Hingehört: Sarajane – „#StepOne“


Künstler Sarajane

Eigenregie heißt das Prinzip auf Sarajanes Debüt.

Eigenregie heißt das Prinzip auf Sarajanes Debüt.

Album #StepOne
Label McNificent Music
Erscheinungsjahr 2015
Bewertung

Man sollte nicht meinen, dass eine junge Frau namens Sara Jane McMinn, die als ältestes von sechs Kindern vor ungefähr 30 Jahren irgendwo in Niedersachsen geboren wurde, allzu viel mit Karl XII. von Schweden und Napoleon Bonaparte gemeinsam hat. Es gibt allerdings (mindestens) eine Sache, die sie verbindet: Alle drei haben sich selbst eine Krone aufgesetzt.

Bei Sarajane (so der Künstlername der Dame, die seit 2005 in Hamburg lebt) prangt sie über ihrem Namen auf dem Cover des Debütalbums #StepOne. „Ich bin die Königin in meinem Leben und ich allein trage die Verantwortung für den Zustand meines Königreiches“, erklärt sie die Bedeutung dieses Symbols. Es ist genau diese Attitüde der Selfmade-Woman, die das Album am meisten prägt.

Dazu gehört auch die Tatsache, dass #StepOne bei ihrer eigenen Plattenfirma (namens McNificent Music) erscheint. „Ich bin Sängerin, Veranstalterin und Songwriter, Bookerin, Taxifahrerin, Köchin, meine Bank, meine Sekretärin, sogar meine eigene Plattenchefin und noch große Schwester, Freundin, Frau und all das“, betont Sarajane.

Wenn es in Maximum, dem kraftvollen und spannungsgeladen letzten Lied auf #StepOne im Refrain heißt „Take it to the maximum“, dann steckt darin nicht nur eine erotische Komponente, sondern eindeutig auch der Appell, sich nicht mit dem zweitbesten zufrieden zu geben. Wenn sie in der Single Moving Up am anderen Ende der Platte zu energischem Soulpop à la Jan Delay mit viel Tempo und noch mehr Blechbläsern vom Weg nach oben singt, dann ist das eindeutig kein Lippenbekenntnis, sondern eher eine Warnung an den Rest der Welt: Aufgepasst, jetzt komme ich.

Moving Up habe ich geschrieben, um mich daran zu erinnern, das, auch wenn es mal hart ist, ich meinen Weg selbst ausgewählt habe und Schritt für Schritt  für meinen Traum gehe. Es ist mein persönliches Happy – immer, wenn ich es singe, bin ich wieder neu entschlossen“, sagt Sarajane. Zu den Stationen dieses Wegs gehörten bei ihr die Ausbildung an der Hamburg School of Music ebenso wie ein Job im Background-Chor von Ina Müller.

Das Schöne an: #StepOne: Dieses Debütalbum hat nichts von einem verkrampften „Jetzt will ich es wissen, dies ist meine vielleicht einzige Chance auf den großen Durchbruch.“ Im Gegenteil: Sarajane ist entspannt und souverän, sie weiß, dass sie genug Erfahrung gesammelt und Können trainiert hat, um sich Blendwerk verkneifen zu können. Die Platte kann wunderbar mellow sein (Okay, Carousel), aber auch ausgeklügelte Dynamik bieten wie It Don’t Matter, das von Betrug und Verlassenwerden erzählt (auch wenn unverkennbar ist, dass der Song live deutlich besser funktionieren dürfte als hier).

Will You Be There ist leichtfüßig, aber nicht leichtgewichtig. Die staunende Liebeserklärung Too Beautiful wird sehr funky und überrascht zwischendurch mit einem Sprechgesang (von René Hargens), bei dem man kurz Snoop Dogg am Werke wähnt. Für einen so atmosphärisch so stimmigen und eingängigen Track wie das gitarrenlastige What Would You Say würden Gossip mittlerweile wohl töten. Let Go ist angenehm, schön und elegant, aber nicht gänzlich ohne Punch – besser kriegen das Morcheeba auch nicht hin.

Insgesamt ist diese Musik ein bisschen zu konventionell in ihrem Sound- und Wertgefüge, sie weiß auch auf manchmal unglückselige Weise um die Bedeutung von solidem Handwerk. Sie ist aber auch echt und leidenschaftlich. Dazu gehört auch Sarajanes Entscheidung für (wenn auch meist arg schlichte) englische Texte. „Ich muss in der Sprache schreiben, in der ich auch träume. Außerdem habe ich auch Bock, meine Songs mal in England zu spielen und auf den Prüfstand zu stellen“, sagt sie.

Das könnte durchaus gut funktionieren: Beyoncé hätte in ihrem Live-Repertoire sicherlich noch Verwendung für einen trotzigen Feger wie Wake Up Call, das ein tolles Arrangement zu bieten hat, mit ganz viel Feuer, einem Marschmusik-Schlagzeugsolo und einer kleinen Ghostbusters-Anspielung am Schluss. Flying ist eines von mehreren Liedern, die zeigen: Auch wenn die Musik mal etwas zurückgenommen ist, bietet die Stimme von Sarajane noch immer ganz großes Drama.

For You bleibt die einzige lupenreine Ballade der Platte, und wenn sie darin bekennt „I got this love for you“, dann kann kein Mensch daran zweifeln, dass diese Liebe ein unbedingtes Gefühl ist, aber auch ein schmerzhaftes. Friday Night entpuppt sich als ein Hit, mit Spaß am Tanzen und einer Sehnsucht nach Soul, wie sie Moloko in ihren besten Momenten ausgelebt haben. Solche Vergleiche drängen sich durchaus regelmäßig auf beim Hören von #StepOne – manchmal weiß man nicht, ob man sich von Sarajane zuerst ein Duett mit Malky oder einen Sangeswettstreit mit Emeli Sandé wünschen soll, und fast immer sind es Vergleiche, auf die sie durchaus stolz sein kann.

Ein bisschen Live-Vergnügen gibt es im Video zu Moving Up.

Demnächst stehen reichlich Konzerte von Sarajane an.

19.03.15 Mannheim, Nelson

26.03.15 Stade, PiPaPo

29.03.15 Hamburg, Knust

15.04.15 Berlin, Grüner Salon

23.04.15 Rostock, Ursprung

07.05.15 Rendsburg, Kinocenter

22.05.15 Köln, Wohngemeinschaft

23.05.15 Bonn, Kunstrasen

29.05.15 Bremen, Kito

Homepage von Sarajane.

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