Hingehört: Pure Bathing Culture – „Moon Tides“


"Moon Tides" ist spirituell, aber kein Soundtrack für Astro-TV.

„Moon Tides“ ist spirituell, aber kein Soundtrack für Astro-TV.

Künstler Pure Bathing Culture
Album Moon Tides
Label Memphis Industries
Erscheinungsjahr 2013
Bewertung

Mystik, Religion, Esoterik – Pure Bathing Culture sind große Freunde von all dem. “New age symbolism and pretty much anything that has to do with humans making sense of why we’re all here is deep, deep muse for us. It’s a spiritual journey for us, this band”, sagt Sarah Vesprille, die als Keyboarderin und Sängerin einen Teil des Duos ausmacht. Gitarrist Daniel Hindman ist die andere Hälfte, beide haben vorher bei Vetiver gespielt und legen nach einer EP nun mit Moon Tides ihr Debütalbum vor. Auch der Titel passt zu ihren Vorlieben: „We are deeply inspired by the relationship between the moon and the tides. Particularly in the sense that the tides and the ocean are comprised of water and the element water is often associated with human emotion.”

Vor diesem Hintergrund ist es beinahe ein Wunder, wie lebendig, konkret und fassbar Moon Tides geworden ist. Den neun Liedern wohnt zweifellos etwas Geheimnisvolles inne, etwas, das wie geträumt oder nicht von dieser Welt wirkt. Aber niemals werden die Songs von Pure Bathing Culture spinnert oder gar zum Soundtrack für Astro-TV. Es gibt einen mitunter sehr satten Bass (Seven 2 One), sogar dezent Tanzbares (Only Lonely Lovers, das mit seinem seltsamen Beat und der eisigen Orgel im Hintergrund einst sicher auch Buddy Holly gefallen hätte), und dazu ganz viel Hall und Reverb (Twins, das beinahe glauben lässt, Chris Isaak hätte sich einer Geschlechtsumwandlung unterzogen). Das wunderbare Evergreener klingt nach Sommer, goldenen Stränden und einer leichten Brise.

Das Rezept von Moon Tides ist schon nach dem ersten Track bekannt: Pendulum setzt auf einen prähistorischen Drumcomputer, Eighties-Gitarren, die an Prefab Sprout oder die Cocteau Twins denken lassen, die betörende Stimme von Sarah Vesprille und vor allem auf eine Melodie, die so schön ist, dass der Bass sogleich in sie einstimmt. Dream The Dare funktioniert gleich danach genauso, rückt ein bisschen mehr in die Nähe von Saint Etienne und dann im Refrain gar in Richtung Wilson Phillips, mit seiner schönen Melancholie und der Entschlossenheit, unbedingt schön zu sein.

„They merge lushed out melodies and lo fi sensibilities with finesse“, hat der NME zutreffend über das Duo geschrieben, das eigentlich aus Brooklyn kommt, sich dann aber 2011 auf den Weg nach Portland machte. Sehr mellow und voll und ganz selbstverständlich klingt diese Platte, und daran hat Produzent Richard Swift (Keyboarder bei The Shins) einen gehörigen Anteil. “He has this magical intuition,” sagt Daniel Hindman. “Pretty much all tracks are all first or very early takes. Richard is kind of a stickler about this, and I don’t actually go in with a clean, pristine idea of what I’m going to play, so there’s a lot of improvisation.”

Swift betreute schon die EP im vergangenen Jahr und hat Pure Bathing Culture auch diesmal ermutigt, die Sounds einzusetzen, die sie selbst zunächst zweifelhaft oder sogar peinlich fanden. Scotty wird so noch ein bisschen entspannter als der Rest des Albums, am Ende gibt es überraschenderweise einen todschicken Chor à la TLC oder En Vogue. Golden Girl klingt, als hätte jemand eine Phil-Collins-Ballade in einen Kessel voller Coolness getunkt. Und der Rausschmeißer Temples Of The Moon beginnt gar mit den Gitarrentönen von Sunglasses At Night, dem 1983er Hit von Corey Hart. Dazu kommen dann später in diesem Track noch Versprilles sirenenhafter Gesang und ein – jetzt muss es endlich gesagt werden – rätselhaftes Pulsieren, das dann doch ein ganz kleines bisschen mystisch ist.

Nicht ganz von dieser Welt ist auch diese Performance von Golden Girl:

Homepage von Pure Bathing Culture.

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