Hingehört: NZCA Lines – „Infinite Summer“


Künstler NZCA Lines

Cover des Albums Infinite Summer von NZCA Lines

In einer imaginären Stadt spielt sich „Infinite Summer“ ab.

Album Infinite Summer
Label Memphis Industries
Erscheinungsjahr 2016
Bewertung

Charlotte Hatherley war die Frau an der Gitarre bei Ash, später hat sie unter anderem die Musik von Bat For Lashes mit ihrer Saitenkunst bereichert. Jetzt verstärkt sie, pünktlich zum am Freitag erscheinenden zweiten Album, NZCA Lines. Infinite Summer heißt die Platte – ein Titel, den man sich auch für ein Album von Ash sehr gut hätte vorstellen können. Doch vom gitarrengetriebenen Powerpop des nordirischen (seit ihrem Ausstieg wieder) Trios sind NZCA Lines sehr weit entfernt. Wie diese Band klingt, deuten viel besser die früheren Aktivitäten der anderen beiden Mitglieder an. Frontmann Michael Lovett, der das erste Album von NZCA Lines noch im Alleingang herausgebracht hatte, war unter anderem als Mitglied der Liveband von Metronomy im Einsatz. Sarah Jones musizierte gemeinsam mit Hot Chip. Auf dem Menü steht also: intelligente elektronische Musik mit Freude am Pop und dem Willen zum Besonderen.

Das verdeutlicht etwa Persephone Dreams, ein Lied über das sehnsuchtsvolle Warten während einer Fernbeziehung, das verträumt und doch tanzbar wird, mit großer Liebe zu vielen Synthie-Schichten und ausgefallenen Percussions. Infinite Summer klingt genauso unbeschwert wie der Titel das vermuten lässt, was unter anderem daran liegt, dass einfach die Bassline von Bill Withers‘ A Lovely Day übernommen wird. Auch der Album-Schlusspunkt The World You Have Made For Us zeigt sehr schön die Fantasie und Eleganz, die in dieser Platte steckt.

Immerhin eine Parallele zu Ash dürfte auch Charlotte Hatherley, die neuerdings meistens an den Tasteninstrumenten aktiv ist, aber doch noch vorfinden: die Vorliebe für Science Fiction. Denn wir haben es bei Infinite Dreams mit einem Konzeptalbum über die imaginäre Stadt “Cairo-Athens” zu tun. Michael Lovett erklärt die Idee dahinter: “The album is based around the idea of a far-future Earth, where the sun has expanded to the size of a red giant and our extinction is imminent. Half of the world is covered by a city that clings to the past and embraces its destruction, whilst the other half is trying to rebuild, create and make something new. Yet, it’s good on both sides because it’s warm everywhere and people just party most of the time.”

Überambitioniert kann man das noch zum Auftakt in Approach finden, das besser Ouverture heißen sollte, denn es gibt eine französisch gesprochene Einführung ins Thema, dazu Streicher und Bläser. Auch in New Atmosphere, das mit Lovetts Heliumstimme und viel Eighties-Popanz etwas beliebig wird, leidet eher unter dem Konzept von Infinite Summer als dass es davon profitieren würde. Ansonsten funktioniert die Platte aber gut, dank gelungener Melodien und der nötigen Selbstdisziplin, die den utopischen Überbau nie wichtiger nimmt als die Songs an sich. Infinite Summer ist eines dieser Konzeptalben, die auch ohne Kenntnis des Konzepts bestens funktionieren.

Manchmal wird das wunderbar einschmeichelnd wie bei Chemical Is Obvious, einige Momente sind vergleichsweise experimentell (Sunlight), anderes hat richtig Punch (How Long Does It Take) oder beweist ein mitreißendes Maß an Energie und sogar Ungeduld (Two Hearts). Wie gut die Stimmen von Michael Lovett und Charlotte Hatherley harmonieren, beweist unter anderem Jessica. Und wenn kurz vor Schluss der Platte Dark Horizon erklingt, wird deutlich, dass es in „Cairo-Athens“ doch nicht nur Dauerparty gibt, sondern zumindest auch ein paar Leute, die ab und zu traurig sind. „I feel like time is running out for us“, heißt die Zeile, die sie dann singen – nimmt man das hier gezeigte Level an Kreativität zum Maßstab, müssen sich NZCA diesbezüglich auf absehbare Zeit keine Sorgen machen.

Ziemlich steinig sieht Cairo-Athens aus: das Video zu New Atmosphere.

Website von NZCA Lines.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.