Hingehört: Son Lux – „Lanterns“


Mal episch, mal minimalistisch kommt "Lanterns" daher.

Mal episch, mal minimalistisch kommt „Lanterns“ daher.

Künstler Son Lux
Album Lanterns
Label Joyful Noise
Erscheinungsjahr 2013
Bewertung

Es gibt Alben, jeder Musikfan kennt sie, die brauchen eine Weile. Sie bleiben beim ersten Auflegen rätselhaft oder gar enttäuschend, sie entwickeln sich dann aber, wenn man ihnen die Gelegenheit gibt, bis man sie schließlich umso mehr ins Herz schließt. „Grower“ sagen die Engländer zu solchen Platten.

Lanterns, das dritte Album von Son Lux alias Ryan Lott, passt einerseits in dieser Kategorie, andererseits aber nicht. Wachstum ist hier eine viel zu kleine Kategorie für das, was sich zwischen den einzelnen Durchläufen abspielt. Beim ersten Mal klingt Lanterns belanglos, beim zweiten Mal schon bemerkenswert, beim dritten Mal bedeutend. Es ist wie eine extrem beschleunigte Evolution: Alle 42 Minuten entsteht die nächste Entwicklungsstufe.

Das ist kein Wunder, denn Ryan Lott versteht sich ebenso als Komponist wie als Produzent, und er schichtet als Son Lux wahlweise zig Dimensionen übereinander oder bleibt ganz reduziert. „Lanterns offers up enough sonic challenges to cause a massive battle within anyone’s headspace”, hat Popmatters diesen Effekt beschrieben. Eher wie die Musik für ein Theaterstück oder eine moderne Oper mutet beispielsweise Ransom an, mit Störgeräuschen und Geigen, die wie zu Tode verängstigte Schmetterlinge klingen. Easy hingegen wirkt (kein Wunder bei diesem Songtitel) wie ein Soulklassiker, der bei einem Achtel der regulären Geschwindigkeit abgespielt wird, und Enough Of Our Machines bleibt hochgradig abstrakt.

No Crimes schafft es, lupenreinen Punk und ein brachiales Schlagzeug mit Bläsern und Streichern zusammenzubringen, die eher nach Strawinsky klingen. Lanterns Lit ist abwechselnd minimalistisch und episch, Pyre hat die Tiefe und Innovationskraft der ambitioniertesten Radiohead-Momente. Plan The Escape könnte man eine Hymne nennen, die von ihrer eigenen möglichen Größe verschreckt wird. Lost It To Trying setzt auf einen Beat, der zugleich mächtig und gebrochen ist.

Alternate World heißt der Opener dieser Platte, mit Chören, einer Slidegitarre und Rückwärtselementen, und das ist vielleicht die beste denkbare Bezeichnung für die Musik von Son Lux. Dazu passt auch der Hinweis, dass zwar unter anderem Peter Silberman (The Antlers), oder yMusic (Dirty Projectors, Bon Iver) zu den Gästen auf Lanters zählen, sie aber alle verschmelzen in der Vision von Ryan Lott. Er vereint hier das Digitale mit dem Analogen, die Kalkulation mit der Mystik, und er hat dabei alle Fäden in der Hand.

Der Albumtrailer zu Lanterns:

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