Hingehört: Nothing But Thieves – „Nothing But Thieves“


Künstler Nothing But Thieves

Nothing But Thieves Rezension Kritik Album

Wer Radio und Rock mag, wird Nothing But Thieves ins Herz schließen.

Album Nothing But Thieves
Label Sony
Erscheinungsjahr 2016
Bewertung

”Ban all the music, it’s all gone wrong“, fordern Nothing But Thieves im zweiten Lied ihres Debütalbums. Wahrscheinlich meinen sie damit die Musik aller anderen Bands. Denn ihre Platte scheint die meisten davon überflüssig machen zu wollen: Das Quintett aus England vereint in seinem Sound quasi alles, was massenkompatible Gitarrenmusik gerade zu bieten hat.

Das Riff in besagtem Song, Ban All The Music, könnte von den Red Hot Chili Peppers stammen, der Gesang findet irgendwo zwischen Muse und The Darkness sein Zuhause. Im vorangehenden Excuse Me passt die Strophe zu Radiohead, der Refrain zu den Killers. Wake Up Call ist schamlos kurzweilig, Trip Switch hat einen sehr guten Refrain, der fast ein wenig an Wirkung verliert, weil es davor schon so viele andere davon auf dieser Platte gab.

Originell ist das natürlich in keiner Weise, und dass die 2012 gegründete Band vor allem im Radio viele Freunde gewonnen hat, verwundert nicht. Conor Mason (Gesang), Joe Langridge-Brown (Gitarre), Dominic Craik (Gitarre, Keyboards), James Price (Schlagzeug) und Philip Blake (Bass) vereinen viele vertraute Elemente, die sie sehr gut beherrschen – das macht ihre Musik effektiv, aber auch kalkuliert. Theatralisch reicht bei Nothing But Thieves nicht, es muss pompös sein. Plakativ reicht nicht, es muss todsicher sein. Textzeilen reichen nicht, es müssen Slogans sein. Kraftvoll reicht nicht, es muss monströs sein.

Dazu passt, dass es auf dieser Platte ein paar Ausrutscher gibt (Hanging, einer von vier Zusatz-Tracks auf der Deluxe-Edition, holt plötzlich Stiltskin zurück aus dem Grab) und einige Songs, die wie Hostage nicht über den Status als Füllermaterial hinauskommen. Dazu passt auch die Entstehungsgeschichte der Platte. „Alles klang gleich“, sagt Gitarrist Dominic Craik über den ersten Versuch, ein Album hinzubekommen, den die Band in seiner Garage hinter sich brachte, „es war ein einziger Mist“.

Dann, ähnlich wie man das bei George Ezra gemacht hatte, schickte das Management der Band die Jungs auf Reisen, um Ideen zu sammeln und sich mit Produzenten und Songschreibern zu treffen. „Wir dachten nur: Wir machen alles, was uns aus dieser Garage rausbringt und uns neue Erlebnisse bringt. Weil wir echt nicht mehr weiter kamen beim Schreiben“, erzählt Dominic Craik. „Also verbrachten wir ein paar Monate in den USA, erst in LA, dann einige Wochen in Nashville, dann New York. Und als wir zurückkamen, hatten wir einen Haufen Songs geschrieben.“

Wie professionell und kommerziell ambitioniert das ist, hört man unter anderem Six Billion an, in dem selbst die vermeintliche Nachlässigkeit genau berechnet ist. Es gibt bei Nothing But Thieves aber glücklicherweise auch Momente, in denen sie aus dem Nummer-Sicher-Radiorock ausbrechen. Painkiller gehört dazu, ein Highlight mit Feuer und Finesse, das in jedem Zeitalter der Menschheitsgeschichte ein Hit geworden wäre. Das vergleichsweise unspektakuläre Drawing Pins glänzt mit klugen Details, im letzten Song der Platte, Tempt You, können die Jungs dann sogar beinahe subtil sein, was man zu diesem Zeitpunkt wirklich nicht mehr erwartet hätte.

Dass man dieses Album nicht zwangsläufig ekelhaft konfektioniert finden muss, ist einerseits dem Gesang von Conor Mason zu verdanken. Seine Stimme hat das Potenzial, für echtes Gefühl, ein bisschen Magie und das gewisse Etwas zu sorgen. Andererseits machen Nothing But Thieves hier tatsächlich den Eindruck von Überzeugungstätern: Die Liebe zur Musik ist bei ihnen wohl tatsächlich noch größer als der Wille zum Erfolg.

Das Video zu Wake Up Call scheint irgendetwas über die Antike erzählen zu wollen.

Website von Nothing But Thieves.

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