Maria Mena – „Weapon In Mind“


Künstler Maria Mena

Maria Mena hat sich mit "Weapon In Mind" neu in ihren Job verliebt.

Maria Mena hat sich mit „Weapon In Mind“ neu in ihren Job verliebt.

Album Weapon In Mind
Label Sony
Erscheinungsjahr 2013
Bewertung

Barfuß und mit einem riesigen Bündel Luftballos in der Hand ist Maria Mena auf der Rückseite des Covers von Weapon In Mind zu sehen, mit geschlossenen Augen und weit ausgebreiteten Armen. Doch von der Leichtigkeit des Seins, die dieses Motiv andeutet, ist bei der Norwegerin auch auf ihrem sechsten Album wenig zu merken, jedenfalls für Pop-Verhältnisse. In den Texten geht es um Selbstfindung, Familienkonflikte, Selbsthauptung – und irgendwo ist dabei fast immer ein kleines Päckchen Schuld versteckt.

“Nach Viktoria hatte ich das Gefühl, mich wieder aus meiner Comfort Zone heraus wagen zu müssen und meine kreativen Grenzen auszuloten”, sagt sie über den Ausgangspunkt für diese Platte, die wie die beiden Vorgänger gemeinsam mit Produzent Martin Sjølie entstanden ist. „Das Ergebnis ist ein Album, dass mir ein Lächeln beschert, das mich selbstbewusst macht, das mich zum Weinen bringt und – das ist das Wichtigste – durch das ich mich wieder von Neuem in meinen Job verliebt habe.”

Man hört Weapon In Mind diesen Enthusiasmus an, wenn auch zunächst in einem negativen Sinne. Denn gerade im ersten Teil des Albums schießt Maria Mena öfter übers Ziel hinaus, findet keine stimmige Struktur für all ihre Ideen. Der Opener Interesting ist so ein Fall. Die Aggressivität des Refrains passt nicht zum Tenor des Liedes, die beinahe willkürlichen Pro-Tools-Experimente passen nicht zur erwachsenen Grundstimmung. Auch die Single Fuck You (ein Lied über die Feigheit von Cybermobbing, zudem ein Nummer-1-Hit in Norwegen) wirkt zusammengestückelt und pseudo-provokativ, All The Love lässt an eine übergeschnappte Ellie Goulding denken, mit viel Theatralik und wenig Stil.

Mit I Always Liked That, dem Lied, aus dem die Zeile mit „weapon in mind“ stammt, kriegt Maria Mena dann aber die Kurve. Das folgende Madness ist endlich ein Song, der ganz aus sich selbst heraus funktioniert. Ab da ist dies eine gute, sehr interessante Pop-Platte. „Ich wollte innovativ denken, alle meine Grenzen über den Haufen werfen, aber gleichzeitig all das beibehalten, was einzigartig an mir ist“, sagt die 27-Jährige, und das gelingt ihr auch.

I Love You Too ist eine sehr putzige Ballade über die Entdeckung, dass Selbsterkenntnis manchmal am besten funktioniert, wenn man einfach auf das hört, was die anderen über einen sagen. You Make Me Feel Good ist eine ebenfalls schlichte Botschaft, aber in einen guten Song verpackt. You’re All Telling Lies vereint Synthiepop-Einfachheit mit Streicher-Grandezza und schafft es, sowohl plakativ als auch feinfühlig zu klingen – der Refrain ist beinahe David Guetta, die Strophe ist beinahe Laura Marling.

I’m Only Human wird verstörend und schön, der Rausschmeißer You Hurt The Ones You Love (I Don’t Believe That) gönnt sich Bombast inklusive eines Streichersolos, lebt aber vor allem davon, dass hier ganz viel Trotz und Stolz drinsteckt. Neben ihrer Stimme, die öfter in die Nähe von Alanis Morissette rückt, ist diese Haltung die Stärke von Maria Mena. Jeder Text auf Weapon In Mind ist ein Bekenntnis, die Platte scheint für sie zugleich Beichte und Therapie zu sein. Und ein bisschen ist sie der Leichtigkeit des Seins damit wohl doch näher gekommen, wenn man ihrem Rückblick auf die Aufnahmen glauben darf: „Ich habe mich bei den Arbeiten an einem Album noch nie so frei und unbeschwert gefühlt.“

So schön können diese Worte klingen: Maria Mena singt Fuck You.

Homepage von Maria Mena.

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