Hingehört: My Brightest Diamond – „This Is My Hand“


Künstler My Brightest Diamond

Eingängigkeit mit ungewöhnlichen Mitteln ist das Prinzip bei My Brightest Diamond.

Eingängigkeit mit ungewöhnlichen Mitteln ist das Prinzip bei My Brightest Diamond.

Album This Is My Hand
Label Asthmatic Kitty
Erscheinungsjahr 2014
Bewertung

Die Fähigkeit, zu erkennen, wann etwas sehr Uncooles so uncool ist, dass schon wieder das Potenzial zur Coolness darin steckt – das ist ein großes Talent. Shara Worden, die Songwriterin, Multi-Instrumentalistin und Sängerin hinter My Brightest Diamond, verfügt offensichtlich darüber.

Auf This Is My Hand, ihrem vierten Album, hat sie sich einer ziemlich uncoolen Sache angenommen: dem Sound einer Marschkapelle. Beispielsweise die peinlichen Szenen mit dem Schulorchester in American Pie haben gezeigt, wie bieder und gestrig das Image dieser Art von Musik normalerweise ist, die normalerweise einen seltsamen Mix aus militärischem Drill, Pfadfinder-Outfits und dem Fehlen von Groove pflegt. Doch Shara Worden hat darin etwas anderes erkannt: „In the States, the marching band is done in school and represents something inclusive, that anyone can learn. I love the communal quality and the way drums and horns travel in large, three-dimensional spaces”, sagt sie.

Entsprechend beginnt das Album tatsächlich mit einem Trommelwirbel und einem Schlagzeugsolo, bei dem man gar nicht anders kann als einen Tambourmajor vor sich zu sehen, bevor dann eine komplette Marschkapelle zum Einsatz kommt. Pressure, der Song dazu, ist trotzdem unverkennbar Pop – und genau dieses Prinzip, mit höchst ungewöhnlichen Mitteln eine faszinierende Variante von Eingängigkeit zu erreichen (auf der dieses Album begleitenden EP None More Than You vertont sie unter anderem ein Gedicht von Walt Whitman), zeichnet My Brightest Diamond aus.

“I looked at changes in music over my career, and trying to re-evaluate what it meant to me in the first place”, umschreibt Shara Worden einen weiteren Ansatz für This Is My Hand. Unter anderem hat sie dazu Tabellen erstellt, wie ihre Lieblingslieder aus dem Radio konstruiert sind, und dann versucht, genau dieses Muster nachzuahmen. So wird beispielsweise der Refrain von Lover Killer auf nonchalante Weise funky, Resonance ist zugleich nervös und erhaben, So Easy kommt so zart und intim daher wie einst Bruce Springsteens Secret Garden. Von einem „Perfume of sadness“ singt sie im Rausschmeißer Apparition, und das ist ein schönes Bild für die Atmosphäre, die hier herrscht und in der die schicke Melancholie von Goldfrapp ebenso zu finden sind wie das Exaltierte von Austra.

Viele Lieder auf This Is My Hand, produziert von Zac Rae und Shara Worden selbst, arbeiten mit melodiösen Figuren, die zu kreisen scheinen, und warten mit einem exzellenten Bass auf. Eine sehr markante E-Gitarre (Shape) lässt sich aber ebenso in diesen Sound integrieren wie ein beinahe maschineller 2/4-Takt (I Am Not The Bad Guy). Der Titelsong arbeitet mit Aufzählungen: „This is my shape / this is my form / this is my age / this is my frame / this is my mind“, beginnt eine Strophe, und so geht es immer weiter. Dank Wordens eindringlicher Stimme wäre das für sich genommen schon spannend, aber natürlich gibt es auch hier viele musikalische Abenteuer rundherum, inklusive der Bläser, Flöten und Trompeten aus der Marschkapelle – auch wenn es in diesem Lied klingt, als hätte die sich in einem ziemlich spukigen Nebel verlaufen.

My Brightest Diamond spielt Lover Killer live:

Homepage von My Brightest Diamond.

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