemacht wie The Corrs – also genau der Stoff, den Radiomacher normalerweise unwiderstehlich finden.

Das hat durchaus Charme, ist aber auch nicht immer komplett beglückend. Six Cigarettes bleibt seicht. Vertigo ist prätentiös und effektheischend, das misslungene Gegenstück zu Like Lovers Do. Vor allem aber ist The Unknown drei, vier Lieder zu lang, um wirklich stark zu sein – aber die Materialfülle wird von der Taschengeld-Klientel, auf die das Album abzielt, wohl eher als Pluspunkt gewertet, und ist auch nicht allzu verwunderlich bei Madeline Juno, die neben ihren Songs auch schon drei Romanfragmente (Genre: Fantasy & Horror) geschrieben hat.

Ähnlich wie bei Lorde, wenn auch bei weitem nicht so stilvoll und schlau, werden hier die Themen der Teenagerwelt besungen: Es geht um die Suche nach Bestätigung und Zugehörigkeit, ums Schwärmen und wiederholt auch um das Zweifeln, ob man das alles (die Welt, die Freunde, die Liebe) schon so richtig durchschaut hat. Im Booklet ist Madeline Juno auf einem Foto zu sehen, auf dem sie die Gitarre auf dem Rücken trägt, in einem Wald stehend. Es sieht aus, als würde sie Pfeil und Bogen tragen, als Robin Hood im Kampf für die Aufrechten, und als sei die Gitarre ihre Waffe. Das ist wohl gar nicht so falsch.

Der Albumplayer zu The Unknown.

Homepage von Madeline Juno.

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