Hingehört: Peter Matthew Bauer – „Liberation!“


Religion hat sich Peter Matthew Bauer als Thema für sein erstes Soloalbum ausgesucht.

Religion hat sich Peter Matthew Bauer als Thema für sein erstes Soloalbum ausgesucht.

Künstler Peter Matthew Bauer
Album Liberation!
Label Memphis Industries
Erscheinungsjahr 2014
Bewertung

I Was Born In An Ashram heißt das erste Lied auf Liberation!, dem ersten Soloalbum von Peter Matthew Bauer. Es wäre ein höchst seltsamer Name für einen Song, wenn er nicht der Wahrheit entspräche: Der ehemalige The Walkmen-Mann ist tatsächlich in einem Ashram in der Nähe von New York aufgewachsen; Spiritualität, Mythologie und Religion waren in seiner Kindheit allgegenwärtig. Dass auf Liberation! später noch von Shiva, Wahrsagern und sogar Scientology die Rede ist, sollte also ebenfalls nicht verwundern.

“Liberation, as the idea of the record, relates to belief in its various incarnations”, umschreibt Peter Matthew Bauer sein Thema. “In a way I’m trying to poke fun at it; this Western idea of heaven, this Eastern idea that it will take a hundred lifetimes, or a thousand lifetimes to get somewhere better. You can be mad about these things, but you can also arrive at some sort of strange, joyful experience right now without believing anything.”

Passend dazu hat Liberation! eine Atmosphäre von Gemeinschaft, von Willkommen und Versöhnung. Der schon erwähnte Auftakt I Was Born In An Ashram klingt tatsächlich wie der Mitschnitt einer spontanen Hippie-Glaubensfeier, mit akustischer Gitarre, ein bisschen Percussions und am Ende einem Chor, der sich zur Selbstreinigung aufruft: „Let’s leave it behind.“

Beinahe improvisiert wirkt auch Philadelphia Raga, mit einem dezenten Beat und einem Gesang wie aus großer Entfernung. In Philadelphia (ja: auch im Namen der Stadt steckt der Glaube) wurde das Album übrigens auch aufgenommen, die ehemaligen Walkmen-Mitglieder Hamilton Leithauser und Matt Barrick (“We’re all friends, but it was time to call it a day”, sagt Bauer über das Ende der Band) waren in verschiedenen Rollen beteiligt.

Noch deutlichere Spuren haben aber zwei nur im Geiste Anwesende auf dieser Platte hinterlassen: Im Titelsong mit seinen wilden Trommeln und etwas Latin-Feeling singt Bauer wie Elvis Costello, auch in Shaved Heads And Pony Tails tritt diese Parallele hervor. Rau, intensiv und nölig ist dieses Lied, und mittendrin schlägt Bauer dem Hörer die Worte „You’re just a shadow of yourself“ um die Ohren.

Der zweite, um im Bilde zu bleiben, Säulenheilige für diese Platte ist Tom Petty. Irish Wake In Varanasi, kraftvoll, lebendig und gitarrenverliebt im besten Sinne des Wortes, würde perfekt in dessen Oeuvre passen. Auch auf die erste Single Latin American Ficciones trifft das zu: Das Schlagzeug halt sich zurück, aber die Gitarre ist krachig und der Gesang ist feurig wie Tom Petty am Rande eines Nervenzusammenbruchs.

Eine New-Order-Gitarre hat sich in Scientology Airplane Conversations hineingeschlichen, irgendwo zwischen dem Pathos von U2 und der Bodenständigkeit Bruce Springsteens rangiert Fortune Tellers. Beinahe gebremst, mit einer stoischen Orgel und um eine Bass-Figur herum aufgebaut kommt Shiva The Destroyer daher. Ganz am Ende zeigt Peter Matthew Bauer in You Are The Chapel noch einmal seine ganze Klasse. Der beste Referenzpunkt für dieses Lied ist Bob Dylan, nicht nur was den Gesang angeht, sondern auch, weil der Künstler sich wagt, die ganz großen Themen anzugehen. Er besingt mal eben „the mystery of everything“ – ein feiner Schlusspunkt für ein Album, das Peter Matthew Bauer dem Himmel womöglich ein Stück näher bringt.

Im Video zu Latin American Ficciones singt Peter Matthew Bauer im Duett mit seinem eigenen Schatten.

Homepage von Peter Matthew Bauer.

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