Hingehört: Rob Lynch – „Baby, I’m A Runaway“


Künstler Rob Lynch

Baby, I'm A Runaway Rob Lynch Rezension Kritik

Die Band von Rob Lynch hat auf „Baby, I’m A Runaway“ größeren Einfluss.

Album Baby, I’m A Runaway
Label Grand Hotel van Cleef
Erscheinungsjahr 2016
Bewertung

Es ist ein bisschen bequem, aus dem Presse-Info zu einer neuen Platte zu zitieren. Es wirkt, als würde ein Politikjournalist einfach die Inhalte aus der Wahlkampfbroschüre übernehmen oder als würde die Verbraucherzentrale bloß die Werbeslogans zu einem Produkt wiedergeben. Beim zweiten Album von Rob Lynch bietet es sich trotzdem an. Denn im Presse-Info wird Baby, I’m A Runaway als „von melancholischem Optimismus getriebener Pubrock“ bezeichnet, und eine viel treffendere Beschreibung ist kaum möglich.

Schon der erste Song Prove It! beweist das. Das Stück ist nicht euphorisch, aber zuversichtlich und entschlossen. „I came here for a good time“, heißt die letzte Zeile, und das erweist sich dann als Motto für die weiteren neun Lieder. Es folgen Songs wie Selfish Bones: Man kann dazu wunderbar mit dem Kopf nicken, während man ein Bier in der Hand hält. Mit dem Fuß wippen, während man an der Theke lehnt. Sogar schunkeln, wenn man es denn darauf anlegt. Good For Me bietet vergleichsweise viel Tempo und wird durchaus tanzbar. Salt Spring klingt wie Weezer im Romantik-Modus, Tectonic Plates bietet nur Gesang und akustische Gitarre, mit einer sehr originellen Akkordfolge.

„Ich habe mir die Songs angehört, die ich in meiner Teenagerzeit tagelang auf Repeat gehört habe. 90er College-Rock, Pop-Punk, Grunge, der Pop aus dem Radio. Das war nicht alles ‚cooler Kram‘. Ich meine, Hanson sind sicher keine kredible Referenz, aber was soll ich tun? Da gibt es Songs, die packen mich heute, mehr als zehn Jahre später, noch genau wie früher. Deshalb habe ich versucht Songs zu schreiben, die dieses Feeling auch für andere erschaffen können“, sagt Rob Lynch über seine Zielsetzung. In Sure Thing kann man wirklich etwas Mmmbop heraushören. In Runaway klingen Bon Jovi nicht nur im Songtitel an, auch von Bryan Adams oder TV Smith könnte dieses Lied stammen.

Das zeigt schon: Rob Lynch, der aus Stamford stammt und mit seinem Debütalbum All These Nights In Bars Will Somehow Save My Soul etwa im Vorprogramm von Thees Uhlmann unterwegs war, macht hochgradig altmodische Musik. Erstaunlicherweise wird sie durch die vergleichsweise zurückhaltende Produktion von Sam Duckworth (alias Get Cape. Wear Cape. Fly) und das dezente Mastering von Robin Schmidt ein wenig moderner, denn Baby, I’m A Runaway klingt nie nach Bombast oder Stadionrock, sondern hat in etlichen Momenten eher einen Demo-Charakter. Auch die etwas dünne Stimme von Rob Lynch verstärkt den Charakter eines Überzeugungstäters, eines Mannes, der seine Kunst arbeitet.

Neu auf dem heute erscheinenden Baby, I’m A Runaway ist, dass seine Band sich stärker eingebracht hat, seine drei Mitstreiter bekommen auch Autoren-Credits. Kings & Queens illustriert gut, welche Effekt das hat: Das Arrangement profitiert vom Zusammenspiel der Band, vom Wissen, was jeder Einzelne dabei für den Song beitragen kann. Auch die Inhalte haben sich weiterentwickelt, das wichtigste Thema des Albums ist das Erwachsenwerden wie in der Ballade Youth. Dazu gehört der Zweifel, ob man bisher in seinem Leben vielleicht unter seinen Möglichkeiten geblieben ist, auch die Reue, vielleicht ein paar wichtige Dinge falsch gemacht zu haben. Auch das passt zu den sehr klassischen Stärken dieser Platte: gute Melodien, gekonntes Songwriting, ganz viel Herzblut.

Fitness à la Rob Lynch: das Video zu Prove It.

Rob Lynch bei Facebook.

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