Hingehört: Rolling Blackouts Coastal Fever – „The French Press“


Künstler Rolling Blackouts Coastal Fever

The French Press Rolling Blackouts Coastal Fever EP Kritik Rezension

„The French Press“ ist die zweite EP der Band aus Melbourne.

EP The French Press
Label Sub Pop
Erscheinungsjahr 2017
Bewertung

Vielleicht ist es die Entstehungsgeschichte von Rolling Blackouts Coastal Fever, die den Sound dieser Band so besonders macht. Am Anfang stand Sänger und Gitarrist Fran Keaney und hatte ein paar Songs. Dann holte er mehr und mehr Leute dazu, seine ursprünglich eher ruhigen Lieder wurden immer kraftvoller. Und die neuen Mitglieder der Band aus Melbourne waren auch nicht irgendwelche Fremden. Sein Cousin Joe White, dazu die Brüder Tom und Joe Russo sowie Schlagzeuger Marcel Tussie komplettieren das Lineup.

Aus der Tatsache, dass sie die Lust am Lärm vor allem während ihrer Konzerte entwickelten, und dass sie sich, bedingt durch die Familienbande, bereits ewig kennen, sorgt für eine ganz spezielle Dynamik und Intimität, die schon die gefeierte Debüt-EP Talk Tight (2016) geprägt hatte. Unter anderem war Pitchfork begeistert vom „undercurrent of melancholy that motivates every note.” Ein Lied wie Colours Run auf der gerade erschienenen EP French Press zeigt, wie das funktioniert: Es gibt reichlich Ungeduld, gepaart mit einem Schleier aus Betrübnis à la The Cure.

Auch Fountain Of Good Fortune, das im Text den Hang zur unangemessenen Selbstzufriedenheit ins Visier nimmt, vereint scheinbare Gegensätze: Der Song ist entspannt und gelassen, entwickelt am Ende aber trotzdem eine große Unbedingtheit. Dig Up ist etwas eleganter als der Rest der EP, aber auch hier versucht der sehr wuchtige Beat, das zu kaschieren.

Natürlich beherrschen Rolling Blackouts Coastal Fever auch das Eindeutige: Sick Bug ist so ursprüngliche Rockmusik, dass man sie sich gut von Tom Petty oder Neil Young vorstellen könnte. Dazu passt auch das recht simple Bekenntnis „I want you“, das im Zentrum steht. Die Single Julie’s Place besingt die Verliebtheit, die sich ihrer eigenen Idiotie bewusst ist und trotzdem bestehen bleibt, dazu gibt es eine sehr hübsche Gitarrenmelodie, die an Two Door Cinema Club denken lässt, und eine Atmosphäre, die sich Euphorie zumindest vorstellen kann.

Der Titelsong French Press thematisiert auf sehr clevere Weise das Gefühl von Reisen oder Auslandsaufenthalten, die glamourös sein sollten, auf denen man sich aber eben auch so hoffnungslos verloren fühlen kann, dass als letzter Ausweg nur noch eine wacklige Skype-Verbindung zu bleiben scheint, um den eigenen Bruder auf einem anderen Kontinent um einen Rat bitten zu können. Der Song beginnt entsprechend auf dem schmalen Grat zwischen Herausforderung und Verunsicherung, Fran Keaneys Gesang ist beinahe gesprochen, sehr cool und nicht weit weg von Bobby Gillespie. Nach etwa drei Minuten macht sich dann eine Gitarrenseligkeit breit, die man beim besten Willen nicht hätte ahnen können, irgendwo zwischen den Byrds und Velvet Underground, schließlich sogar Ekstase. Der Song ist damit typisch für die Qualität der French Press-EP und die Klasse von Rolling Blackouts Coastal Fever. Denn er zeigt: Pop-Punk kann auch klug sein. Und sogar sensibel.

Feiern ist nicht ganz so lustig, wenn man nur den anderen dabei zuschauen kann, zeigt das Video zu French Press.

Website von Rolling Blackouts Coastal Fever.

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