Hingehört: Phox – „Phox“


Künstler Phox

Aus der Provinz von Wisconsin dürften es Phox schnell in eine Menge Herzen schaffen.

Aus der Provinz von Wisconsin dürften es Phox schnell in eine Menge Herzen schaffen.

Album Phox
Label Partisan Records
Erscheinungsjahr 2014
Bewertung

Es muss ein Vergnügen sein, für eine Band wie Phox als Produzent arbeiten zu dürfen. Als wäre man ein Innenausstatter und dürfte ein Haus einrichten, das architektonisch vollendet, in einer wunderschönen Landschaft erbaut und mit supernetten Bewohnern besiedelt ist. Brian Joseph (Bon Iver, The Fray) hatte dieses Vergnügen, und er versieht das Debütalbum des Sextetts aus Wisconsin mit genau den magischen Tupfern, die aus einem sehr guten Album ein ganz besonderes machen: Flöten, Klarinetten, Banjos, E-Gitarren, Geigen und Trompeten gibt es auf dieser Platte, minimale Dosen von Jazz und fein verschleierte Girlgroup-Referenzen. Trotzdem klingt Phox in keinem Moment prahlerisch, sondern immer selbstverständlich.

Satyr And The Faun belegt diesen Effekt, es klingt nach schlichter Schönheit, obwohl es hoch komplex ist. Kingfisher ist – im besten Sinne – ein Abenteuer. Shrinking Violets lässt an eine hoch moderne Ausgabe von Simon & Garfunkel denken, denn Phox beweisen in gleicher Weise melodische Finesse und musikalische Fantasie. Raspberry Seed schafft es, ein filigranes Streicher-Arrangement und Western-Atmosphäre zu integrieren, Evil lässt in seiner sinnlichen Spontaneität und dem Verzicht auf Genre-Konventionen an Zaz denken.

Dass hier alles wie aus einem Guss klingt, liegt sicher nicht nur am Produzenten, der mit Phox für die Aufnahmen zu diesem Album übrigens ins Studio von Justin Vernon zog. Es liegt auch an der Entstehungsgeschichte der Band. „Phox sind einfach ein paar Freunde aus der Kleinstadt Baraboo im mittleren Westen der USA. Ein Ort, wo die Kids oft schmutziges Grundwasser trinken, so dass sie zu Mutanten werden. Unsere Musik streift auf der einen Seite Feist, auf der anderen Monthy Python“, umschreiben die Mitglieder ihren Sound. Monica Martin, Jason Krunnfusz, Matthew Holmen, Zach Johnston, Matteo Roberts und Davey Robert waren schon lange befreundet, als sie allesamt die Provinz verließen, um ihr Glück anderswo zu suchen. Als sie es nicht fanden, kehrten sie zurück nach Baraboo, zogen gemeinsam in ein Haus und begannen, Songs zu schreiben.

Zwei besondere Trümpfe haben Phox neben der Geschlossenheit ihres Sounds dabei im Ärmel. Der erste ist ihre Fähigkeit, dieser im Grundton melancholischen Platte immer im richtigen Moment den nötigen Drive zu verleihen. Der zweite ist die Stimme von Frontfrau Monica Martin. In Laura kommen beide Stärken in gleicher Weise zur Geltung: Man weiß nicht, ob man diesen Gesang „süß“ oder „herb“ nennen soll, der Song wirkt im Prinzip reduziert, in manchen Passagen aber auch episch. Auch 1936 ist betörend gesungen und voller Spielfreude, Leisure wird traumhaft, der akustische Schlusspunkt In Due Time eine sanfte Brise.

Calico Man, das den Auftakt zu Phox macht, klingt genauso untröstlich, wie ein Lied klingen muss, das mit den Worten „I might never love again“ aufhört. Am anderen Ende des Stimmungsspektrums steht Slow Motion mit beachtlicher Heiterkeit und Spaß am Rhythmus. Die Art und Weise, wie eine beachtliche Opulenz mit einem einfachen, warmen Grundgefühl harmoniert, lässt nicht nur ein bisschen an Boy denken. Und dann ist da noch Noble Heart, ein erhabener Höhepunkt, der die Kraft und Magie dieses Albums auf den Punkt bringt: Es ist ein Lied, das dich in den Arm nimmt.

Applaus! Phox spielen Slow Motion live.

Homepage von Phox.

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