Max Herre – „MTV Unplugged – Kahedi Radio Show“


Künstler Max Herre

Auf der Unplugged-Bühne ist Max Herre sowohl Künstler als auch Conferencier.

Auf der Unplugged-Bühne ist Max Herre sowohl Künstler als auch Conferencier.

Album MTV Unplugged – Kahedi Radio Show
Label Universal
Erscheinungsjahr 2013
Bewertung

Als Radiosendung hat Max Herre seine Unplugged-Session angelegt, mit Fab Five Freddy als offiziellem Moderator. Das Rap-Urgestein aus New York kündigt die Kahedi Radio Show an (lustigerweise aus dem Berliner Funkhaus, was bei ihm wie „funk house“ klingt), stellt zwischendurch ein paar Tracks und Künstler vor und beendet das Ganze dann mit einem dezenten „Hope you liked it.“

Das ist eine schöne Idee, um einerseits eine Riesenportion HipHop-Credibility heranzuschaffen, andererseits eine elegante Brücke zwischen den einzelnen Tracks zu bauen und die Kahedi Radio Show ein stückweit aus dem Kontext des MTV-Unplugged-Auftritts herauszuheben.

Trotzdem muss man eigentlich feststellen: Der eigentliche Moderator dieser Show ist Max Herre selbst. Sein Unplugged-Album zeigt exemplarisch, wie sehr der Mann, dessen erstes erfolgreiches Projekt bezeichnenderweise „Freundeskreis“ hieß und der sich auch als Solokünstler immer als Mitglied eines Kollektivs verstanden hat, zum Bindeglied vieler Strömungen im deutschen HipHop geworden ist. Diese Rolle als Zentralgestirn, Netzwerker und Mentor scheint fast wichtiger zu sein als seine Rolle als Künstler. Gleich zwölf Gaststars (Fab Five Freddy nicht mitgerechnet) gibt es auf MTV Unplugged, dazu ein Orchester mit 22 Musikern. Max Herre ist der Star der Show, aber er fühlt sich in der Rolle als Conferencier mindestens ebenso wohl und überlässt gerne auch Kollegen die Bühne.

Das ist der erste erstaunliche Effekt dieses Albums: Gerade die Vielzahl und Vielfalt der Wegbegleiter unterstreicht, wie groß der Einfluss von Max Herre ist. Der zweite erstaunliche Effekt: Einige dieser Lieder sind mittlerweile gut 15 Jahre alt, aber sie brauchen trotzdem keine Neuerfindung, um aktuell, relevant und gut zu klingen. Die Arrangements auf MTV Unplugged sind durchaus fantasievoll, aber in der Regel keine Neuerfindungen, sondern leichte Anpassungen. Das überrascht vor allem bei Tracks wie A-N-N-A oder Tabula Rasa, die Ende der 1990er Jahre als der perfekte Ausdruck des Deutschrap-Zeitgeists gelten konnten, aber spätestens hier beweisen, dass sie das Zeug zum Klassiker haben.

Esperanto bekommt ein üppiges Afrobeat-Finale verpasst, Rap ist (mit Megaloh und Afrob, den Max Herre im Booklet huldigt: „Kein anderer MC in Deutschland strahlt so viel Attitüde, so viel Energie, so viel Rap aus.“) hat hier tolle Bläser zu bieten, die Unplugged-Variante von Einstürzen Neubauen rockt noch mehr als die Version auf Max Herres letztem Studioalbum Hallo Welt. Gaststar Samy Deluxe ist auch bei Eimsbush bis 0711 noch einmal vertreten. „Auf diesem Ding haben wir unsere langjährige musikalische Freundschaft etabliert, und das wollten wir anlässlich dieses Abends natürlich noch einmal aufleben lassen“, meint Max Herre dazu.

Nur mit Kontrabass und zwei Gitarren interpretiert er Alter Weg, und das schon erwähnte Tabula Rasa („Als hier zum ersten Mal die Streicher eingesetzt haben, war das ein sehr intensiver, sehr bewegender Augenblick für mich“, meint Max Herre. „Plötzlich hat es sich nicht mehr angefühlt, als würde man auf den Beat rappen, sondern in dem Beat.“) gibt es zur Hälfte in der normalen Version, dann zur Hälfte als Remix. Vida beweist gegen Ende der Kahedi Radio Show einmal mehr, dass es einfach ein toller Song ist.

Geist haben die meisten dieser Tracks nach wie vor eher im spirituellen denn im intellektuellen Sinne, aber das stört keineswegs. Mit beiden Füßen (und dem Herzen) im Soul verankert gibt es immer wieder Ausflüge in andere Genres, egal ob Reggae, Funk oder den Singer-Songwriter-Folk von Alter Weg. Auch innerhalb der Songs bietet die Kahedi Radio Show reichlich Abwechslung. Das wunderbare Wolke 7 mit Philipp Poisel (er hat in Stuttgart einst in derselben Straße gewohnt wie Max Herre) bezeichnet der 40-Jährige treffend als „die Blaupause für diese Dynamik zwischen Klein und Groß, die mir bei der gesamten Show so wichtig war“.

Man merkt ihm in jedem Moment dieses Albums an, wie sehr er ihn genießt und wie leicht es ihm fällt, sich in einem solch ehrenhaften Kontext zurückzunehmen. Beinahe meint man, ihn am Ende jedes Tracks selbst klatschen zu hören, nicht für sich selbst oder als Anfeuerung für die Zuschauer, sondern für alle, die im Berliner Funkhaus mit ihm auf der Bühne stehen oder in 20 Karrierejahren irgendwo mit ihm Musik gemacht haben. „Mit diesen Musikern an einem solchen Ort ein solches Konzept zu realisieren; selbst nachzuempfinden, wie in den siebziger Jahren Soul-Musik aufgenommen wurde, hat mich meinen großen Vorbildern aus dieser Ära für einen Abend noch näher gebracht“, schwärmt Max Herre über seinen Unplugged-Auftritt – und man hört tatsächlich, wie viel Wärme, Liebe und Dankbarkeit darin steckt.

Der Albumplayer zu MTV Unplugged – Kahedi Radio Show.

Homepage von Max Herre.

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