Outfit – „Slowness“


Künstler Outfit

Cover des Albums Slowness von Outfit

Zwischen Liverpool, London und New York entstand das zweite Album von Outfit.

Album Slowness
Label Memphis Industries
Erscheinungsjahr 2015
Bewertung

Man muss sich dann doch erstmal schütteln. New Air, der erste Song auf diesem Album, ist über weite Strecken instrumental, doch dann kommt der Schock. Sänger Andrew PM Hunt macht den Mund auf und man erkennt voller Horror: Das klingt wie Wet Wet Wet! Outfit erlauben sich damit keineswegs einen Scherz zum Auftakt. Auch der Rest ihres zweiten Albums Slowness klingt so. Die fünf Jungs aus Liverpool werfen damit vor allem zwei Fragen auf: Wann zur Hölle wurde das Comeback eines so beschissenen Genres wie Blue Eyed Soul beschlossen? Und sind Hurts (auch) daran schuld?

Die Parallelen sind erschreckend. Im Titelsong Slowness kann man nicht anders, als Jungs in Make-Up mit schmalen Krawatten, breiten Schulterpolstern und Fönfrisuren vor sich zu sehen. Smart Thing klingt, als hätten The Beautiful South mal Lust auf ein Tänzchen gehabt. Boy gleicht einer B-Seite von Spandau Ballet (inklusive Saxofon-Solo), während im Hintergrund ein C64 kaputt geht. Nichts gegen die Achtziger, aber so viel Epigonentum und Oberflächlichkeit möchte man sich auch nicht von einer Band gefallen lassen, die Outfit heißt, und ihrem 2013 erschienenen Debütalbum schon den ebenfalls nicht allzu tiefgründigen Namen Performance gegeben hatte.

On The Water, On The Way ist ein typischer Fall für dieses zwischen New York, London und Liverpool entstandene Album: Das Schlagzeug will unbedingt nach vorne preschen, das Keyboard und der Bass wollen das vielleicht, der Gesang will es auf keinen Fall. Dazu gibt es Gitarren, die offensichtlich nicht einmal vorne und hinten unterscheiden können. Happy Birthday klingt wie Ben Folds in steril, und bringt dann auch endlich den bei diesem Genre obligatorischen Slap Bass zum Einsatz. Genderless will wohl Talk Talk nacheifern, bleibt aber einfach nur wirr, in Framed ist immerhin die Strophe gut, der Refrain aber geradezu lustlos.

Im Album-Schlusspunkt Swam Out ist alles ambitioniert, aber nichts wirklich durchdacht. Auch Cold Light Home zeigt das Problem von Outfit: Jeder musiziert halbwegs gekonnt vor sich hin, aber nichts davon hat auch nur einen Hauch von Gemeinschaft – und die Lieder, die dabei entstehen, haben keinen Kern, keine Identität. Oft ist das so hohl, dass man versucht sein könnte, seine Abneigung gegen die durchaus geistesverwandten Sizarr noch einmal zu überdenken. Vielleicht das Ärgerlichste an Slowness: In praktisch jedem Song gibt es seltsame Kontrapunkte und Hintergrundgeräusche, die weder zur Spannung noch zur Relevanz beitragen, aber dafür sorgen, dass die in vielerlei Hinsicht gefällige Musik von Outfit nicht einmal schön ist.

Seltsame Substanzen bahnen sich den Weg durch das Video von New Air.

Homepage von Outfit.

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